Ankunft auf dem Wiener Hbf gegen 16.40 Uhr
Der Verkehr ist wegen Schneechaos fast zusammengebrochen und es gibt nicht einmal mehr ein Taxi. Als endlich eines kommt, entpuppt sich der Fahrer als erklärter Opernballgegner.

Gegen 17.40 Uhr im Hotel
Schnell Koffer auspacken und in’s Restaurant. Mein Gatte schafft sich mit Frittaten-Suppe, Wienerschnitzel und Sachertorte erst einmal eine gute Grundlage für die bevorstehende lange Nacht.
Meine Gedanken sind schon längst bei Make-up und Frisur, da immer noch ein Schneesturm tobt. Wozu gibt es Haarlack, “viel hilft viel” und noch ein wenig Goldlack oben drauf .. “baasst schoo”.
Währenddessen kämpft sich mein Mann noch in seinen Frack, was alleine fast nicht möglich ist. Meine Herren, Sie lächeln, dann probieren Sie es einmal ….

Abfahrt kurz vor 20.00 Uhr
Einbahnstraßen und diverse Sicherheitssperren lassen uns schließlich eine halbe Stunde zwischen Oper und Rathaus hin und her gefahren, jetzt bleibt nur noch der Weg direkt durch das Hofburg-Areal.
Aussteigen in großer Robe und hochhackigen Pumps ist angesichts einer 10 cm hohen rutschigen Schneeschicht gar nicht so einfach ist. Wir gelangen zum Eingang, und erreichen im Gefolge des rot-weiß-rot gestreiften Außenministers schließlich die Garderobe.

20.40 Uhr. Wir postieren uns auf der Paralleltreppe zum Hauptaufgang, wo schon Presse, Funk und Fernsehen lauern, um die Ehrengäste abzupassen. Unauffällig beobachtet jeder jeden …er/sie könnt’ ja prominent sein.
Und da kommen auch schon “Mörtel” Lugner und sein Ehrengast die Treppe herauf; gefolgt von unzähligen “bandagierten” und Orden behängten Ministern, Militärs, Botschaftern, Jung-Adeligen, etc. … ja man möchte meinen, daß demnächst wieder die Aristokratie ausgerufen wird.
Nachdem der Bundespräsident mit Gattin sowie andere Würdenträger den grünen Teppich herauf geschritten sind (inzwischen ist er rot) und in der Ehrenloge Platz genommen haben, ertönt punkt 21.00 Uhr die Nationalhymne, gefolgt von der Europahymne.

Als etwas später die eigens komponierte Debütanten-Fanfare erklingt, schreiten ca. 150 Paare höchst konzentriert und angespannt über das Parkett. Die Krönchen der Damen sind meist von namhaften Designern entworfen (auch Lagerfeld gab sich schon einmal die Ehre) und mit Swarovski-Steinen besetzt.
Der Saal ist traditionell mit Blumen aus San Remo geschmückt; anläßlich des 100. Todesjahres von Johann Strauß Sohn lautet das Motto “Rosen aus dem Süden”.
Von unserem Platz in Reihe 5, Balkon Mitte aus haben wir das Geschehen gut im Auge. Ein Startenor trällert seine Arie und das Kinderballett tanzt erfrischend zur Diebes-Polka. Kamerasurren, Blitzlichtgewitter. Hier sitzt man nun … man fühlt sich, als ob gleich der Kaiser herein käme. Naja, so ist’s nun auch wieder nicht, aber als der Conferencier dann schließlich die magischen Worte “Alles Walzer” sagt und das Orchester die “Schöne blaue Donau” anstimmt, läuft einem doch ein süßer Schauer über den Rücken.

