Beim kürzlichen Gang durch einen der üblichen Schnickschnack-Läden sah ich unvermittelt das Paket. Es stand ganz oben im Regal und kostete nur EURO 20.- : eine Zuckerwatte-Maschine. Eigentlich bin ich nur in das Geschäft gegangen, um schnell einen Lichtschlauch als Partydeko zu kaufen. Wie das so ist: was ich suchte, habe ich nicht bekommen, alles andere schon.

Zuckerwatte Du Freude und Belohnung meiner Kindheit! Warum auf die nächste Kirmes warten! Ich will dich jederzeit, überall und bei jedem Wetter! Es soll sogar Leute geben, die nur für ein Foto mit bunter Zuckerwatte auf den Jahrmarkt gehen. Ich kann’s durchaus verstehen. Die kleinen (rosa) Zuckerwolken machen halt echt was her und das schon ein paar Jahrhunderte.

Wer hat Zuckerwatte erfunden? Die Herstellung „gesponnenen Zuckers“ ist so alt, dass der genaue Zeitpunkt der Erfindung nicht genau bekannt ist. Allerdings lassen sich schon in Kochbüchern des 16. und 17. Jahrhunderts Rezepte dafür finden. Die erste Zuckerwattemaschine (Candy Floss Maker) wurde 1897 von William J. Morrison und John C. Wharton in Nashville erfunden und zum Patent angemeldet. Seitdem erfreut sie die Besucher jeder Kirmes oder die Gäste zum Kindergeburtstag. Ich plane sie gerade als Überraschung einer Erwachsen-Party, frei nach dem Motto: am liebsten sind wir alle Kinderlein ….

Wie kann man Zuckerwatte selber machen? Es gibt zwei Möglichkeiten: von Hand mit einem Schneebesen oder mit einer Zuckerwattemaschine. Die von Hand gezogene Variante ist etwas aufwendiger und die Fäden sind ein bisschen dicker, was dem Geschmack aber nicht schadet.

Anleitung zur Herstellung von Zuckerwatte OHNE Maschine

Zutaten: 400 g Zucker, 20 ml Maissirup, 20 ml Wasser, Prise Salz

Hilfsmittel: Topf, Zucker-Thermometer, Backpapier, Schneebesen, Holzstäbchen

Zubereitung:

  1. Alle Zutaten in einem großen Topf verrühren und bei mittlerer Hitze unter Rühren langsam erwärmen. Wenn sich dabei am Rand des Topfes Wasser sammelt, vorsichtig mit dem Küchentuch abtupfen.
  2. Sobald es zu einer klebrigen Masse wird, kann das Zucker-Thermometer am Rand des Topfes angebracht werden und die Temperatur erhöht. Wenn die Masse auf 160 Grad erhitzt ist, kann es losgehen.
  3. Jetzt den Schneebesen in die Masse tauchen und diesen über dem ausgelegten Backpapier in der Luft hin und her bewegen. Schwingen, Kreiseln, Drehen, Wackeln…bis kleine dünne Zuckerfäden ein Netz bilden (Vorsicht: mit dem heißem Zucker kann man sich schnell Verbrennungen holen!
  4. Das Netz wird dann schnell mit dem Holzstab aufgewickelt. Fertig!

Topf und Rührbesen bekommt man übrigens ganz leicht sauber, indem man sie im Wasser liegen lasst, bis der Zucker aufgelöst ist.

Wie funktioniert eine Zuckerwattemaschine? In jedem Fall spart man sich das Rühren und Wackeln, denn der Zucker wird einfach an der Heizwendel in der Mitte auf 150 Grad erhitzt und verflüssigt. Danach wird er mit Hilfe von Zentrifugalkraft in an den Rand geschleudert und so gesponnen. So werden die Fäden weich wie Watte.

Kann man eine “ Zuckerwattemaschine“ selber bauen?   Ja, es mag Leute geben, die dies machen und können. Angeblich braucht man dafür nur ein paar Haushaltsgegenstände, nämlich:

Schraubdeckel, Nagel (möglichst dünn), Schleifpapier, Hammer, Bohrer, Karton, Winkelschleifer oder Akku-Schrauber, PET-Flasche oder Frischhaltefolie

Hier die Bauanleitung für die ich – mangels Eigenerfahrung – allerdings keine Garantie übernehmen kann:

