Erschienen auf BARBARA.de, 26.11.2017

„Ich bin Best Ager und soll eine Windel anziehen – wie krass ist das denn?!“

von Diana Huth (Interview)
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Foto: Renate Zott

Mit 50 in den Ruhestand? Nichts da. Für Renate Zott fängt das Leben gerade erst an. Sie erfindet sich neu und steckt all ihre Energie in ihren Blog Top Age Model. Dort widerlegt sie das Klischee, dass man ab 50 eigentlich nur noch in Gesundheitslatschen und beigen Klamotten rumläuft und zeigt, wie es deutlich besser geht.BARBARA: Manche empfinden die 50 als Super-GAU. Du hingegen krempelst einfach dein Leben um und fängst an zu bloggen. Wie kam’s? 

Renate Zott: Ich hatte schon immer vor, einmal Model zu sein. Als ich dann den finanziellen Puffer dazu hatte, war ich fast 50 und musste feststellen: „Hoppla, man will mich ja gar nicht mehr sehen.“ Also habe ich mir meinen eigenen Weg gesucht, um gesehen zu werden. Ich entschied mich fürs Bloggen und entdeckte die Nische der über 50-Jährigen. Da gab es nichts, was mir gefiel. Nicht eine Seite, die Frauen so zeigt, wie sie heute mit über 50 sind: jung und cool, wie keine Generation 50plus vor uns. Darum wollte ich über Mode, Beauty und Lifestyle schreiben. Und darüber, wie man sich das Leben mit über 50 schön gestalten kann.

Viele Frauen haben mit dem Älterwerden Schwierigkeiten. Du nicht?

Die Tatsache, dass wir in diesem Alter Falten haben, grämt mich nicht, sondern spornt mich an meinen Körper, meinen Geist und mein ganzes Auftreten so zu gestalten, dass man als Betrachter sagt „Hey, die Frau sieht toll aus.“ Das kann man als 40-, 50- und auch 60-Jährige. Ich habe kein Limit in meinem Kopf, weil uns das doch nur beschränkt, wenn man sich selber einredet, was alles nicht mehr geht. Ich sage: „Pflegt euch, verpackt euch schön und treibt Sport. Das ist schon des Rätsels Lösung. Und das gefällt auch meinen Followern.

Botox, Schönheits-OPs, heutzutage gibt es viele Möglichkeiten, jünger auszusehen. Wäre das etwas für dich?

Die natürliche Art alt zu werden ist die allerbeste. Wir können die Falten doch eh nicht verhindern. Wer künstlich versucht jung zu bleiben, bewirkt meist nur das Gegenteil. Viele Gesichter sehen nach Schönheits-Ops sehr krass aus. Dabei können wir auch mit Falten wunderschön sein. Tatsächlich können Gestik und Mimik mit Falten noch viel interessanter werden und Lebensgeschichten erzählen. Ich möchte das nicht wegschneiden oder glätten. Das ist aber jedem selbst überlassen.

In der Mode wechseln die Trends ja fast wöchentlich. Lässt du dich davon beeinflussen?

Mir ist wichtig, dass ich mich wohlfühle in dem, was ich anhabe. Natürliche sehe ich mir neue Kollektionen und Trends an und daraus picke ich mir einfach, was zu mir passt und meinen Typ am besten entspricht. Ich nehme mir die Zeit, um morgens mein Outfit rauszusuchen und manchmal entscheide ich mich auch noch um.

Ist es ein Problem, wenn man versucht, sich zu jugendlich anzuziehen?

Wieso? Klar können wir auch noch zerrissene Jeans anziehen. Man muss in meinen Augen nur aufpassen, dass man zum Beispiel Overknees nicht zu sexy kombiniert. Sonst läuft es in die falsche Richtung. Nicht zu tief dekoltiert, zu kurz – das meide ich. Aber mit seiner Garderobe eine gewisse Jugendlichkeit ausdrücken, finde ich gut. Keiner muss heute mehr dem klassische Bild von Rentnern in beiger Steppjacke verkörpern. Was unterscheidet dich von den jungen Instagram-Bloggerinnen? Ich bin sehr authentisch und verstelle mich nicht. Natürlich arbeite auch ich ab und zu mit Foto-Filtern, aber ich beeinflusse Bilder lange nicht so sehr wie viele jüngere Bloggerinnen. Außerdem gibt es bei mir keine gekauften Follower und ich gehe keine unsinnigen Werbekooperationen ein, sondern unterstütze die Marken, die zu mir passen. Ich möchte ja ich sein und nicht gekauft.

Die Generation 50plus wird auch als „Best Ager“ bezeichnet. Du nennst dich „Top Ager“. Wieso?

Der Begriff „Best Ager“ hat mir von Anfang an nicht gefallen, weil er mir zu alt erscheint und zu konsumorientiert ist. „Best Ager“  – oder noch besser „Silver Ager“ – sind in der Wirtschaft oft Menschen, denen man teure Autos verkaufen will. Für mich steht mein Alter dafür, angekommen und in der Lage zu sein, meiner Leidenschaft zu folgen. Es bedeutet für mich, mitten im Leben zu stehen und sich richtig gut fühlen und lebendig – sogar besser als mit 35 oder 40. „Best Ager“ klingt nach Ruhestand und ich fühle mich im „Top Age“, im Unruhe-Zustand und mache, was mein Herz begehrt. Es ist doch Wahnsinn, dass ich kurz nach meinem 50. Geburtstag eine „Tena Lady“ per Post zugeschickt bekommen habe. Ich bin jetzt sogenannter Best Ager und soll eine Windel anziehen – wie krass ist das denn?! Ich bin weder inkontinent noch habe ich Gelenkschmerzen.

Was gibst du deinen jüngeren Fans mit auf den Weg?

Was Beautythemen angeht, kann ich nur raten, sich selbst und seinen Körper zu achten. Gebt eurem Körper das, was er braucht, ihr habt nur den einen. Und nicht vergessen auch den Hals zu pflegen, das ist mir passiert. Jetzt ist er schon ganz schön schrumpelig

Apropos Pflege: Unser heutiges Thema lautet Cremes – was sind so deine Must-Haves im Beauty-Schrank?

Ich liebe Masken. Wenn ich wenig Zeit habe, trage ich sie zumindest in der Dusche auf – mindestens zweimal die Woche. Ansonsten sind je eine Tages- und Nachtpflege bei mir im Schrank. Total wichtig ist auch ein Serum darunter und eine spezielle Augenpflege.


Persönliche Anmerkung: Hier das Interview mit der lieben Diana Huth von der BARBARA online Redaktion,
erschienen am 26.11.2017 auf barbara.de und für alle, die den Artikel dort nicht gelesen haben. Weitere
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Danke BARBARA – ihr seid klasse! Anders, erfrischend, clever & einfach charming!

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