Keine Sorge, hier geht es nicht um’s Alterrn. Jeder Mensch hat tatsächlich nicht nur eine Ausstrahlung, sondern auch seine individuelle natürliche Strahlung. Auf meiner Hand wurden schon vor Betreten des Reaktorgebäudes  laut Meßgerät 124 Milli-Sievert gemessen.

Schon mal ein Atomkraftwerk von innen gesehen? Möchten Sie wissen, wie eine Turbinenwelle funktioniert und das Vibrieren dieser größten, vom Menschen entwickelten Maschine im Maschinenhaus spüren? Einmal in den Kühlturm treten und sein gewaltiges Echo hören … oder ihn besteigen, wenn auch nicht ganz, denn der ist 153 m hoch. Das und viel mehr kann man unmittelbar bei einem geführten Besuch im AKW Philippsburg (und auch an anderen Standorten) erleben und dabei Wissenswertes rund um die Energieerzeugung aus Kernkraft erfahren, die ja bald ein Ende haben soll. Dann wird auch hier Block 2 abgeschaltet. Block 1 ist bereits seit März 2011 runtergefahren, was übrigens nicht auf Knopfdruck funktioniert, sondern Monate dauert.

Immerhin kann bei Maximallast eine Leistung von rund 1500 Megawatt Strom erzeugt werden (p.a. 10 Mrd. Kilowattstunden); hochgeladen bzw. in’s Leitungsnetz eingeschleust wird mit bis zu 350.000 Volt. Steht man in der Nähe kann man deutlich das Knistern der Hochspannungsleitungen hören.

 

Also los … Sicherheit wird Groß geschrieben, daher kommen auf sechs Besucher stets zwei Führer/-innen. Ausgestattet mit Identitätsausweis, Dosimeter, Sicherheitshelm und einem Overall sowie Überschuhen geht es auf die mehrstündige Tour. Mehrfache Personenkontrollen bei Ein- und Austritt zwischen den Gebäuden sowie mehrere Sicherheitsschleusen und Strahlenmeßstellen werden während des Besuchs sowie beim Verlassen des Werkes durchschritten. Das Ambiente gleicht einer Mischung aus Flughafen und Raumschiff Enterprise.

Sowohl beim einleitenden Vortrag als auch während der Führung durch Reaktorgebäude, Maschinenhaus sowie Kühlturm gewinnt man den Eindruck, dass alle Beschäftigten geradezu cool-professionell und bei bester Laune ihre Arbeit erledigen, wohl wissend, dass trotz aller mehrfachen Sicherungs- und Kontrollsysteme immer ein Restrisiko bleibt.

Auch wir müssen in manchen Abschnitten weiße Schutzkleidung tragen, damit kein „Stäubchen“ nach innen gelangt. Denn insbesondere chemische Elemente des täglichen Lebens können an diesem Ort  ungewollte Reaktionen auslösen.

Nach einer Druckschleuse (fast gespenstisch schließen sich die zentimeterdicken Gußeisentüren von außen, nichts für Paniker) stehen wir schließlich in der Reaktorkuppel und schlagartig steigt die Temperatur auf ca. 30 C. Der Blick auf das Blau des Kühlbeckens ist atemberaubend und man kann die einzelnen Brennelemente schimmern sehen. Schaurig schön …

 

Da bis heute die Endlagerfrage in Deutschland nicht abschließend geklärt ist und Castoren-Transporte bis auf Weiteres verboten sind, muß nun jedes KKW sein eigenes Zwischenlager für die ausgedienten Brennstäbe haben.

Was wird, wenn die Energiegewinnung durch Atomkraft alsbald endet. Diese Lücke an Energieversorgung muss – um unseren gewohnten Lebensstandard/ Lifestyle aufrecht erhalten zu können – kompensiert werden.  Dies gelingt derzeit und wohl auch noch in den nächsten Jahrzehnten durch die sonstigen bekannten alternativen Energiequellen nicht im vollen Umfange. Also z.B. verstärkte Gaszukäufe aus Russland? Altbundeskanzler Schröder läßt grüßen. Da muss noch einiges geschehen bis diese Versorgung sichergestellt ist und Elektroautos Sinn machen.

Der Satz, „der Strom kommt aus der Steckdose“ stimmt zwar, zu oft wird jedoch nicht gefragt  woher  er kommt. Diese Frage zufriedenstellend zu beantworten, ist eine der Herausforderungen des 21. Jahrhunderts, der sich eine Konsumgesellschaft stellen und Antworten finden muss. Jede Medaille hat eben zwei Seiten.

In diesem Sinne.    Mein Dosimeter hat übrigens nicht angeschlagen und stand stets auf Null.

Alles nur eine Frage der Software-Manipulation? … dieser Gedanke wäre zynisch.

 

Aber und hier schließt sich der Kreis zu Mode und Lifestyle: Wenn Fashionshows in Dänemark (so Designer Henrik Vipsco) schon in Schlachthäusern stattfinden und die Models um hängende Fleischkörper kreisen, dann wäre auch so ein Atomkraftwerk eine spektakuläre Kulisse. Oder?

 

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Petra
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