Sie trägt einen großen Namen und hat Geschichte geschrieben, Modegeschichte in der DDR. Mit dem Einheitsgrau der Kleidung wollte sie sich nicht zufriedengeben und Farbe an den Körper bringen.

Die Eltern der unkonventionellen Adligen (geb. 1944) waren während des Krieges aus Österreich nach Deutschland übersiedelt. Zunächst, d.h. ab 1967 arbeitete die Modegestalterin und Journalistin für die Frauen-Zeitschrift „Für Dich“ und begann selbst Mode zu machen, bunter, eleganter, anders – immer in der Gratwanderung zwischen Individualität und Kreativität und dem Mangel an Stoffen und Materialien auf der anderen Seite. Und schließlich auch gegen die gestrengen Augen der DDR-Oberen. Aber sie schaffte es, ein eigenes Label zu etablieren – heute zu sehen im Modemuseum auf Schloss Meyenburg nördlich von Pritzwald in Brandenburg.

http://www.modemuseum-schloss-meyenburg.de/

Als sie 1980 schließlich die erste private Boutique am Prenzlauer Berg in Ostberlin eröffnete, gab es dort – wenig parteikonform – knielange Ketten, Latzhosen aus Fahnenstoff und Röcke mit bis zu sieben Petticoats übereinander. Not und Mangel machen erfinderisch: Als im Westen „Holzklepper“ en vogue waren, sägte sie sich kurzerhand aus zwei Frühstücksbrettchen die begehrten Klapperlatschen zurecht und nagelte Riemchen darüber. Mein alter ego.

„In Doppelreihen standen die Kunden – insbesondere junge Leute – vor dem Laden, abends war alles ausverkauft“, erinnert sie sich. Im „Exquisit“, wo es auch westliche Fabrikate gab, shoppten vor allem die Frauen der Parteifunktionäre. Ein Mantel kostete hier schon mal ein durchschnittliches Monatsgehalt.

Der legendären Knappheit an Naturfasern begegnete sie, indem sie alte Bettwäsche umarbeitete oder Bauernleinen und Handtücher zusammenstückelte. Ein Novum im Land der synthetischen Stoffe. Kein Wunder, daß Ihre Modekreationen und Ausstellungen reißenden Absatz und Interesse fanden (laut ihren Erzählungen oft beäugt von Stasi-Mitarbeitern).

Ihr ganzes Leben lang hat sie historische Kleidung, Puppen und Teddybären gesammelt. Alles begann mit einem schwarzen Kleid ihrer Großmutter. „Das sollte weggeworfen werden, obwohl es noch aus ihrer Wiener Zeit stammte“.

Meist war es weniger Sammelwut, als Retterlust. Einmal stieg sie sogar in einem Abfallcontainer, um ein Tanzkleid aus den 20iger-Jahren zu retten. „Ich habe es irgendwann restauriert, mit einem neuen seidigen Unterkleid versehen, die Blume unter Dampf wieder erblühen lassen.“

Während die rothaarige flippige Blusen aus Bettlaken, Duschvorhängen, Windeln und Molton-Tüchern zauberten, riskierte sie teils Kopf und Kragen, um illegal an die raren Naturfasern zu gelangen. Regelmäßig schlüpfte sie durch ein Loch im Stacheldrahtzaun auf das Gelände einer Russensiedlung. Denn die Russen besaßen die begehrte Baumwolle. „Ich bestach die Verkäuferin mit Westnagellack und Kaffee, und schon hatte ich meinen Stoffballen“, … was wiederum die Stasi auf den Plan rief.

 

Mit dem Modebusiness hat Josefine von Krepl heute nichts mehr am Hut. Dafür besitzt sie nun seit einigen Jahren ihr eigenes Modemuseum auf Schloss Meyenburg (Brandenburg). Für 350 Kleider und Accessoires ist hier Platz – das ist genau ein Zehntel ihrer Sammlung.

2014 hatte ich als Model anläßlich eines White-Dinner-Abends in Bad Doberan (Meck-Pom nahe Heiligendamm/ Ostsee) die Ehre eine Auswahl dieser seltenen wertvollen Kleidungsstücke der Jahrhundertwende zu tragen und zu präsentieren. Alles aus feinster Baumwolle, hauchdünnem Leinen, Seidencrepe  und handgeklöppelter Spitze.

Für die einstündige Modenschau wurde im Kurpark extra der grüne Teppich ausgerollt und J. v. Krepl übernahm selbst die Moderation. Und natürlich hatte sie bis kurz vor Beginn – wie alle Desiger – noch hier und da Hand angelegt und Accessoires zurecht gezupft.; jedes Detail der Kollektion ist ihr wichtig. Vor allem beim An- und Ausziehen ermahnt sie die Helfer und Models immer wieder zur Vorsicht, um die historischen Materialien nicht zu verschließen.

Ein wunderbarer, unvergesslicher Tag – Mode, Musik und Gesellschaft anno dazumal im Parkambiente des ehemaligen Kaiserbades. Der heute 74-Jährigen weiterhin alles Gute und liebe Grüße an eine bemerkenswerte Frau!

Petra
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