Kaum ein Tier ist derzeit so umstritten wie der Wolf und man hört immer wieder von neuen Wolfsrudeln die den Weg nach Deutschland finden. Ich kann die Besorgnis von Bürgern und Schäfern verstehen, die einen sog. Problemwolf im Revier haben,  https://de.wikipedia.org/wiki/Wolf aber das Wesen und die Augen der – in der Regel scheuen Tiere – haben mich schon immer fasziniert. Die Augenfarbe des Wolfes ist hellgelb bis gelbgrün und sie können nachts und am Tag sehr gut sehen. Wölfe haben einen wesentlich breiteren Blickwinkel als Menschen; vor allem Bewegungen kann der aufmerksame Wolf sehr gut wahrnehmen. Auf mich wirkt sein Blick stets eindringlich und fokussiert, geradezu magisch.

In den spanischen Pyrenäen wollte ich sie vor einigen Jahren in freier Wildbahn erleben. Obwohl sicher ein paar Exemplare der Gattung „canis lupus“ in der Nähe waren, blieb die Suche erfolglos. Wahrscheinlich haben sie uns trotz Flüstern gehört und wahrgenommen, wir aber haben sie auf unserer Pirsch mit dem Ranger nicht zu Gesicht bekommen (abgesehen von ihren kleinen Hinterlassenschaften) .

In einem französischen Wolfsreservat (120 Hekta) sollte es nun klappen, mehr über diese schlauen Tiere zu erfahren und sie in natürlicher Umgebung aus nächster Nähe zu sehen.

Im Parc Sainte-Croix in den Lothringischen Wäldern (nahe Rhodes/ Saarburg) gibt es seit einigen Jahren die Möglichkeit Wildtiere von Unterständen und Baumhäusern aus zu beobachten. Einige dieser Natur-Lodges sind wie Hobbit-Häuser halb in die Erde gebaut und innen teils komfortabel mit Sauna und Kamin ausgestattet.  Sie tragen so klingende Namen wie „Yellowstone“, „Jack London“ oder „Trapper-Hütte“.  „Auf Du und Du mit dem Wolf“ sitzt man im Zimmer oder auf einer ebenerdigen Terrasse hinter einer großen Glasscheibe und kann es den Wölfen überlassen, ob sie neugierig näherkommen oder sich nicht blicken lassen.

Wir haben uns für die „Variante Baumhaus“ entschieden, um die Tiere im Rudel von oben ganz natürlich sehen und hören zu können.  Es versteht sich, daß Anlocken mit „Leckerlies“ und nächtliches Heruntersteigen aus Sicherheitsgründen verboten ist.

Wölfe – egal, welcher Rasse – treten fast ausschließlich im Rudel auf und sind extrem anpassungsfähig. Das Rudel bzw. der Familienverbund besteht dabei aus den Eltern und den Nachkommen aus den vorangegangen Jahren. Wölfe werden erst mit ca. zwei Jahren geschlechtsreif und bleiben bis zur Geschlechtsreife bei ihrer Familie. Die Jungwölfe kümmern sich dabei um die Aufzucht der Wolfswelpen und nehmen teilweise auch Helferfunktionen bei der Jagd ein. Mit zwei bis drei Jahren wandern diese Jungwölfe dann ab und suchen sich ihr eigenes Wolfsrevier. Dabei können sie viele hundert Kilometer auf der Suche nach einem geeigneten Revier und Partner zurücklegen. Generell bleiben Wölfe ein Leben lang mit demselben Partner zusammen.

Der Wolfsvater (Alpha-Wolf) zeigt seinen hohen sozialen Status durch örtliche Positionen, Körperhaltung, Mimik und kleine Gesten. Beim Liegen bevorzugen sie vielfach auch eine grössere Individualdistanz. Die A-Wolfsmutter muss nicht der grösste und stärkste Wolf im Rudel sein, sondern zeichnet sich durch ihre Erfahrung, Ruhe und einer gewissen Überlegenheit aus. Kämpfe und Aggressionen im Wolfsrudel sind eher selten und werden nach Möglichkeit vermieden.

