Die Welt ist ein merkwürdiger Ort, während in bestimmten Regionen – nicht unbedingt in der Nähe des Äquators – bis zu 70 Grad Plus im Schatten (!) erreicht werden, kann das Thermometer anderen Orts bis auf 90 Grad Minus fallen.

Konkret gibt es im Jahresverlauf die größten Temperaturunterschiede in Nord- und Zentralasien, denn die riesige Landmasse Asiens verursacht ein ausgeprägtes Kontinentalklima mit starken Temperaturgegensätzen. Die trockenheißen Sommer und trockenkalten Winter werden oft nur von kurzem Frühling und Herbst getrennt. Orte in China, Russland und Kasachstan, Mongolei und Usbekistan  bringen es jeweils auf eine Differenz von über 85 Grad C.

Wir denken gerade unser Sommer in Deutschland wäre heiß? Dann schauen Sie mal, welche Gluthitze in anderen Regionen der Welt herrschen kann:

Spitzenreiter auf Platz 1 bei den Temperaturen ist wohl die Wüste Dascht e Lut im Iran, wo brennend heiße Sommerstürme eine unwirkliche Mondlandschaft aus dem Gestein geschmirgelt haben. 70,7 Grad Celsius wurden dort aufgezeichnet – Weltrekord! Aber auch im australischen Bundesstaat Queensland (Platz 2) kommt man ganz schön ins Schwitzen bei 68 Grad. Und die Flammenden Berge im Nordwesten Chinas nahe der Oase Turfan (Platz 3) machen ihrem Namen mit einer Rekordtemperatur von 66 Grad alle Ehre.

Platz 4: El Azizia im Nordwesten Libyens (57 Grad, teils strittig), Platz 5: Death Valley, USA (56 Grad), Platz 6: Kebili, Tunesien (55 Grad), Platz 7: Oasenstadt Ghadames, Libyen (53)  oder Mitriba Kuwait (54), Platz 8: Timbuktu, Mali, Platz 9: Tirat Zvi, Israel, Platz 10: Lake Havasu City, Arizona, USA.

 

Die Auflistung sollte nicht als ultimativ verstanden werden und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit, gibt aber sicher einen guten Eindruck. Nicht umsonst kennt man zudem die wenig netten Redensarten, wie „ich wünsch‘ Dich nach Timbuktu“ oder „Fahr‘ zur Hölle und bleib‘, wo der Pfeffer wächst“. In der Tat ist z.B. auch Cayenne (frz. Guayana) ein sehr unangenehm feucht-heißer Ort.

Als die durchschnittlich heissesten Städte in Europa gelten Sevilla, Cordoba und Athen, wo in den Sommermonaten Juli und August häufiger um die 46 Grad gemessen werden. In Deutschland streiten Kitzingen und Karlsruhe um den Spitzenwert von 40,5 bzw. 41 Grad.

Wie sich übermäßige Hitze anfühlt, habe ich schon selbst erfahren, nämlich in der Barranca del Cobre (Zentral-Mexiko), Queensland und Tunesien. Fotos lassen Temperaturen leider nur erahnen. Im  letzteren Fall war es einzig trockene September-Hitze auf Djerba während einer kleinen Tour zu den Höhlen-/ Felsenwohungen der Wüstenstadt Matmata. Trotz Kopfbedeckung und nur wenigen Minuten Erklärungen seitens des Führers in der senkrecht stehenden Sonne, haben mich kurz vor dem Umkippen sprichwörtlich Sternchen sehen lassen und das Hörvermögen geschwächt  „… und sie haben eine kleine Krankenhaus wohin kommt der Doktor alle die Mittwoch…“ Obwohl wir unmittelbar danach in den mit 25 Grad kühlen Höhlenwohnungen zwei Stunden verweilten und auch gegessen haben, hatte mein Magen-Darm-Trakt zugunsten des getreßten Herz-Kreislauf-Systems jegliche Verdauung eingestellt. Erst am Abend, also acht Stunden danach, war alles wieder im Gleichgewicht.

