Eigentlich hatten wir eher mit einem trüben Tag gerechnet, an dem ein Schneesturm tobt und das Nebelhorn regelmäßig dumpf ertönt, … aber … es scheint die Sonne als wir Anfang März bei – 6 Grad in KEMI an Bord gehen.https://de.wikipedia.org/wiki/Kemi

Sicher, der derzeit stärkste Eisbrecher der Welt ist die russische „Victory“ mit Heimathafen Murmansk.  Mit ihren (atombetriebenen) 75.000 PS kann sie eine Eisstärke bis zu drei Meter durchbrechen, eine unglaubliche Leistung. Dabei ist das rote Kraftpaket nur 150 m lang, 30 m breit und hat rund 11 m Tiefgang.

 

Die „50 Years of Victory“ dient jedoch nur selten als Touristenschiff (im Sommer einige Fahrten zum Nordpol, Preis ca. 25.000.- pro Person); in erster Linie ist sie Forschungs- und Frachtschiff, um die entlegensten Regionen der Arktis entlang der Nordpassage zu erreichen.

Aber einen ebenso guten Eindruck vom Leben auf einem Eisbrecher und seiner Funktion gibt die in inzwischen nach 40 Jahren außer Dienst gestellte „Sampo“. Ihre Tagesfahrten (Dauer rund 4 Stunden) im Bothnischen Meerbusen durch mehr oder weniger dickes Packeis bei jedem Wetter sind legendär. Also, alles Einsteigen und Leinen los …

Das dumpfe kraftvolle Rollen der Schrauben ist deutlich zu hören und trotz langsamer Fahrt ein Vibrieren zu spüren. Eines bleibt einem bei gefrorener Wasseroberfläche gewiß erspart: wo kein Seegang, da kein Schaukeln und keine Seekrankheit.

Bei langsamer Fahrt bahnt sich das Schiff etwas abseits der kommerziellen Hauptroute seinen Weg und ab und an ist das Knacken des Eises gut zu hören. Ich könnte stundenlang zusehen, wie sich vor dem Bug und längs des Schiffes immer wieder Eisspalten auftun und sich am Heck unter Eisbrocken eine offene Fahrrinne auftut. Wie lange diese für nachfolgende Schiffe offen bzw. passierbar bleibt, hängt von der Wettersituation, dem Eisgang und der Eisdrift ab. Teils kann sie sich in Minuten wieder schließen und schwächer motorisierten Frachtschiffe gefährlich einschließen. Dann muß der Eisbrecher erneut eine Runde ziehen, um das Eis erneut zu brechen und den Frachter so wieder flott zu bekommen.

Anders als Lotsendienste ist der Hilfsservice der vier Eisbrecher zwischen Schweden und Finnland, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen, m. W. kostenfrei.

https://de.wikipedia.org/wiki/Sampo_(Schiff)

Im Programm enthalten ist ein Schiffsrundgang von der Kombüse über den Motorraum bis zur Brücke, Lunch im Schiffsrestaurant und das obligatorische Bad in der Ostsee, d.h.  in den roten Survival-Anzügen (sie halten erstaunlich warm und trocken). Ein Mega-Spaß, den man sich gönnen sollte. Aufgrund der Übergröße kommt so viel Luft zum Tragen, daß dies auch für Nicht-Schwimmen geeignet ist. Zum Schluß erhält jeder Passagier der Sampo noch ein Eisbrecher-Diplom. Leider hat auch dieses Vergnügen seinen Preis und kostet – ohne Anreise – ca. EURO 400.- pro Person.

Ergänzend kann man einen Ausflug zum Schneeschloß LumiLinna (Ortsteil Möllärinranta) unternehmen, das jedes Jahr im Winter neu aus Schnee und Eis erschaffen wird. Das schönere Städtchen ist m.E. das 30 km westlich von Kemi gelegene Grenzörtchen Tornio.

Angeboten werden vor Ort ferner Snowmobil-Fahrten und Rentier-Safaris. Und mit etwas Glück kann man nachts auch noch Polarlichter (Aurora Borealis) sehen. Einfach zauberhaft …

Buchen kann man diese Touren über verschiedene Veranstalter; im Internet werden Sie da schnell fündig. Sie können mich aber auch gerne direkt ansprechen.

Alternativ kann man auch für zwei Wochen auf der „Ankie“ (Reederei van Dam) anheuern, einem Frachtschiff (meist Holzladung oder Schüttgut) mit Eisklasse 1a. D.h. sie kann selbständig bis zu 70 Zentimeter dickes Eis ohne Probleme und Hilfe durchfahren. Diese verkehrt m. W. ebenfalls auf der Ostsee und fährt von Amsterdam über Lübeck in Richtung Oulu. Kosten pro Woche ca. EURO 700.- Genaueres kann man z.B. unter  http://de.binnenvaartcruises.nl/schiffe  erfragen.

…. freilich Kälte muß man mögen … Schiff ahoi

 

HINWEIS: keine Werbung, eine persönliche Erlebnisreise

Petra
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