Nur auf den ersten Blick eine banale Frage, denn die Antworten und das Erleben sind vielfältig.

Bald ist es wieder Zeit für die Urlaubsplanung. Für einige stellt sich diese Frage jedoch nicht unbedingt, denn sie fahren „nach Hause“. Dies trifft im Zuge der Globalisierung nicht nur auf „Fremd“arbeiter, Flüchtlinge/ Kriegsvertriebene, Liebesauswanderer oder dauerreisende Sportler und Künstler zu, sondern auch auf Scheidungskinder, Internatsschüler/ Studierende und Trainer/ (Wirtschafts)berater etc.  Ich selbst kenne das Gefühl recht gut, da ich insgesamt fast sechs Jahre im Ausland gelebt und gearbeitet habe. Dazu später etwas mehr.

An was denkt man spontan, wenn das Wort „HEIMAT“ fällt?  An den Ort, an dem man geboren wurde oder aufgewachsen ist? An Eltern und Geschwister? Erinnert man sich vielleicht an das Lieblingsessen, das Oma immer gekocht hat? Oder denkt man an den Geruch des Fliederbusches vor der Tür oder andere positive Ereignisse: der erste Kuss, ein Fotoalbum, ein Säckchen Heimaterde ? Meist sind es erste Erfahrungen, der vertraute Raum, in dem man laufen und sprechen lernte, sind es Nachbarn und Freunde, ein leckeres Essen, die gewohnten Feste, die Sicherheit des Daseins in der Familie, d.h. das Paradies der Erinnerung, aus dem man angeblich nicht vertrieben werden kann. All‘ das und auch eine Landschaft, kann der Beschreibung nach Heimat sein.

Irgendwann aber ist Heimat der Ort, den man verlassen muss, um in der Welt etwas zu werden bzw. zu lernen, der Ort von Abschied und vielleicht Heimkehr.

Viele Menschen sagen daher: „Da, wo man sich wohlfühlt und verstanden wird, ist unsere Heimat.“ Wie wahr …  https://de.wikipedia.org/wiki/Heimat

Wenn man den Begriff „Heimat“ näher betrachtet, steckt etymologisch das Wort „Heim“ darin. „Heimat“ stammt von dem germanischen Wort „haima“ ab und bezog sich damals auf den Wohnort der Menschen: Das konnte das Wohnhaus oder eine kleine Siedlung sein. „Heim“ ist aber nicht gleich „zu Hause“. Ich denke, ein Mensch kann im Laufe der Zeit mehrere „Zuhause“ haben, aber nur ein(e) Heim(at).

Für die Menschen im Mittelalter war es sehr wichtig, eine Heimat zu haben, die sie in Zeiten der Not schützte. Dazu mussten die Menschen ein sogenanntes „Heimatrecht“ besitzen. Dieses erhielten sie direkt durch ihre Geburt in die Familie, die in dem Haus lebte oder sie heirateten später in die Familie ein. Von diesem Recht leiteten sich auch Verpflichtungen ab, nämlich sich in der Heimat gegenseitig zu unterstützten.

Fest steht: Heimat ist für jeden etwas anderes, mal ein ganzes Land, mal ein Dorf oder einfach die Stammkneipe. Hauptsache, es fühlt sich nach Geborgenheit an. Dieses Gefühl lässt sich heute nicht nur auf den Wohnort anwenden, sondern auch auf Menschen, die man gerne hat, die einem vertraut sind. Oft lernt man das Gefühl von Heimat erst kennen, wenn man seine behütete Umgebung verlässt. In der Fremde fühlt man sich zunächst eher verloren und vielleicht sogar bedroht, es entsteht Heimweh. So schön das Neue ist, umso anstrengender ist es auch sich neu zu organisieren.

In der Erinnerung lebt dann die alte Heimat besonders schön auf, über die man in Geschichten und Erlebnisberichten gerne erzählt. Manche Menschen finden im Laufe ihres Lebens verschiedene Orte, an denen sie sich heimisch fühlen. Oder sie treffen auf Menschen, die ihnen ähnlich sind, mit denen sie vertraut sind. Vor mehr als 200 Jahren im Zuge der Industrialisierung veränderte sich das Verständnis von Heimat, da die Menschen auf dem Land nicht mehr genügend Arbeit hatten und zwangsweise in die großen Städte zogen. Die meisten sehnten sich in die alte Heimat zurück. Deshalb beschäftigten sich in dieser Zeit, der sog. Romantik,  auch viele Maler, Dichter und Musiker mit dem Thema “Heimat“. 

