Ja, der Eiskunstlauf gilt als „eiskaltes Geschäft“ und es gab schon den Fall, daß die Konkurrenz durch Verletzung mit einer Eisenstange aus dem Weg geräumt werden sollte (US-Fall T. Harding vs. N. Kerrigan).

Die meisten kennen den versierten Moderator als „Mr. XY“ dessen „Aktenzeichen“ eine der markantesten TV-Live-Sendungen im deutschsprachigen Fernsehen ist. http://www.rudicerne.de/

Ich aber kenne Rudi schon seit Kindertagen: dieselben Sportkameraden, zeitweise den gleichen Trainer, dieselben sportlichen Ziele. Heute sind wir beide in Sachen „Recht und Gesetz“ unterwegs, wenn auch in völlig unterschiedlichen Disziplinen.

Rudi Cerne aus Wanne-Eickel studierte nach dem Abitur zunächst ein paar Semester Sport und Biologie. Seit 1987 ist er verheiratet und lebt mit seiner Frau Christine Gebauer und der gemeinsamen Tochter Elisabeth (* 1990) in Rodenbach.

Seine erfolgreiche Karriere in der Öffentlichkeit begann jedoch auf dem Eis. Wie ich begann er im zarten Alter von 6 Jahren mit dem Eiskunstlaufen und die dafür ebenfalls fälligen Ballettstunden waren ihm ein Graus. Der Lohn war 1984 die Silbermedaille bei den Europameisterschaften in Budapest und bei den Olympischen Spielen in Sarajewo verpaßte er nur knapp das Podest. Sein Trainer war u.a. Ex-Topläufer Günter Zöller (Chemnitz/ Mannheim), der zuvor lange Jahre auch mein Trainer war und mit dem ich heute noch Kontakt habe.

Der Preis für den sportlichen Erfolg war Schulstreß pur und zwei „Ehrenrunden“ ohne Schlittschuhe. Das blieb mir erspart, weil mein Vater mir manchmal bis in die Nacht verpaßten oder unverstandenen Schulstoff vermittelte.

„Als ich die ersten Meisterschaften gewann und Medienberichte erschienen, gab es ein riesiges Hurra“ so Rudi. Auch in meinem Fall bekam ich immer gerne frei, wenn danach in der Zeitung der Schulname explizit genannt wurde. Meine Mitschülerinnen zeigten allerdings weniger Begeisterung dafür, Mädels Neid eben.

 

Unsere beiden „Eislauf-Väter“ fuhren uns täglich viele Kilometer weit zum Training. Rudi 70 km nach Herne und mich 100 km in’s Leistungszentrum nach Zweibrücken oder Frankfurt (Rollkunstlauf). Bei nationalen und internationalen Meisterschaften waren wir jeweils mindestens 1-2 Wochen weg und nach Rückkehr in die Klasse verstand man teils nur Bahnhof. U.a. auch deshalb, weil man mental einfach noch verreist war. Noch eine Woche vor dem Abitur habe ich auf Autorücksitzen und in Wartehallen auf dem Weg zu den Profi-Weltmeisterschaften gepaukt.

Auch Rudi schaffte letztlich sein Abitur, da er im Abiturjahr wegen einer Armverletzung pausieren mußte. Das hieß: endlich Zeit zum Konzentrieren und Lernen.

Nach dem Ende seiner aktiven Laufbahn als Leistungssportler war er einige Jahre Profi bei Holiday on Ice. Zeitweise führte er als Conférencier durch die Eis-Revue-Show (auch ich war nebenbei fünf Jahre Organisator und Moderatorin von kleinen Eisshows). Parallel begann er eine Ausbildung zum Eiskunstlauf-Trainer, die er abbrach, um sich dem Fernsehjournalismus zu widmen.

1989 stand er das letzte Mal anläßlich einer Benefits-Gala auf dem Eis für seinen/ unseren Sportkollegen Heiko Fischer (Stuttgart), der jung an einer Herzmuskelentzündung verstarb.  Ansonsten hält sich der Ex-Profi, der kürzlich 60 Jahre alt wurde, von muffigen Eishallen und anstrengenden Verrenkungen auf dem Eis fern, was ich gut verstehen kann. Alles hat seine Zeit …

Durch verschiedene Praktika kam Rudi zum Fernsehjournalismus und wurde freier Mitarbeiter bei WDR und HR. Ab 1992 präsentierte er ARD-Sportsendungen. 1996 wechselte er zum ZDF und moderierte dort u.a. das Aktuelle Sportsstudio und die Tour de France.

