Wie das Mainzer Karnevals-Lied schon sagt: „Am Aschermittwoch ist alles vorbei ….“ausgenommen in der Schweiz, wo z. B. der Basler Morgestraich (04.00 Uhr) erst am 11.03. stattfindet.

Schon seit einigen Jahren stehe ich der Institution Kirche und dem immer selben alko-fröhlichen Faschingstreiben eher skeptisch gegenüber.

Aber die Ankündigung, daß es am 03.03. in der alt-katholischen Mannheimer Schloßkirche (der Universität) eine Fastnachts-Predigt geben soll, die von einer Pfarrerin gehalten wird, hat mich aufhorchen lassen. Wie wohl die richtige Balance finden zwischen Bibelversen und Hoppsassa.

Kurz: selten habe ich einen Darbietungsmoment so passend und gelungen empfunden, wie diese 1,5 Stunden in dem bunt dekorierten Kirchenschiff.

Der Einmarsch beginnt mit einem gewaltigen Trommelwirbel, gefolgt von einem Trompeten-/ Fanfaren-Corps, dann wird es wieder andächtig still und ein Mitglied der Garde verkündet persönliche Fürbitten. Unter leisen Klängen der Gardekapelle ziehen die Kirchenmitglieder ein: drei Herren, eine Dame und zwei Meßdiener in weißen Gewändern mit teils bunten Schals und Kopfbedeckungen. Und es dauert nicht lange, da wippen die Füße der Kirchenvertreter zur Gospelmusik, schunkeln die Bankreihen und es wird gelacht und geklatscht wie in einem Festsaal.

Dann erhebt die rothaarige junge Pfarrerin die Hände und segnet die Anwesenden. So gleich beginnt sie mit froher Stimme ihre „Sonntags-Predigt“; kritisiert Wichtigtuer, Gleichgültigkeit und Doppelmoral.  Sie tut dies jedoch ausschließlich in Reimen, die zu immer neuen Schmunzeln veranlassen.

Abschließend übt sie Selbstkritik auch mal eitel zu sein. Zudem nimmt sie sich selbst auf den Arm und setzt sich ein Glitzerhütchen und eine blinkende rote Nase auf, was die christlichen Jecken summend spontan mit dem Klassiker „ui, jujui, jujuj, jujui, .. ei, jei, jei, ja jei“ kommentieren.

Gleichzeitig verteilen die beiden Meßdiener rote Schaumstoffnasen an alle Besucher und alle singen zusammen „Für Dich soll’s rote Rosen regnen …“. Kurze Zeit später gibt es noch Blümchen, genauer gesagt: „Tulpen aus Amsterdam“ und zum Zeichen des Friedens geben sich alle Banknachbarn die Hand..

Youtube Link:  https://www.youtube.com/watch?v=OFLwr9KjELk&feature=youtu.be

Die ausgelassene und doch zugleich anrührende Stimmung ist kaum zu beschreiben, das muß man selbst erlebt haben. M. W. gibt es auch noch andere Orte, die am Fastnachts-Sonntag solche Veranstaltungen organisieren.

Auch die Auswahl der Lieder aus dem Gesangbuch war einfach nur schön, sie hätten glatt als Musical-Melodien durchgehen können.

ABER:  Bilder und Videos sagen mehr als tausend Worte!

Den Ausklang bildete das übliche Abendmahl, wobei die sog. „Alt-katholischen“ dies im ökumenischen Sinne allen getauften Personen, nicht nur Katholiken, anbieten.

Nach dem „Vater Unser“ hat sie noch eine Überraschung für uns parat: „… ich lad‘ jetzt ein zu Weck un Woi,

ich sag‘ jetzt AMEN, ihr sagt … AHOI“

…. und beim Auszug spielt die große Kirchen-Orgel ganz dezent den Narrhalla-Marsch „ritizamba, ritzsamba, … morgen ist die Fastnacht da … Bützchen, Küsschen !

Das war Fasching einmal anders, besinnlich und doch mit Spaß und voller Leben.

p.s. Ich hatte hinterher zufällig Gelegenheit mit der Pfarrerin ein paar Worte zu wechseln. Ja, sie werde manchmal für ihre zu liberale Gesinnung von den Kirchen-Oberen kritisiert; das nehme sie für solche speziellen Momente in Kauf, weil es aus ihrem Herzen komme …

 

Petra
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