Weihnachtsgebäck ist gut für die Seele, Tanzen gut gegen „Hüftgold“ und „Winterblues“; heute deshalb ein kleiner Exkurs. Auch Renate ist ja eine begeisterte Tänzerin.

Wahrscheinlich stammt das Wort „Tango“ aus dem japanischen und der Tanz wurde von japanischen Einwanderern auf Kuba erfunden. Sicher ist, daß der argentinische Tango Elemente von Habanera, Milonga und Tango andaluz übernommen hat.

https://de.wikipedia.org/wiki/Tango_Argentino

Was Anfang des letzten Jahrhunderts in Buenos Aires geschieht, hatte es in der Geschichte des Tanzes noch nie gegeben: Der Tanz wird zum ‚abrazo‘, zur Umarmung von Mann und Frau. Tango tanzt man eng umschlungen und hält immer wieder inne, was eine Spannung hervorruft, in der sich Musik und Tanz gegenseitig beeinflussen.

Was ‚el abrazo‘ für den Tanz bedeutet, ist das Bandoneon für die Musik: Ein Katalysator, der den Tango zu einer Art Lebensgefühl werden läßt. Wahrscheinlich kam das erste Bandoneon um 1880 mit europäischen Einwanderern nach Buenos Aires. Schnell eroberte es seinen Platz in den Cafés und Bordellen von La Boca, dem Hafenviertel von Buenos Aires und wurde schließlich auch „Salon-fähig“.

Wie in einem Schmelztiegel lebten Einwanderer aus aller Welt auf engstem Raum zusammen; ihre melancholische Stimmung von Einsamkeit, Freiheit, Heimweh, Liebessehnsucht und Tradition fand im Tango ein emotionales Ventil.

Hier mein ABC des argentinischen Tangos

Tango ist für erfahrene Tänzer genauso reizvoll wie für Einsteiger. Die verschiedenen Tango Stile geben den Tänzern Spielraum für individuelle Interpretationen.

Auf den Tanzveranstaltungen wird ein eigener Verhaltenskodex gepflegt, der nach dem Konzept des Führens/Folgens/ Navigierens den Genuss eines harmonischen Tanzes ermöglicht, auch wenn sich Mann und Frau erst vor wenigen Minuten zum ersten Mal begegnet sind. Ein ganz besonderes Erlebnis ist es, wenn alle Paare wie ein Vogelschwarm sich gleichzeitig entgegengesetzt des Uhrzeigersinns der Musik des Tangos hingeben.

Jedoch, Tango ist nicht gleich Tango. Lange Zeit galt er als anstößig und wurde durch britische Choreographen gezähmt, indem man ihn an europäische Standardtänze anpasste. Seit einigen Jahren geht der Trend nun wieder dahin, den echten Tango Argentino zu unterrichten und authentisch zu tanzen.

Der Tango kennt verschiedene Stilrichtungen u.a. Milonga und Vals. Das Wort Milonga kann auch den Ort einer Tango-Veranstaltung (meist ein Tanzlokal) bezeichnen.

Erfahrung in anderen Tänzen brauchen Einsteiger nicht. Es gibt gute Tango Tänzer, die nie einen anderen Tanz gelernt haben. Tango können Sie auch sehr gemächlich tanzen, Anfänger müssen also nicht übermäßig sportlich sein.

Lust mal rein zu hören und ein Tango-Flashmob zu beobachten: https://www.youtube.com/watch?v=xZZmW59Ci5g

Der klassische Tango Argentino ist fast ein reiner Improvisationstanz, dessen Ausdruckskraft  temperamentvoll und sinnlich zugleich ist. Dennoch gibt es einige wichtige Elemente als Anhaltspunkte, die auch Anfängern den Einstieg erleichtern. Die wichtigsten Grundelemente im Tango sind Gehen, Stopps und Drehungen.

Neben dem Grundschritt und der stets nach vorne zueinander gelehnten Tanzhaltung bieten folgende Elemente Möglichkeiten zum Ausschmücken der Schrittsequenz:

  • Ocho – die Acht: Die Füße der Frau bewegen sich auf dem Boden in Form einer Acht. Am besten gliedern Sie diesen Tanzschritt in zwei Abschnitte: Zuerst führen Sie die Drehung aus und üben anschließend den Schritt. Sobald die einzelnen Teile sitzen, führen Sie beides in einer fließenden Bewegung aus
  • Einfache Giro (Drehung)
  • Durch Berührungen mit den Beinen gibt der Mann beim Tango Impulse für die nächste Bewegung. Ändert sich die Bewegungsrichtung abrupt, spricht man von einer Sacada, ansonsten von einer Entrada.
  • Lapiz: Kreisförmige Bewegung des Fußes über den Boden
  • Barrida: Ein Fuß schiebt den Fuß des Anderen
  • Sanguchito: Der Mann stellt beide Füße um ein unbelastetes Bein der Frau
  • Bein-Haken: Können in der Luft oder am Bein des Partners ausgeführt werden.
  • Achsenkippungen: Nach vorne oder hinten
  • Kurzzeitiges Lösen der Tanzhaltung

Natürlich gibt es auch Bühnenshows wo Berufstänzer mit einstudierten Choreographien auftreten („Tango de espectaculo“ – Bühnentango).