Hunderte Tanzpaare verschmelzen drehend in einer Symphonie in schwarz-weiß … „möcht’ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch Du bist so schön”.
Obwohl der Saal und das gesamte Opernhaus sehr weitläufig angelegt sind, droht auf dem Parkett bei über 5.000 Besuchern Erstickungsgefahr. Also, nichts für Leute mit Klaustrophobie!
Nun wollen auch wir es wissen und streben der Tanzfläche zu … es erklingt der Kaiserwalzer … schon nach zwei Drehungen spürt man den ersten Ellenbogen im Kreuz, “pardon“ man übt Nachsicht … immer nur lächeln.

Alle Befürchtungen sich beim Links-Walzer zu blamieren verfliegen, denn die Füße sieht ohnehin keiner mehr. Somit ist der Wiener Opernball sicher die perfekte Tanzveranstaltung für professionelle Nichttänzer!
Trotzdem man eigentlich nur auf der Stelle tritt, versuchen einige doch immer wieder sich in Richtung TV-Kamera zu schieben, man möchte ja schließlich im Bild sein.
Bei der nationalen Einteilung und Auswahl der Debütanten werden übrigens strenge Kriterien angelegt: alle müssen passable Tänzer sein und ein mehrtägiges Training absolvieren. Die meisten Paare (Altersbeschränkung 24 Jahre) repräsentieren die „höheren“ Töchter und Söhne der Wiener Gesellschaft, weitere 25% die restlichen österreichischen Bundesländern, die andere Hälfte verteilt sich über die ganze Welt. Unter den deutschen Teilnehmern ist u.a. auch ein “Von Soundso ” – “Von-sein” schadet bei der Auswahl natürlich nicht.

Irgendwann fließt alles ineinander. Eine Damenkapelle spielt im Marmorsaal, im Kellergeschoß befinden sich die Disko und ein “Heurigen”-Lokal, anderswo versucht man sein Glück beim Roulette oder am Glücksrad. Längst glühen die Füße und nur noch ein eiskaltes Mineralwasser bietet halbwegs Erfrischung. Jetzt bloß‘ kein Champagner, sonst ist die Nacht gelaufen. Die Luftzirkulation ist ob der Besuchermassen ziemlich überfordert; lediglich im Wintergarten und der Pianobar läßt es sich abkühlen. Ab und an fängt man amüsante Satzfetzen auf. Man prostet sich zu, und zieht weiter.

 

Absoluter Stimmungshöhepunkt gegen 00.00 Uhr ist die Quadrille. Vier berühmte Motive aus der Fledermaus dienen als musikalische Vorlage und der “Caller” gibt sich redliche Mühe, die Tanzenden in Reih’ und Glied zu halten, was jedes Jahr auf’s Neue charmant mißlingt. Es soll sogar Leute geben, die dafür zuvor noch einen Privatlehrer engagieren.
Manche halten tatsächlich bis zum offiziellen Ball-Ende um 05.00 Uhr früh durch, wenn das letzte Highlight “die abschließende Blumenschlacht” ansteht.

Wir machen schon gegen 02.30 Uhr “schlapp. Wenn’s am Schönsten ist, soll man gehen. Alle Gäste die den Ball verlassen, erhalten Aufmerksamkeiten diverser Sponsoren wie zum Beispiel eine Opernball-CD, Parfums, eine silberne Gedenkmünze, Casino-Chips etc. .. und vor allem ein Frühstückstütchen mit frischen Brötchen und legendären Punschkrapfen einer bekannten Bäckerei.

Fazit: Der Wiener-Opernball war geprägt von einer schönen und überraschend lockeren Atmosphäre, ohne Arroganz und Gafferei. Alle waren heiter und ausgelassen ohne aus der Rolle zu fallen. Wie heißt es doch so schön:
Das machen wir mal wieder, dann aber mit Deutschland-Scherpe und Ehrenorden am Gurgelknopf.
2018 findet die Veranstaltung am 08.02. zum 67. Mal statt. Ob es noch Karten gibt? Der Verkauf beginnt i.d.R. ein Jahr zuvor.

 

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Petra
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