Die Bedeutung des Begriffs „Heimat“ wandelte sich weiterhin stark in der Zeit vor, während und nach Kriegen, z.B. dem zweiten Weltkrieg. Verändern sich die Grenzziehung,  wird es schwierig mit der Bedeutung von Heimat umzugehen: Denn die einen hatten sie verloren, andere haben eine neue Heimat gefunden, und viele Menschen wollten davon einfach gar nichts mehr hören: Sie sehnten sich zwar nach neuer Geborgenheit, Wärme und Schönheit, aber unabhängig von Heimatorten. So ist zwangsweise ein Austausch verschiedener Kulturen möglich geworden.

Apropos: In Nürnberg gibt es sogar ein Heimatministerium! Die Mitarbeiter/-innen kümmern sich dort insbesondere um erhaltenswerte Kulturgüter wie die alten Schlösser und Parks im Bundesland Bayern. Und in den Bundesländern Baden-Württemberg und Sachsen steht das „Recht auf Heimat“ als wichtiges Gesetz in deren Verfassungen. Jeder Bürger hat also dort das Recht, eine Heimat zu haben.

Hat jeder Mensch eine Heimat? … oder auch zwei?  Bis heute ist für mich Mexico Stadt ein Zuhause genauso wie Ludwigshafen/ Stuttgart und Speyer in Deutschland. Ich kenne in beiden Städten genügend Leute und alle sind aufgrund gemeinsamer Erlebnisse ein Teil von mir geworden. Eine Vermischung der Orte gibt es nicht: das eine ist dort, das andere hier. Genauso ergeht es mir mit meinen Zweitwohnsitzen in der Schweiz, an der Ostsee und in Bayern. Alle sind irgendwie zu einem temporären Zuhause und Teil meines Lebens  geworden, da ich sie mir ja auch ausgesucht hatte und die perfekten Orte waren, um meine Batterien aufzuladen. Aber alles hat seine Zeit.

Ein ganz besonderes Gefühl hatte ich Ende der 80-iger Jahre stets, wenn ich als Mitarbeiterin eines amerikanischen Dienstleisters morgens in das abgeriegelte, gesicherte  US-Kasernengelände mit Paßkontrolle und Schlagbaum eingefahren bin und den Standort abends wieder verlassen habe. Andere Sprache, getrennte Welten und getrennte Ansichten.

Mag sein, daß Heimat auch der Ort ist, an den es einen im Alter (zu imaginären Wurzeln) zurückzieht. Ganz ehrlich: früher war ich immer ganz vorne mit dabei, wenn es irgendwo hin ging – heute überlege ich schon genauer und viel länger.

Ich persönlich bin dankbar aufgrund der Mobilität mehrere Zuhause zu haben – egal ob in Deutschland oder im Ausland. Manchmal kann eine vorübergehende Entwurzelung eine gesunde Verwurzelung erst möglich machen. Denn man lernt seine ursprüngliche (kleine) Heimat meist erst dann wertschätzen, wenn man die (große) Welt einmal gesehen und Vergleichsmöglichkeiten hat!! Ferner kann meines Erachtens auch nur dann in einem Land heimisch werden, wenn man die Landessprache beherrscht. Daher ist der Schritt in’s Ausland für Literaten, Filmschaffende und z.B. Juristen immer besonders kritisch.

Und allem Anschein zum Trotz können offensichtlich auch ein Schiff und ein Hotel eine Heimat sein. So wohnt Rock-Barde Udo Lindenberg schon seit Jahren im „Atlantik“ in Hamburg und so mancher Seemann kann sich ein Leben an Land kaum mehr vorstellen.

Wie heißt es im Englischen so schön: „Home sweet Home“ … „my Home is my Castle“  will heißen?    …. man kann überall, auch zu Hause, Urlaub machen. Viel Spaß bei der Planung …

 

 

 

Petra
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