Seit 2002 präsentiert er die Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ und gab sein Schauspieler-Debut bei den Rosenheim Cops. Auch moderiert er den Sport-Teil von ZDF Heute und dem Heute Journal.  2014 wurde er mit der Bayerischen Staatsmedaille Innere Sicherheit ausgezeichnet.

 

Oft schaue seine Frau bei den Sendungen zu, um ihm hinterher Feedback zu geben. „Es ist nicht immer leicht, in kritischen Momenten die richtige Wortwahl zu finden“, meint er. Jedoch die guten Quoten der Sendung sprechen für sich.

Seine Frau sei immer verständnisvoll und unkompliziert. So fand auch die Hochzeit vor 30 Jahren spontan in Las Vegas statt. „Christine gehört nicht zu den Frauen, den man ständig was bieten muß, aber den Hochzeitstag oder den Geburtstag vergessen gibt Ärger“. Auszeiten von seiner Frau brauche er nicht. Wie mein Mann und ich auch, verbringen beide die Freizeit gemeinsam, anstatt getrennt um die Häuser zu ziehen.

In seiner Laufbahn gab auch kuriose Momente, die wohl wenige kennen:

Am 27. Dezember 1978 wurde Rudi am Flughafen Düsseldorf mit dem steckbrieflich gesuchten Terroristen Christian Klar verwechselt und kurzfristig in Gewahrsam genommen.  Damals sah er dem RAF-Mitglied tatsächlich sehr ähnlich.

https://www.sueddeutsche.de/panorama/vor-fast-jahren-als-terrorist-verhaftet-zdf-moderator-cerne-mit-christian-klar-verwechselt-1.681257

Seiner Selbsteinschätzung nach würde er sich für Fleiß eine 3, für Betragen eine 4 und für Beliebtheit eine 1 geben.

Dazu noch eine persönliche Geschichte: Am Rande der Deutschen Jugend-Meisterschaften in Oberstdorf 1970 (Rudi war 11, ich noch 9 Jahre alt) kam es zwischen meinem kleinen Bruder, Rudi und seinem Landsmann Uwe P. zu einer Schneerauferei, bei der mein Bruder einen Tribünenabhang hinunter kullerte. Passiert  war nichts, aber mein Vater knüpfte sich beide deshalb ordentlich vor.

Als ich Rudi zuletzt bei der Gala „Sportler des Jahres“ 2008 in Baden-Baden traf, mußten wir herzlich über diese Anekdote lachen. Zuerst meinte er sich nicht mehr an den Vorfall erinnern zu können, dann aber sagte er verschmitzt, „der Stoß, das muß der Uwe gewesen sein“.

Rudi Cerne ist bei all seinen Erfolgen ein bodenständiger sympathischer Familienmensch geblieben, der auch soziale Projekte unterstützt. Seiner Tochter Elisabeth, die bald ihren Master macht, gebe er nachts wann immer möglich „Geleitschutz“. Was alles passieren kann, weiß er ja aus seiner täglichen Anschauung. Auch meinen Daddy würde man heute als Helikopter-Vater bezeichnen.

Das Eislaufen hat er bei seiner Tochter allerdings nicht forciert. „Eislaufen machst du nicht, just for fun, das entwickelt sich schnell in Richtung Leistungssport. Da draußen ist man mit sich und seiner Kür alleine. … Erfolg stellt sich nur ein, wenn die Familie dahintersteht“. Da hätte er sich zeitlich nicht genug kümmern können, räumte er einmal ein.

Ein Leben zwischen Pflicht und Kür? Wie auch immer, der Sport hat uns geprägt und nie aufgeben ist die Devise.   https://www.topagemodel.de/2017/10/28/wie-ich-eiskunstlaeuferin-wurde/

„Das Engagement bei ‚Holiday on Ice‘ war für mich den Rahm abschöpfen, Geld verdienen, das Scheinwerferlicht genießen! Beim Training für Meisterschaften lernte ich, zäh zu sein. Nach einem Sturz hatte ich mir die Schulter ausgekugelt und mein Konkurrent Norbert Schramm (dessen Schwester Claudia war meine unmittelbare Konkurrentin) zog an mir vorbei. Manche sagten: Der kommt nie wieder hoch! Das ist mir zu Ohren gekommen. Und ich dachte: Euch zeig ich’s!“

Weiter so, lieber Rudi, auf bald mal wieder & alles Gute!

Petra
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