Jetzt brauche ich mal eine Pause und muß meinem Verdruß Luft machen.

Die wenigsten von uns werden über ein Ankleidezimmer mit unendlich viel Platz verfügen, aber auch das ist einmal voll. Und an Dritte delegieren kann man das Kleidersortieren einfach nicht, dafür ist es zu individuell. … und die Heinzelmännchen haben im Zweifelsfall ihren freien Tag.

So machen Sie Platz im Schrank und verdienen auch noch Geld“. „Was man zwei Jahre nicht getragen hat, kann sowieso weg“. Die Identifikation von „Schrankleichen“ oder ein tatsächlicher Wiederverkauf ist jedoch leicht daher gesagt und aufwendiger als gedacht (Fotos, Verwaltung).

Aufräumen ist für Anfänger, Profis schlagen die Schranktür schneller zu, als die Sachen herausfallen können. Pahh, ich befürchte eher, daß der Schrank zusammenbricht und vieles wegen der Enge nur noch zerknittert an’s Licht kommt.

Jedes Jahr um diese Zeit bin ich damit beschäftigt Winter und Sommerkleidung auszusortieren und umzuräumen. Aber je mehr ich mich bemühe, umso weniger sehe ich den Erfolg – im Sinne von Platz schaffen. Und das, obwohl ich bereits seit Tagen mehrere Stunden damit beschäftigt bin.

Nicht umsonst heißt es: Aufräumen endet oft damit, daß man irgendwo sitzt und mit Sachen rumspielt, die man beim Aufräumen gefunden hat.

Sie sehen schon: für viele Dinge habe ich ein Patentrezept oder eine Lösung parat, hier scheitere ich an meinen Ansprüchen jedes Jahr auf’s Neue. Wer eine große Familie hat, kennt dieses Phänomen erst recht, denn da gilt es auch die Schränke der Kinder regelmäßig zu durchforsten. Von den Streitereien, die dabei mit dem Gatten oder den lieben Kleinen entstehen können, ganz zu Schweigen.  Obwohl, … mein Gatte ist nicht der Typ „Jäger & Sammler“. Wenn es nach ihm geht, kann alles weg. Was er anzieht, muß bei der Auswahl sowieso in der ersten Reihe hängen, sonst weiß er gar nicht es zu haben!!

Was wegwerfen oder in die Kleidertonne, was noch behalten? … Was bleibt „in Mode“, oder besser, was ist wieder in Mode, wie z.B. Hosen, Blusen und Shirts in Pastellfarben. Was paßt noch und ist „shabby schick“? Alles kann ich wegen meiner Rückenprobleme aus den hintersten Winkeln teils gar nicht mehr herausholen. Einige wieder aktuelle Teile würde ich gerne wieder tragen, wenn ich mich erinnern würde, wo ich diese verstaut habe. Jetzt rächt es sich, daß man zum genaueren Beschriften von Boxen und Kartons teils zu faul war. Das Hirn funktioniert eben doch nicht mehr so, wie noch vor zehn Jahren – hmm.

Aber selbst dran schuld. Immer will man up-to-date sein, und kauft schon mal etwas, was ganz ähnlich schon im Schrank hängt. Positiv ausgedrückt könnte man natürlich sagen, seinem „Stil treu geblieben zu sein“.

Dabei versuche ich schon vor dem Kauf den wirklichen Bedarf kritisch zu hinterfragen.  D.h. fallen mir spontan nicht mindestens drei Variationen/ Kombinationsmöglichkeiten mit vorhandenen Kleidungsstücken ein zu denen das neue Teil paßt, lasse ich es meist liegen.

Und dann sind da noch die morschen Kleiderbügel, die gerne brechen, wenn man zu eng gehängt hat. Marode sind sie u.a. auch deshalb, weil ich um Platz sparen schon mal 2-3 leichte Blusen übereinander hänge und auf voluminöse Bügel verzichte.

Obwohl ich ansonsten gut Entscheidungen treffen kann, tue ich mir bei der Kleiderentsorgung schwer. Einerseits, weil ich gerne nähe und den ein oder anderen Knopf, Gummiband oder Bortenrest sicher noch gebrauchen kann (und sei auch erst fünf Jahre später). Andererseits, ach ja, an so manchen Stücken auch Erinnerungen hängen … sie Geschichte erzähle. In meinem Fall sind dies viele Kleidungsstücke, die ich während meiner Zeit in Mexiko (1995/ 1996) gekauft habe. Fast alle sind aus Leinen oder Seide und haben einfach ein spezielles Design.

Übrigens ist das Aufbewahren von Kleinteilen nicht ausschließlich Sparsamkeit oder Sammelwut, sondern erfolgt aus praktischen Erwägungen. Wie oft habe ich schon erlebt, daß es bei Bedarf ein Ersatzstück in dieser Form einfach nicht mehr gab oder man ewig suchen mußte. Zudem habe ich für Notfälle gerne Ersatz parat; es passiert ja immer im unpassenden Augenblick. Wie auch immer, ….

Der Ehemann kommt nach Hause und sagt: „Du siehst so erschöpft aus, mein Schatz“. „Bin ich auch“, antwortet die Frau, ich habe den ganzen Tag lang meine Handtasche aufgeräumt“.

In der Tat sind auch Handtaschen so ein zeitraubendes Kapitel. Bis vor einigen Jahren habe ich mir regelmäßig die Mühe gemacht, zu jedem Styling die passende Handtasche parat zu haben und diese auch immer mit dem aktuellen Inhalt zu bestücken. Als mir das zu aufwendig wurde, habe ich eine kleinere Handtasche als Kern benutzt und diese dann nur von einer in die andere Tasche gelegt.  Irgendwann habe ich dann nur noch zwischen Sommer- und Wintertasche unterschieden, die ich als Allrounder benutze. Was man sucht, findet man sowieso selten. Was man nicht sucht und darin entdeckt, ist dabei oft umso bemerkenswerter. Wie z.B. zwei Jahre alte Quittungsbelege oder Schlüssel, die man nicht mehr zuordnen kann.

Auslöser ist dabei meist der Umstand, daß das gute Stück so schwer geworden ist, daß nach kurzer Tragezeit die Schulter schmerzt. Zur Verteidigung sei allerdings gesagt, daß der „mitgeschleppte Haushalt im Kleinformat“, oft auch gute Dienste leistet. Vor allem, wenn deren Kritiker einen Ersatz-Schnürsenkel, eine Schmerztablette, einen Kaugummi/ Bonbon, ein Pflaster, einen Kugelschreiber, einen Löffel, eine Lesebrille, einen Regenschutz, eine Tüte, Handcreme/ Lippenpflege ….  usw.  brauchen.

Bliebe noch viel zu sagen, schließlich sind da noch die Schuhe. Aber ich muß nun weiter machen …. Hilfreiche Tipps dem „Rama-dama“ das nächste Mal zu entkommen, nehme ich gerne an; niemand ist perfekt.

P.S.  Vielleicht ist Kleider-Leasing eine Alternative:  Bei der „Kleiderei“ soll man ein Outfit-Abo abschließen können und bekommt jeden Monat vier Kleidungsstücke mit der Post zugeschickt – entweder nach eigener Wahl oder vom Kleiderei-Team nach individuellen Vorgaben zusammengestellt. Vier Wochen später schickt man alles zurück und erhält textilen Nachschub. So ist man seine ungetragenen Teile erst einmal los und muß den Kleiderschrank nicht direkt mit neuen Einkäufen strapazieren.

Petra
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