In Cairns / Queensland (AUS) gingen wir an einem Vormittag im Februar zu einem Stadtrundgang von Bord und konnten angesichts der intensiven Sonne bei extrem hoher Luftfeuchtigkeit (über 80%) uns nur in Gebäuden mit Klimaanlage aufhalten oder sprangen von einer Überdachung zur anderen, da diese Arcaden und Verandavorsprünge größtenteils künstlich beregnet wurden und die Gischt mit Ventilatoren zerstäubt wurde.

Wer sich jetzt schnell ein paar kühle Gedanken machen möchte, findet hier Erfrischung:

An den Hängen des Denali in Alaska wurden schon Temperaturen von -59 Grad gemessen. Die Insel Ellesmere in Kanada gilt mit knapp  -20 Grad als die kälteste aller Küstenregionen. Das Gebiet um Oymyakon, Sibirien (RUS) hält mit -68 Grad C. den Temperaturrekord  als kältester bewohnter Ort der Welt. Es ist der  sprichwörtliche Wohnort von „Väterchen Frost“. Die Hauptstadt der Mongolei, Ulan Bator, gilt mit immerhin -40 Grad C. als kälteste Großstadt der Erde. Den absoluten gemessenen Kälterekord hält m. W. eine meteorologische Station in der Antarktis wo 2010  knapp – 90 Grad notiert wurden.

 

 

Auch Europa kann kalt: z.B. Kittilä in Lappland (FIN) nördlich des Polarkreises schaffte es schon auf – 51,5 Grad. Was es bedeutet, sich den ganzen Tag bei Eiseskälte draußen aufzuhalten, ist auch eine Erfahrung wert. Unweit von Kittilä haben wir einmal romantische Weihnachten verbracht. Schon bei der Landung konnten wir Polarlichter sehen und haben auf dem Skihang Rentier-Burger gegessen. Allerdings kostet es schon Überwindung, wenn das Außenthermometer morgens um 08.00 Uhr noch -35 Grad zeigt. Während des Frühstücks hatten wir freien Blick auf die Temperaturanzeige und als sie schließlich bei blauem Himmel (die Sonne bleibt stets hinter dem Horizont) bei -18 Grad lag, ging’s ab 12.00 Uhr für zwei Stunden auf die Piste. Nach Rückkehr hilft beim nachhaltigen Aufwärmen des Körpers keine heiße Dusche, sondern nur die Sauna. Beim ersten Mal haben wir diese Regel missachtet und haben nach 30 Minuten im warmen Bett trotzdem wieder gefroren. Krank, im Sinne einer Erkältung, wird man bei kurzfristiger Unterkühlung eher nicht, denn angesichts der Kälte sind kaum Viren oder Bakterien unterwegs.

Bei einer Fahrt mit dem Snowmobil zum Eisangeln hatten wir über unserer kompletten Skimontur noch einen Thermoanzug mit ausreichend Luftpolster an. Überdies doppelte Handschuhe und dennoch sind mir beim Fahren  schier die „Hände abgefallen“, d.h. sie waren kaum mehr sprürbar.

Der Kältepunkt Deutschlands ist mit – 41,5 Grad unbestritten der Funtensee im Nationalpark Berchtesgaden; übrigens auch ein sehr schöner Ort, um im Sommer zu wandern.

 

Wie auch immer, die betroffenen Völker wußten/ wissen durch angepaßte Lebens- und Arbeitsrhythmen sowie  Bauweise aber schon immer mit den Temperaturen umzugehen, und das meist ohne moderne Errungenschaften wie einer Klimaanlage, aber z.B. durch „Windtürme“ auf den Dächern oder Erdwohnungen, wie sie auch von den Opalsuchern in Coober Pedey (AUS) genutzt werden.

Extremes Klima erfordert auch spezielle Kleidung, ja kreiert sogar modische Trends. In großer Hitze gibt es m. E. nichts besseres, als weiße/ helle, wehende leichte Baumwoll-Kaftane (unisex) mit Kappe, Kapuze oder einer Art Turban. D.h. ein langes Tuch, das bei Bedarf mit Wasser zur Kühlung befeuchtet werden kann, um es um den Nacken zu legen oder um den Kopf schlingen – so wie es damals unser tunesischer Guide getan hatte.

Also … durchhalten, im Schatten bleiben und karibische Abende genießen ….bei 30 Grad das Eis im Glas schmelzen lassen .

Petra
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