… oder darf’s ein bißchen Mee(h)r sein?

Neben Paris, London und Mailand ist Antwerpen (frz. Anvers) die ungekrönte Königin der Mode; Diamanten und Kulinarik – insbesondere Schokolade und Bier – nicht zu vergessen.

Die Vielfalt der zweit größten Stadt Belgiens (523.000 Einwohner) mag Liebe auf den zweiten Blick sein, aber ohne Frage ist sie ein Muß für alle Kunst- und Design-Liebhaber. https://de.wikipedia.org/wiki/Antwerpen

Entdecken läßt sich die Stadt an der Schelde-Mündung am besten zu Fuß, per Rad oder öffentlichen Verkehrsmitteln. Denn eines gleich vorweg: Parken ist -ähnlich wie in Holland – extrem teuer. Die Stunde im Parkhaus kostet zwischen EURO 3.- und 3,50. Der Tagespreis liegt meist bei € 20.- bis 30.-

Dafür lockt ein Schopping-Paradies in eleganten Ambiente. Belgien hat viele talentierte Modedesigner, die für ihre Kreationen weltweit bekannt sind und gelobt werden. Von Avantgarde und dunkel bis hin zu romantisch und verspielt, und jeder hat seine ganz eigene Geschichte. Z.B. Dries van Noten, wo florale Muster angesagt sind. https://de.wikipedia.org/wiki/Dries_Van_Noten

https://en.wikipedia.org/wiki/Dries_van_Noten (engl)

Die Belgische Mode boomt! Seit über 2 Jahrzehnten positioniert sie sich als avantgardistisch, individuell und selbstbewusst im internationalen Modebusiness. Belgische Designer für internationale Stars: Madonna trägt Olivier Theyskens, Jane Birkin hüllt sich in Dries van Noten und Jennifer Lopez oder Cameron Diaz zeigen sich in Tim Van Steenbergen.

Steenbergen (geb. 1977) schloss sein Studium an der berühmten Königlichen Akademie der Schönen Künste in Antwerpen in 2000 mit Cum Laude ab. Er steht für Authentizität und Handwerkskunst und beschreibt seinen Stil als eine raffinierte Reinheit mit weiblicher Eleganz. Stars wie Jennifer Lopez, Rihanna, Dita von Teese, Katy Perry, Kim Catrell und George Michael tragen heute seine Outfits. Neben Mode entwirft Van Steenbergen auch Swarovski Schmuck, handgemachte belgische Schuhe und sogar einige Barbie-Outfits.

Oder Raf Simons, der es vom selbstgeschulten Designer von Herrenkleidung zum Artistic Director bei Jil Sander brachte https://de.wikipedia.org/wiki/Raf_Simons und inzwischen in das Haus Dior wechselte. Auch Walter Van Beirendonk ist auch bei uns kein Unbekannter mehr.

Zu regulären Preisen kann man sich diese Outfits kaum leisten (Anzug ca. EURO 1.500.-, ein T-Shirt EURO 250.-), aber es gibt ja hin und wieder Sale. Bei Dries van Noten (Het Modepaleis, Nationalstraat 16) war dieser Ende Juli leider schon vorbei. Aber unweit davon, ebenfalls in der Nationalstraat,  gibt es den Laden „The Labels“, wo Restposten und Secondhandware  internationaler Markenkleidung (einschl. japanischen Marken wie Miyake oder Kenzo) rund um’s Jahr zu reduzierten Preisen verkauft werden. Und … hurra, hinsichtlich Dries van Noten wurde ich fündig. Später habe ich zufällig noch königsblaue Stiefeletten gefunden, die perfekt zu meinem „Mondrian-Kleid“ passen.

Aber die Stadt bietet natürlich viel mehr und ein Bummel auf dem „Meir“ darf natürlich nicht fehlen. Hier empfiehlt sich eine z.B. eine Cafe-Pause mit hausgemachten Waffeln im „Paleis op de Meir“, einem Prunkgebäude mit Innenhof, wo sich auch eine Schokoladen-Manufaktur befindet.

