Wie heißt es so schön?… der Friseur gibt dem Ich neuen Schwung. Nun, was an einem Tag noch in Ordnung erscheint, geht am nächsten manchmal schon nicht mehr und ein Friseurtermin muss her.

Sobald der Friseur dann Hand anlegt, behalte ich trotz vorheriger Besprechung den Fortgang  immer   im  Auge. Selten vertiefe ich mich in eine Zeitschrift, wenn meine Olga aus Sibirien beim Schneiden um mich rotiert.  U.a. komme ich auch meist deshalb nicht zum Lesen, weil die Strähnchenfolie immer genau da über den Ohren sitzt, wo man die Lesebrillenbügel reinschieben müsste und mir dann das Risiko des Verwischens oder Plackenbildung zu groß ist. Außerdem erzählt Olga oft sehr unterhaltsam aus ihrer Heimat und freut sich mit ihrer jüngsten Kundin (!) zu plaudern.

Und mal ehrlich, ich kann  Kunden nicht verstehen, die nach Stunden des Werkelns auf ihrem Kopf schließlich hochsehen und dann entrüstet kommentieren, dies so nie gewollt zu haben.

Wie auch immer, als ich vor drei Jahren das Angebot bekam, mich bei Paul Mitchell als Haarmodel vorzustellen, wollte ich diese Chance nutzen. Was soll denn schon schief gehen, wenn zuvor Farbe und Schnitt besprochen werden. Einfach mal ein neuer Look !!
Und wenn schon Haare lassen, dann  bei einer  großen Frisuren-Show unter den Händen eines Starcoiffeurs  in der Frankfurter Festhalle im Rahmen der Frisuren-WM.

Die Auswahl verlief positiv, nicht zuletzt, weil die angetretene jugendliche Konkurrenz zum Teil  zuvor wohl wenig  sorgfältig und pfleglich  mit ihren Haaren umgegangen ist; raus gewachsene Ansätze  und grau-gelb zersplisste Haare sind da eher unpassend.

Nach kurzem Gespräch mit dem charmanten Angus Mitchell (Nachfolger des Vaters/ Firmengründers) über seine Heimat Hawaii erscheint schließlich sein Meister-Stylist/ Global Artist Director Robert Cromeans (betreibt Salons in San Diego und Las Vegas) mit Sonnenbrille und Schottenrock, ganz zu schweigen von seinen Schuhen. Er geht die Reihe ab, zupft an meinen Haaren und murmelt mit seinem englisch-schottischen Akzent so etwas wie „bjutifuuul“ . d.h. ich bin nicht nur Auswahlkandidatin, sondern gleich für zwei verschiedene Schnitte vorgesehen. Erst ein Stufenschnitt, dann ein asymmetrischer kurzer Nacken . Nun denn, es wird immer wieder versichert, dass nichts passiert, was man nicht will … und das ganze Team ist ja auch sehr nett und motiviert.

Nur, was ich völlig übersehen hatte: bei einer Bühnenshow vor vielen hundert Leuten hat man keinen Spiegel mehr vor sich mit dem man das Geschehen verfolgen bzw. kontrollieren kann, denn es gilt in die Menge zu strahlen.

Also nimmt die Show bei super Stimmung mit Live-Kommentar via Headset  seinen Lauf und schnell wird klar, dass ich die älteste Kandidatin bin, die das Mitchell-Team je auf der Bühne hatte. Das Publikum quittiert auch dies mit Raunen und Applaus.

Es folgt der zweite Durchgang und schon werde ich auf dem Drehstuhl herumgewirbelt, rechts und links werden eilens Zöpfchen geflochten, um so eine neue Schnitttechnik zu erklären …   und dann wird es im Nacken plötzlich kühl. Das untrügliche Zeichen dafür, die Schere gerade zugeschlagen hat und es anscheinend unterschiedliche Auffassungen von Kinn lang gibt.  Zu spät, es gibt kein Zurück, immer lächeln. Und Schwupp-die Wupp, der Mann ist von der schnellen Truppe, ist alles fertig und die nächste hawaiianische Tanzeinlage rauscht auf die Bühne.

Unter dem Jubel der Zuschauer wird am Rande der Bühne noch  schnell ein Gruppenfoto gemacht und schon zieht die Karawane weiter … the Show must go on.

Hinter der Bühne nehme ich erst mal einen Spiegel und … bin happy. Toller immer aktueller Stil …..

Petra
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