Wie finde ich einen Tanzpartner? Sie möchten als Einzelperson an einem Tango Tanzkurs teilnehmen? Bei einigen Tanzschulen können sich sowohl Paare, als auch Einzelpersonen anmelden. Sind nur paarweise Anmeldungen möglich, bleibt z.B. die Suche per Tanzpartnerbörse im Internet, z. B. unter „Tanzpartner.de“ oder „Tanz mit mir“.

Da ich vor demselben Problem stand und mein Mann – abgesehen vom Walzer – „professioneller Nichttänzer“ ist, habe ich mir seinerzeit kurzerhand einen Profi als Tanzpartner angeheuert. So lernt man individueller und schneller. Danke, Andreas!

Welche Schuhe tragen?  Für die ersten Tangostunden reichen zwar bequeme Schuhe, allerdings helfen spezielle Tanzschuhe mit Chromledersohle beim Üben. Damit können die Damen auf dem Parkett und anderen Böden leichter Drehungen vollführen, ohne dabei zu rutschen. Die Schuh-Modelle können Sie ganz nach Ihrem Geschmack wählen – dasselbe gilt auch für die Absatzhöhe. Bei Herrenschuhen betont und unterstützt ein höherer Absatz die Hüftbewegung – praktisch vor allem, wenn Sie sportlich tanzen möchten.  Mein Tipp: besser ein vorne geschlossenes Modell wählen, um die Zehen zu schützen.

Welche Kleidung ist für Tango angemessen? Beim Tango Argentino tragen die Herren für gewöhnlich einen Anzug oder eine dunkle Hose mit weißem Hemd. Die Damen ein Kleid oder einen Rock; dazu gerne Netzstrümpfe. Ein Blick auf die Straßen in Argentinien oder Uruguay genügt aber, um zu wissen, dass die Kleidung nicht entscheidend ist.

Exkurs zur Tangomusik  Die Musik des Tangos wird meist im 4/8 Takt gespielt, Milonga im 2/4-Takt und Vals im 3/4-Takt. In einem normalen Tango Orchester spielen i.d.R. ein Klavier, ein Kontrabass, zwei Violinen und zwei Bandoneóns. Bekannte Tango Musiker sind Osvaldo Fresedo, Pedro Laurenz, Astor Piazzolla, Lidia Borda, Carlos Gardel, Francisco Canaro und Luis Cardei.

Wo kann ich Tango tanzen lernen? Die Tango Kurse richten sich sowohl an Einsteiger als auch Teilnehmer und sind in der Regel jeweils in zehn bis elf Stunden aufgeteilt. Die Kosten für einen Kurs liegen bei ca. EURO 150.- pro Person.

Vieler Orts gibt es aber auch Tango-Festivals und offene Tango-Veranstaltungen; sei es Indoor oder Openair, z.B. ganz lässig abendlich am Trocadero in Paris.

Ein geradezu magisches Flair verströmt der Straßentango in Buenos Aires, wenn am Rande des Sonntagsmarktes (Vormittags-Flohmarkt) in Buenos Aires (San Telmo oder La Boca) zu krächzenden Plattenspielern mit Trichterphon „Urgesteine des Tango das Pflaster streicheln“. Laufmaschen und verschmierter Lippenstift inklusive – eine eigene Welt aus Nostalgie, Exotik und Erotik …. mit Gänsehaut-Feeling !!!

Heute ist die Szene in Europa jedoch meist jung und dynamisch – die Musik wird neu entdeckt und mit anderen Rhythmen kombiniert. Ob in Berlin, London, Paris oder Moskau, ob in Rom, Tokio oder in der Heimatstadt Buenos Aires – der Tango Argentino ist populär wie nie zuvor.

 

Kurzum: der Tango ist die kulturelle Visitenkarte Argentiniens und gehört seit 2009 zum UNESCO Weltkulturerbe.

Mein Fazit: Führen heißt Inspirieren

Im Tango werden keine längeren Schrittfolgen aus dem Kopf getanzt, sondern alles wird improvisiert. Deshalb ist die Kommunikation und Beziehung im Paar besonders wichtig.
Geführt zu werden ist also sowohl Verantwortung als auch Vertrauen und erfordert Hingabe. Dabei funktioniert das gemeinsame Improvisieren immer besser, wenn man dem Anderen Sicherheit gibt und Vertrauen entgegenbringt. Es ist ein kreativer Akt, der mehr ist als die Summe von zwei Teilen.

Führen und Folgen im Tango bedeutet nicht, dass der eine dominiert und der andere gehorcht. Es ist eine Begegnung zweier gleichwertiger Persönlichkeiten mit getrennten aber sich ergänzenden Qualitäten. Beide Partner sind aktiv, müssen den anderen sensibel wahrnehmen, sich in den anderen hineinversetzen und auf ihn eingehen sowie spontan und kreativ reagieren.  Weniger Kopf, mehr Körper. Weniger denken, mehr bewegen.

„Das Treffen zweier Persönlichkeiten ist wie der Kontakt zweier chemischer Substanzen: wenn es eine Reaktion gibt, werden beide transformiert.“ (C.G. JUNG)

„Wenn Du schnell gehen willst, geh‘ allein. Wenn Du weit gehen willst, geht gemeinsam.“ (afrikanisches Sprichwort)

Petra
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