„… macht sich von allein, sagt mein Mann … „. Sicher erinnern Sie sich, daß eine gewisse Johanna von Korzian schon 1977 ein Lied davon singen konnte.   https://www.youtube.com/watch?v=RzPkjqjWrfU

Einziger Unterschied: Mein Ehemann weiß, wie zeitraubend und nervtötend trotz technischer Unterstützung und bester Ablaufplanung das bißchen Haushalt im Nebenjob sein kann. Er springt bei Bedarf gerne ein, denn dann bleibt auch mehr Zeit zu zweit.

Vor Einbruch der Novemberkälte habe ich es gerade noch geschafft, alle Außentätigkeiten abzuschließen. D.h. die Reifen wechseln zu lassen, alle Terrassenpflanzen einzuwintern und noch einmal alle Fenster zu putzen.

Ich bin bei Leibe kein Putzteufel, aber für ein „gutes Karma“ habe ich gerne alles erledigt. Man weiß ja nie, was kommt.

Was bestimmt kommt, ist die schöne, aber auch organisationsreiche Adventszeit und plötzlich ist – wie jedes Jahr – wieder Weihnachten.

Vom klassischen Weihnachtsstress lasse ich mich nicht vereinnahmen. Das Wer, Was, Wann tut und Wo, Wie gefeiert wird, vor allem welche Speisen Tante Viola ggf. nicht verträgt, überlasse ich anderen.

Aber aufgrund einer scheinbar schleichenden Gedächtnisschwäche kam es schon vor, daß der sichere Griff zu kuschligen Kissenbezügen, der Winter-Bettwäsche oder Adventsdekoration völlig in‘s Leere ging. Ich hätte schwören können, daß ich diese Sachen letztes Jahr genau da verstaut habe, um sie parat zu haben und garantiert schnell wieder zu finden. Naja, spätestens, wenn man Ersatz beschafft hat bzw. mal ganz was Neuartiges gekauft hat, stößt man unvermittelt auf den Fundort und ist erstaunt, daß man den „Zwilling“ eigentlich schon seit Jahren im Schrank hat.

Was aber eigentlich deprimiert und erlahmen läßt, sind die ewigen Routinetätigkeiten wie Blumen gießen oder Staub wischen. Es gibt Phasen, da macht man die Betten gefühlt zweimal am Tag und trägt stündlich den Müll raus; so schnell vergeht die Zeit. Von der permanenten Beseitigung der Kalkspuren in den Becken und der fortwährenden Mahlzeiten-Frage gar nicht zu reden.

Ganz zu schweigen davon, daß man teils nicht mehr sicher weiß, wann zuletzt die Betten abgezogen wurden oder das Auto mal ausgesaugt wurde. Fest steht bei all‘ der beruflichen und privaten Tätigkeitsflut nur: je mehr man bestrebt ist, alles schnell zu erledigen, um etwas Freiraum für Muße zu schaffen oder einfach mal Nichts zu tun, um den Kopf frei zu bekommen, umso mehr gerät man in’s Hintertreffen. Es ist fast wie im Moor: je mehr man tritt und sich bemüht herauszukommen, umso tiefer sinkt man.

Multi-Tasking ade. Sprichwörtlich zwei Schritte vorwärts und einen zurück, weil man im Nebenraum angekommen durch Ablenkung wie einem Telefonat, manchmal schon gar nicht mehr weiß, was man eigentlich wollte. Oder man kommt beim Sichten vom Hundertste in’s Tausendste und verliert den Fokus.  Statt den Teppichfleck zu entfernen, resultiert die Suchen des Fleckensprays in der Besenkammer im Sortieren von Schuhcremeresten.  Und riecht es nicht schon angebrannt aus der Küche?

Aber selbst angesichts der zahlreichen Hilfsangebote wie Wäscheservice oder Putzhilfe, ist die „Pestilenz des Alltags“ angesichts der „normativen Kraft des Faktischen“ gar nicht so leicht zu besiegen.

Schon ein paar Mal habe ich mir Lebensmittel einer Supermarkt-Kette nach Hause liefern lassen. Anfangs klappt das auch immer gut und der vereinbarte Lieferzeitraum wird eingehalten. Aber recht bald, merkt man, daß die Zeit der Online-Auswahl der einzelnen Produkte auf endlosen Listen schon fast so lange dauert wie das Einkaufen selbst. Insbesondere dann, wenn die Online-Verbindung plötzlich zusammenbricht und man den gesamten fiktiven Warenkorb erneut zusammenstellen muß.

