Es ist 07.30 Uhr und heute bin ich mal nur Randfigur. Aber der Reihe nach.

Mit Jeans, T-Shirt und einfacher Klemme in den Haaren stehe ich auf einem bäuerlichen Hof, wo gleich das Mittagessen (!) im Kreise der Familie ansteht. Auf dem Tisch vor mir befinden sich – wie in der Pfalz gerne üblich – „Dubbegläser“ mit Wein-/ Apfelsaftschorle, Brot, Sauerkraut sowie Saumagen und Blutwurst. Meine beiden gewichtigen Gegenüber sind Profis und sehen das ganz gelassen, ja würden am liebsten gleich mal einen Happen nehmen.

In meinen Schuhen bilden sich gefühlt bereits „Feuchtgebiete“. Nein, das Minuszeichen habe ich in der Überschrift nicht vergessen, denn der sommerliche TV-Dreh fand gerade erst statt. Als „Edelkomparse“ durfte ich an der Seite von Henriette Richter-Röhl und den Kollegen Lorenz Klee (ansonsten Staatstheater Mainz) und Gerhard Fehn (auch als Synchronsprecher und Regisseur tätig) eine längere Szene bestreiten. Der Mehrteiler läuft im Fernsehen unter dem Titel „Weingut W.“; mit von der Partie sind ferner Leslie Malton, Maximilian von Putendorf, Adnan Maral und viele mehr.

Das Casting dafür war übrigens schon vor 18 Monaten, doch erst vor vier Wochen hatte ich den Besetzungsanruf für die Rolle der Frau A. in Teil 3 bekommen. Ich bitte um Verständnis, daß ich im Blog keine vollständigen Rollennamen, Örtlichkeiten und Inhalte nennen darf, bevor der Film im Fernsehen läuft.

Wir auch immer, Drehbuch ist Drehbuch und egal wie das Wetter ist, die Kleidung muß aus Schnitt- bzw. Kontinuitätsgründen stimmen. Wenn also derbe, warme Arbeitsschuhe gefragt sind, muß man da durch. Dafür sorgt das umfangreiche Produktions-Team bei Drehunterbrechungen auch für Sonnenschirme gegen die Hitze, Getränkenachschub und Makeup-Nachbesserung, etc. Wenn man allerdings eine Bauersfrau spielt, ist kein Schönheitspreis zu gewinnen. Man bleibt der Authentizität wegen weitgehend ungeschminkt und die Kleidung einfach funktionell.

Ton ab, Kamera läuft, Klappe 172/ die fünfte …. Alle sind höchst konzentriert, agieren professionell und versuchen sich gegenseitig zu unterstützen. Vor allem die Hauptakteurin „Anne“ überprüft ihre Bewegungen, Gesten und Emotionen einschl. der Schrittlänge stets aufs Neue. Dabei muß sie u.a. auch einen älteren Traktor auf den Hof fahren, was gar nicht so einfach ist. Das störische Gefährt hat nicht gerade die beste Kupplung und einmal springt er ihr beim Stehenbleiben von der Hand und bockt unkontrolliert nach vorne. Was ihr niemand übel nimmt, aber sofort entschuldigt sie sich für das Mißgeschick, weil nun freilich die gesamte Szene wiederholt werden muß.

Dabei gilt es die Situation nicht nur aus einer Richtung mit den beiden Kameras einzufangen. Jeder „Take“ z.B. eine Nahaufnahme, muß bei vollem Durchspielen aller Beteiligten stets separat nachgedreht und fokussiert werden. D.h. nicht nur Worte und Betonung müssen immer identisch sein, sondern auch Mimik und Gestik. Ein Teleprompter der das Ablesen von Text ermöglicht, kommt übrigens nicht zum Einsatz!

Obwohl alles ziemlich glatt läuft, ist die Fertigstellung dieser Szene erst nach vier Stunden im Kasten. Als Faustregel gilt: pro Drehtag eine Produktion von 3-4 Sendeminuten.

Am Set sind rund 20 Personen anwesend, die die unterschiedlichsten Funktionen ausfüllen. Als da sind: Regisseur, 1. und 2. Regieassistent, 1 Aufnahmeleiter, 1 Inspizient, 2-3 Kameraleute, 2-3 Licht-/ Tontechniker, 2 Masken- und Kostümbildner, 1 Requisiteur, 1 Foodmanager, 3-4 Umbauhelfer, etc. Ob auch der Produzent anwesend war, kann ich nicht sagen (wohl eher nein). Ich habe zwar schon einige Studio- und Außendrehs als Darstellerin  bei Werbeaufnahmen und Imagefilmen mitgemacht, aber das es sogar einen Requisitenfahrer gibt, war mir neu. In diesem Fall ist es seine Aufgabe den Traktor stets wieder rückwärts vom Hof zu fahren.

