Diese Berufsgruppe hat es wirklich nicht leicht, denn Druck kommt allgemein hin von allen Seiten. Man denke nur an die vermeintliche Pressefreiheit in zweifelhaften Demokratien (die manchmal bis nach Deutschland reicht) oder gar Racheakte wie auf die Redaktion von „Charlie Hepdo“. Journalisten müssen Stellung beziehen und werden in der Öffentlichkeit zu angreifbaren Personen. Recherchen dauern oft bis in die Nacht und schließlich gilt es auch den Stil des Presseorgans bzw. der Zeitung/ Zeitschrift zu treffen oder es den Wünschen des Chef-Redakteurs recht zu machen.

Auf lokaler/ regionaler Ebene werden freilich „kleine Brötchen gebacken“, aber aktuell und ein bißchen spektakulär sollen die Artikel schon sein, am besten noch mit einem mit VIP-Foto versehen. Nicht zu vergessen den Zeitdruck, denn fast jeden Tag finden Redaktionskonferenzen statt und müssen pünktlich vor Drucklegung die angefragten Texte vorliegen; egal, ob es stürmt oder die Nase trieft.

Dabei sind Jobgarantie und Verdienstmöglichkeiten in dieser Branche nicht unbedingt verheißungsvoll. Der Auflagenkampf der Printmedien ist voll entbrannt und heute noch in einer Festanstellung Fuß zu fassen ist schwer. Auch bei den Magazinen sieht es nicht viel besser aus, d.h. selbst für einen Recherche intensiven Artikel werden oft nur um die EURO 800.- gezahlt.

Und dennoch gibt es immer wieder „Schreiberlinge“, die gegen alle Widrigkeiten für ihre Sache brennen. So ein Exemplar sitzt mir heute gegenüber; u.a. weil er auf den Topagemodel-Blog aufmerksam wurde. Christian B. ist eher ein stiller Typ und ein guter Zuhörer. Trotzdem notiert er emsig mit, wenn es um Inhalte und Recherchen geht. „Der Job habe ihn gefunden“, als er 2002 nach seinem Magister-Studium der Geschichte, Politikwissenschaften und Englisch ein Volontariat bei einer überregionalen Zeitung begann. Ihn faszinierte schnell die Vielfalt an Themen und Menschen und insbesondere die Ressorts Natur und Technik einschließlich Luft- und Raumfahrt hatten es ihm angetan. Zwei Nischen, die er bis heute bedient und für die man ihn schätzt.

Im Spiel der renommierten Technik-Journalisten hatte Christian schon die Ehre Eric Armstrong, den ältesten Sohn von US-Astronaut Neil Armstrong (gestorben 2012, erster Mann auf dem Mond) zu interviewen und „Astro Alex“, unseren aktuellen „Weltraum-Tausendsassa“ Alexander Gerst, im Raumfahrtzentrum in Köln zu treffenhttps://www.rheinpfalz.de/lokal/ludwigshafen/artikel/mein-vater-war-ein-normaler-typ/

Hinsichtlich Natur und Umwelt schreibt er ab und auch als „Nils Nager“ (ein pfiffiger Biber, der die Welt erklärt) eine Kinderkolumne. Egal ob es um Honig, Pilze oder Wiesenlandschaften geht, er versteht es komplizierte Themen mit wenigen Worten anschaulich und kindgerecht darzustellen.  https://www.rheinpfalz.de/lokal/speyer/artikel/nils-berichtet-beim-imkerfest-in-dudenhofen/?tx_rhpnews_shownews[reduced]=true

Er hat seinen Weg gefunden sich nicht aufreiben zu lassen, sich als Individualist treu und im Tun authentisch zu bleiben.

Ja, manchmal sei es schon etwas deprimierend, wenn man einen langen Artikel einreicht, in der vorgesehenen Ausgabe dann aber nicht genügend Platz ist oder der Artikel aus aktuellen Anlaß gekürzt werden muß. Kraft schöpfe er in frustrierenden Momenten dann aus Konzentrations- und Kampfsportübungen des Aikido.

Seine Kombination aus Festanstellung für redaktionelle Tätigkeiten wie das Redigieren von Texten (seit 13 Jahren) und Freier Mitarbeit, ist und bleibt für ihn die perfekte Mischung seine berufliche Passion zu pflegen.