Ausgenommen, man macht es wie die meisten Männer, und klickt einfach auf „Wiederholung“ und bestellt per Knopfdruck immer das Gleiche.  Brrr, Eintönigkeit ist mir ein Grauß.

Daher mein Rat: wählen Sie bei Lieferservice keinen Termin am Samstagnachmittag, denn hie und da fehlt bei Lieferung schon mal ein Artikel, weil er z.B. im Lieferwagen in die Ecke gerutscht ist. Handelt es sich dabei um ein Basisprodukt wie Milch oder Butter, kann man anschließend doch noch in’s Auto springen, um mit viel zeitlichen Aufwand für Ersatz zu sorgen.

Parkplätze vor Ort sind im Zweifelsfall rar und das Knöllchen ist einem Gewiß. Wenn’s ganz dumm kommt, stolpert man noch über seine eigenen Füße oder macht sich in der Eile mindestens die Strumpfhosen kaputt.

Am meisten aber irritiert mich die Vorlaufzeit der Bestellfristen von 3-5 Tagen. Wer weiß schon eine Woche vorher, was er am betreffenden Tag essen will. Davon abgesehen, daß ich mir vor dem Kauf lieber selbst einen Eindruck von der Ware mache.

Geht man außerhalb der Stoßzeiten, sind Theken und Kassen oft nur einfach besetzt und es dauert letztlich ebenso lange.

Vielleicht bin ich auch zu wählerisch oder habe ein erhöhtes Anspruchsdenken. Dennoch passiert es m. E. immer öfter, daß sich andere auf meine Kosten optimieren.  Und manchmal komme ich mir wie in einem ehemals sozialistischen Land vor, wenn es beim Bäcker bestimmte Süßteile oder Brotsorten nur an bestimmten Tagen gibt – jedenfalls selten, wenn ich abseits des Standardsortiments mal etwas davon haben will (für den täglichen Gang habe ich weder Zeit, noch Lust). Gott sei Dank wohnen wir je nach Jahreszeit in der Nähe von Frankreich oder im Chiemgau direkt an der österreichischen Grenze. Da sind solche Service-Einschränkungen noch weitgehend fremd und der Kunde ist König.  Ja, dort sind Lebensmittel im Schnitt etwas teurer, aber m. E. auch frischer und handwerklich oft besser zubereitet. In Frankreich heißt es ja ohnehin nicht Back-Handwerk, sondern Back-Kunst, die Kunst der Verpackung nicht zu vergessen.

Unangenehm wird’s auch, wenn die sinnvolle Reihenfolge an Tätigkeiten in’s Wanken kommt. Manchmal werkle ich wirklich gerne mit den Händen und in 2-3 Stunden kann der Keller tatsächlich neu gestrichen sein … nur: die Bruttozeit sieht anders aus. Das bezieht sich insbesondere auf die Phase der Nachbereitung und dabei nicht nur auf’s Aufräumen, sondern auch auf die folglich erneut notwendige ausgiebige Körperpflege:  Arbeitskleidung und Haare waschen, duschen, Nagellack erneuern usw. – also alles immer wieder von vorne.

Aber genug gejammert: Gott sei Dank habe ich wegen Rückenproblemen seit einiger Zeit eine gelegentliche Haushaltshilfe, die eine echte zuverlässige und umsichtige „Perle“ ist. Sonst wären die Extra-Stunden für’s Bloggen und die zahlreichen Reiseaktivitäten gar nicht möglich. Außerdem arbeitet es sich zu zweit einfach effizienter. Ihr sei an dieser Stelle ein Denkmal gesetzt.

Sie kennen diese  „Larmoyanz der Tage“ nicht, an denen sich alles gegen einen verschworen zu haben scheint?… , dann wünsche ich Ihnen, daß es so bleibt. Wenn doch, ist geteiltes Leid auch ein bißchen halbes Leid.

Machen wir das Beste draus und immer den Humor behalten … wenn’s mal wieder geschafft ist, werden schließlich reichlich Endorphine (Glückshormone) freigesetzt.

Petra
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1 Comment

  1. Renate Zott Reply

    Das mit dem bisschen Haushalt… wird viel zu wenig gesagt. Super aufgegriffen und ich kann mich nur anschließen!

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