Frisch gestärkt geht es in’s Rubens-Haus, das sich gleich um die Ecke befindet (Wrapper 7-9). Der berühmte flämische Maler Peter-Paul Rubens (geb. in Siegen/D) lebte und arbeitet dort von 1608 bis 1640. Es ist mit vielen authentischen Werken und Gegenständen bestückt und verfügt über einen wunderschönen Garten. Übrigens, jeden vierten Mittwoch im Monat ist der Eintritt (EURO 8.50) frei. https://de.wikipedia.org/wiki/Peter_Paul_Rubens

Weiter geht der Weg in Richtung Bahnhof, vorbei am bekannten Diamanten-Viertel (hier dominieren eher schlichte quadratische Wohnblöcke). In der Hoveniersstraat 53 befindet sich die renommierteste Diamanten-Börse weltweit (gegr. 1929). Die Tradition ist freilich viel älter und reicht über 500 Jahre zurück. Vier von fünf weltweit geförderten Diamanten werden hier gehandelt. Diverse internationale Vertreter eilen durch die Straßen von einer Auktion zur anderen. Unzählige Juweliere und Diamantschleifer haben sich in diesem Umfeld niedergelassen. Ihre Namen sind meist arabischer, jüdischer und indischer Herkunft. Steigern können an der Börse freilich nur registrierte/ zugelassene Personen. Von außen ist die Börse ein unscheinbares, ja geradezu schlichtes Gebäude; aber der Inhalt hat es in sich. https://de.wikipedia.org/wiki/Weltverband_der_Diamantb%C3%B6rsen

Und dann ein weiteres Muß: der Bahnhof, d.h. die Centraal-Station von Antwerpen (1905) am Königin Astrid Plein. Er ist von unglaublicher Pracht und signalisiert die Bedeutung der Stadt Anfang des 20. Jahrhunderts. https://de.wikipedia.org/wiki/Bahnhof_Antwerpen-Centraal

Eine weitere Pause bietet sich im darin befindlichen „Cafe Royal“ an, zudem ist Zeit für ein abendliches „Champagner-Bier“ bzw. ein Kriek oder Blanche de Namur rose. Einfach nur sitzen und schauen … so schön kann ankommen/ abreisen mit der Bahn sein.

Am nächsten Vormittag ist dann das modernisierte Hafenviertel „Het Eilandje“ dran, wo man vom MAS – Museum aan de Strom – (Willem Dok) aus dem achten Stock (65 Meter hoch) einen kostenlosen Blick auf die Stadt genießt. Aufwärts geht es stets außen herum per Rolltreppe.

Noch futuristischer kommt das neue Hafenamt/ New Port House daher, das 2012-2016 gebaut und von Star-Architekt Zaha Hadid entworfen wurde. Das architektonische Juwel kann – abgesehen von der Lobby im Erdgeschoß – nur im Rahmen einer Führung nach Voranmeldung besichtigt werden. Man findet den „Hafen-Diamanten“ ganz im Norden der Stadt Ecke Mexico-/ Sibiriastraat.

Das Hafenareal von Antwerpen erstreckt sich über 153 Quadratkilometer. In diesem Sinne: Antwerpen Ahoi!  Die quirlige belgische Hafenstadt begeistert mit einzigartigen Shops, lässig-eleganter Mode und einer umwerfenden Architektur. Zurück in die Zukunft, ihr mitreißendes Flair macht viele Besucher zu Wiederholungstätern. Einfach mal hinfahren; abgesehen von Bayern liegt Antwerpen nur 3-4 Fahrstunden entfernt und ist somit selbst für einen Tagesausflug geeignet.

Wer 48 Stunden oder etwas mehr Zeit hat, sollte auch einen Ausflug an’s Meer machen; z.B. in’s holländische Cadzands (ca. 45 km). Hier ist der Dünenstrand noch nicht mit Hochhäusern zugebaut wie in den belgischen Seebädern Knokke-Heist oder Blankenberge. Auf dem Rückweg sollte man natürlich einen Zwischenstopp im romantisch- historischen Brügge einplanen.

Ach ja, was sollte man nicht alles …

Petra
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