Nach einem Rundgang über das Gelände und einem leckeren Abendessen (wir hatten etwas untypisch eine Tajine gewählt  https://de.wikipedia.org/wiki/Tajine)  werden wir per Golf-Kart zu unserer Waldhütte gebracht. Im unteren – selbstverständlich umzäunten Bereich – befinden sich das Bad- und Toilettenhäuschen, auf der oberen Plattform der Schlafraum sowie ein Wohnraum mit Terrasse. Noch ist der Wald voller Stimmen, aber langsam wird es ruhiger, weil die Tagesgäste den Park um 18.00 Uhr verlassen müssen.

Die Fütterung (keine Jagd auf lebende Beute) steht an und schon sind hinter Ästen im Dickicht die ersten grauen Timberwölfe zu sehen. Obwohl sie das Terrain mit kleinen Bachläufen genau kennen, tastet sich zunächst nur einer auf die kleine Lichtung voran, wo einige Fleischbrocken ausgeworfen wurden (auch die Pfleger betreten das Naturgehege nicht, um das dortige Geschehen stets der Natur zu überlassen). Der Leitwolf schnuppert an einem Stück, dann näheren sich andere Artgenossen, fressen aber noch nicht. Einige kuscheln sich fast aneinander, andere halten eher Abstand. Sie wissen offensichtlich, daß genügend Futter für alle da ist und fressen daher ruhig und teils zeitlich versetzt (Dauer der Szenerie ca. 30 Minuten). Einzelne Tiere und eine Dreiergruppe zerren ihren Brocken in eine nicht einsehbare Mulde. Insgesamt dürften ca. 10 Wölfe am Jausen sein; aus dem Bachlauf getrunken hatten sie bereits zuvor … Gänsehaut-Feeling. Männliche und weibliche Tiere können wir kaum unterscheiden.

Zuvor hatten wir bei unserem Rundgang an anderer Stelle fünf Polarwölfe um einen Felsen herumtollen sehen. Im Gegensatz zu den sehr schlanken, fast hochbeinig wirkenden Timberwölfen, waren diese massiger, was wohl u. a. am weißen Fell und der Fellänge  liegen mag.

Hier und da ein kurzes Knurren oder Zähnefletschen; kein Streit, allenfalls spielerisches Gezänk. Im Rudel befinden sich auch 2-3 Welpen. Ob diese noch gesäugt wurden oder von den Eltern zerkleinertes Fleisch erhielten, konnten wir leider nicht sehen. Das Fotografieren war in der Dämmerung ohnehin schwierig.

Noch eine ganze Weile sitzen wir mit einem Glas Wein auf unserer Hoch-Terrasse und zum Spaß stoße  ich einen Jauler aus. Daraufhin von irgendwo her ein kleiner Laut, sonst nur Abendstille. Als wir schon in unseren Bettchen liegen, setzt gegen 23.30 Uhr plötzlich ein richtiges Nacht-Geheul (offensichtlich mehrerer Rudel) ein; d.h. die Tiere kommunizieren miteinander. So plötzlich wie es begann, stoppt das Geheul nach ca. 5-6 Minuten auch wieder – so als ob sie sich „Gute Nacht“ wünschten.  Es klang weder schaurig, noch jaulten sie den Mond an. Wenn Wölfe heulen sehen sie etwas verschlafen oder fast ein bißchen wehleidig aus, weil sie die Augen dabei halb schließen. Hier eine Kostprobe (Danke an das  Conservation-Center): https://www.youtube.com/watch?v=n-HPRUOKkS8

Der aufkommende Wind läßt die Äste knacken und ein Regenschauer geht nieder, … und irgendwann schlummern wir sanft ein. Es ist schon fast 08.00 Uhr als wir unter uns ein Trappeln auf der Holztreppe bemerken. Unser Frühstückskörbchen wird gebracht und wie ein Picknick serviert. Auch das Wolfsrudel war wohl eher vom Typ Langschläfer, morgens hat sich jedenfalls „kein Schwanz“ mehr blicken lassen. Sei‘s drumm …

In diesem Resort leben übrigens noch viele andere Tiere wie Bären (für die wir selbst mit dem Wärter das Futter auslegen konnten) , Geier und Lemuren … fahren Sie doch mal hin und finden Sie es heraus:  https://parcsaintecroix.com/de/willkommen

Salut et a bientot

Petra
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