Unter den Crew-Mitgliedern herrscht ein sehr angenehmer konstruktiver Umgangston, alles läuft Hand in Hand. Nach Möglichkeit wird auf jedes Detail geachtet. Gilt es etwas anzupassen, reicht eine kurze Besprechung zwischen den Crew-Mitgliedern aus.  Regisseur Tomy Wigand bespricht zur Optimierung auch gerne mehrmals eine Szene mit den Schauspielern. Dabei läßt er ihnen Interpretationsraum, macht aber auch Vorschläge und erläutert warum er eine Szene in bestimmter Art und Weise interpretiert wissen möchte. Dabei achtet er neben den Hauptdarstellern auch auf mich und gibt Anweisungen zur Blickrichtung, etc. https://de.wikipedia.org/wiki/Tomy_Wigand

So schnell wie das gesamte Equipment  – von den Kameras über das riesige Lichtsegel bis hin zum Catering – aufgebaut wurde, so routiniert und schnell ist auch die gesamte Location wieder geräumt. Die Karawane zieht weiter. Vor Ort geht dann alles weiterhin seinen Gang, als wäre nichts gewesen. Und einmal mehr stimmt der Satz „Zeit ist Geld“. Drehorte waren/ sind laut Pressemitteilung u.a. die Pfälzer Weingüter Schäffer (Neustadt) und Ziegler (Maikammer) sowie die Vinothek Diedesfeld.

Am Ende gibt es kurzen Applaus vom Regisseur und dem Drehteam. Wie schon zu Beginn drückt mir Tomy Wigand (sieht mit seiner Basecap ein bißchen wie Volker Schlöndorff aus) zuletzt noch einmal die Hand. Beim Hinausgehen ergibt sich noch die Chance für einen Schnappschuß mit Henriette Richter-Röhl.

In einer Pause waren wir kurz im Gespräch über das Segelfliegen, was sie gerne einmal machen würde. https://de.wikipedia.org/wiki/Henriette_Richter-Röhl

Sie ist ein sehr angenehmer Mensch und stets konzentriert bei der Arbeit. Wenn sie geht, scheint sie fast über den Boden zu schweben. Aber sie kann auch sehr energisch und ausdauernd sein, wenn es die Rolle verlangt. Also mal in die Weingut Trilogie reinschauen.  Die Teile 1 und 2 hatten immerhin einen Marktanteil von rund 15%.

Zaungäste sind bei solchen Drehs natürlich nicht gestattet und schon gar nicht dürfen aus rechtlichen Gründen Videoaufnahmen/ Mitschnitte von den Szenen gemacht werden. Daher ist dieser höchst aktuelle Blog nicht so umfangreich bebildert sein wie üblich. Wann besagter Teil 3 im TV ausgestrahlt wird, ist noch offen.

Übrigens, das kostet eine TV-Minute laut Auszug aus Zeitschrift HÖRZU von 2015 (exemplarische Nennung der diversen Genres):

„Dschungelcamp“ (RTL): 21.250 € pro Sendeminute

„Donna Leon“ (Das Erste): 17.500 € pro Sendeminute

„Tatort“ (Das Erste): 15.500 € pro Sendeminute

„Willkommen bei Carmen Nebel“ (ZDF): 10.000 € pro Sendeminute

„Der Bergdoktor“ (ZDF): 8.888 € pro Sendeminute,

„Terra X“ (ZDF): 6.000 € pro Sendeminute

„heute-show“ (ZDF): 4.666 € pro Sendeminute

„Günther Jauch“ (Das Erste): 4.634 € pro Sendeminute

„Gute Zeiten, schlechte Zeiten“ (RTL): 2.000 € pro Sendeminute

„Das aktuelle Sportstudio“ (ZDF): 2.000 € pro Sendeminute

„Markus Lanz“ (ZDF): 1.230 € pro Sendeminute

„Echt lecker“ (Bon Gusto TV): 170 € pro Sendeminute

Leicht auszurechnen, daß eine 90-Minuten-Produktion schnell 1,5 bis 2 Mio EURO kostet.

An meinem Honorar lag’s nicht, aber es hat Spaß gemacht und war interessant mal wieder dabei zu sein. Hoffentlich bleibt nach dem Schnitt noch was von „meiner Szene“ übrig … schau‘mer mal und allen Beteiligten weiterhin viel Erfolg !

Mehr zum „Thema Schauspieler“ bei nächster Gelegenheit …….. allen Lesern ein schönes Pfingst-Wochenende …

Petra
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