Als Journalist Karriere machen, wie geht das überhaupt? Für eine große, auflagenstarke Zeitung wie die FAZ oder WELT oder online für FOCUS oder SPIEGEL schreiben? Das hat er aufgrund seiner Erfahrungen mittlerweile ad acta gelegt. Dies würde noch mehr Streß und Konkurrenzkampf und teils auch mehr Bevormundung bedeuten („lächelt“).

Er liebt die Lokalnachrichten, seinen kleinen Standort, wo er sich wohl fühlt und sein Netzwerk mit verläßlichen Kontakten hat. „Sicher, viele Ereignisse in Berlin sind spektakulärer, aber gerade im Kleinen muß man stets gnadenlos informativ und ehrlich schreiben. Aussagen über Situationen im Hindukusch lassen sich schließlich nicht so einfach überprüfen“.

Das Tempo sei einfach nicht mehr menschlich“ und die schnelllebige Zeit fördere mehr Sensationslust als Recherche. Im Mittelpunkt stehen vermehrt provokante Aussagen und der Trend geht immer häufiger zu „Online First“, d.h. Push-Meldungen laufen im Pfalz-Ticker, andere News werden als „Appetizer“ nur schnell angerissen und erscheinen erst am nächsten Tag – wenn überhaupt – in (gedruckter) Langform. Auch aufgrund des Konkurrenzdrucks steht zwecks Strukturoptimierung täglich  vieles auf dem Prüfstand … und damit auch jeder Job.

Nein, ein Buch schreiben möchte er trotz journalistischer Kompetenz nicht. Stattdessen berichtet er u.a. von seinem Zusammentreffen mit Prof. Harald Lesch, der regelmäßig als Wissenschaftsexperte im TV zu sehen ist. Leschs Erklärungsvermögen begeistert auch mich jedes Mal von neuem.

Wie auch immer, so wie Christian für sich die Grenzen des Nachrichtenwesens zieht, wirkt er auf mich umso sympathischer. Dabei heißt es immer Mensch bleiben und seine Gesprächspartner stets mit Respekt zu behandeln (anders, als so mancher TV-Sender, der seine Soap-Darsteller mehr bloßstellt, als in’s rechte Licht zu rücken).

Wir wollten eigentlich nur 1,5 Stunden über den TAM-Blog reden und seine Arbeit als Journalist, daraus wurden drei Stunden und mitten drin haben wir zum „Du“ gewechselt, weil wir einfach eine gemeinsame Wellenlänge entdeckt haben. Er strahlt Vertrauenswürdigkeit aus, so daß man auch mal was „off records“ erzählt. Der dynamische Mitvierziger, der meist mit dem Rad unterwegs ist und Süßes liebt, aber dennoch sehr austrainiert wirkt, ist eben kein Mainstream Typ der sich ausschließlich über „Likes“ definiert.

Dabei ist das sich Gegenübersitzen im persönlichen Gespräch sind die einzige Möglichkeit einen Menschen besser kennenzulernen. Vorgefertigte Fragen über das Internet per Mail zu senden, sind ohne Mimik, oft durch Dritte gefiltert und ohne Emotionen. Wie wahr …

Ein akribischer „Nager“ ist Christian übrigens wirklich, denn er erscheint zu dem Interview trotz ständiger Zeitknappheit, bestens vorbereitet. D.h. er hat sich die TAM-Seiten nicht nur ausführlich angesehen und lobt ausdrücklich Konzept, Frequenz und Aufmachung, er hat sich auch in diverse Artikelinhalte explizit eingelesen.

Umso so aufmerksamer ist er während unseres Gespräches, um ergänzende Fragen zu stellen und kleine Zwischentöne aufzunehmen. Dabei läßt er Exkurse zum Thema gerne zu, kommt aber dennoch stets wieder gezielt auf seine Fragestellung zurück, um zwischen Person und Anliegen eine Brücke zu schlagen, kurz, eine gute Story zu schreiben.

Danke für das journalistische Interesse am TAM-Blog und seinen Machern Renate und Petra. Der Link zum Presse-Bericht erscheint bei passender Gelegenheit nach Veröffentlichung.

Wer wissen möchte, was ich sonst so tue, kann hier folgenden Artikel der Berliner-Zeitung lesen:  https://www.bz-nachrichten.de/das-betreuungsrecht-aus-sicht-des-rechtlichen-betreuers-von-petra-fritz/

Petra
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