  1. Mit Nagel und Hammer viele kleine Löcher in den schmalen Rand des Deckels hauen. Je kleiner die Löcher, desto feiner die Zuckerwatte.
  2. Um die Verletzungsgefahr zu vermeiden, den äußeren Rand des Deckels ggf. mit Schleifpapier glätten.
  3. Dann ein Loch in die Mitte des Schraubdeckels bohren, so groß, dass der Stab des Gerätes durchpasst. Den Deckel auf die Gerätespitze stecken und so befestigen, dass die Innenseite des Deckels nach oben zeigt.
  4. In Folge den Anschalter so fest ankleben / fixieren, daß das Gerät immer an ist und den Stecker ziehen (später kommt man nicht mehr an den Knopf).
  5. Schneidet ein Loch in euren Karton, legt das präparierte Gerät hinein und zieht das Kabel durch das Loch raus.
  6. Den unteren Teil des Gerätes abdecken. Entweder mit einer aufgeschnittenen PET-Flasche oder Folie, damit es nicht durch den Zucker verklebt.
  7. Wenn man das Gerät nun anschaltet und den flüssigen Zucker langsam und vorsichtig auf die Deckelmitte gibt, werden nun Zuckerwattefäden an den Rand des Gefäßes geschleudert wie bei einer herkömmlichen Zuckerwattemaschine 

Welcher Zucker ist für Zuckerwatte geeignet?  Man kann einfachen Haushaltszucker verwenden, aber es geht auch mit Isomalt oder Ahornsirup.

Wie bekommt Zuckerwatte Geschmack und Farbe hin?  Wenn man einen etwas intensiveren Karamellgeschmack bevorzugt, den Zucker lediglich ein bisschen länger erhitzen, bevor man die Fäden zieht.

Für jeden Geschmack Aroma, Extrakt oder Sirup dazugeben. Das bekommt man in jedem Supermarkt. Da diese Aromastoffe meist in flüssiger Form angeboten werden, sollte man nur wenige Tropfen mit dem Zucker mischen. Denn mit zu viel Feuchtigkeit wird er nicht mehr so gut fest und das Ganze wird eher klebrig als wattig. Will man auf Nummer sicher gehen, nimmt man am besten fertig aromatisierte Zuckersorten.

Für die Farbe eignet sich gelartige Lebensmittelfarbe am besten, denn es soll ja so wenig Flüssigkeit wie möglich hinzugefügt werden. Verwendet man flüssige Farbe, einfach die gleiche Menge an Wasser im Rezept weglassen. Man kann auch (veganes) Eispulver verwenden.

Sowohl Farbe als auch Aroma können vor dem Erhitzen direkt in den trockenen Zucker gemischt werden.

Natürlich geht abschließend auch jede Art von Deko, z.B. mit Schokoplättchen, Liebesperlen, getrocknete eßbare Blüten etc. Ganz mutige kredenzen dazu Eis und reichen es anstatt am Stäbchen in einer Eistüte …und, und …..

ÜbrigensZuckerwatte sollte UNBEDINGT trocken und luftdicht verschlossen gelagert werden – egal ob gekauft oder selbst gemacht. Am Besten man stellt sie in einem warmen trockenen Raum her und verschließt sie gleich danach in luftdichten Tüten oder Frischhaltedosen. Denn der Zucker verbindet sich liebend gern mit jeder Feuchtigkeit (deshalb schmilzt sie auch so schön im Mund) und die gibt es eben auch in der Luft. Deshalb erst dekorieren, wenn sie konsumiert wird. Ansonsten bekommt sie dunkle Stellen wo‘ es feucht wurde. An der Haltbarkeit ändert sich damit aber nichts. Da sie fast nur aus Zucker besteht, hält sie gut mehrere Monate.

Hier nun aber das Rezept für rosa/ hellgrüne Zuckerwatte aus der Zuckerwattemaschine

Zutaten für eine Person: 2 El Zucker, 2 Tropfen Lebensmittelfarbe in pink/ grün, 2 Tropfen Himbeer-Aroma oder Waldmeister

Zubereitung von Zuckerwatte:

  1. Zuckerwattemaschine anschalten und erhitzen lassen, in der Zwischenzeit die Zutaten in einer Schüssel mischen.
  2. Wenn die Maschine bereit ist, kann der Zucker eingefüllt werden. Dafür die Einfüllmenge Menge besser mit dem beigelegten Messlöffel abmessen (falls die Maschine eventuell kleiner als üblich ist). Je nach Modell muss diese für das Einfüllen des Zuckers kurz ausgeschaltet oder zumindest gestoppt werden und dann wieder eingeschaltet.
  3. Dann eine Weile warten. Sobald die ersten Fäden aus dem Heizelement kommen, können sie mit dem Stäbchen aufgefangen werden. Damit sie schön oval wird: fahrt mit dem Stäbchen am besten ein mal um die Heizspule und fangt die ersten Fäden auf. Haltet es danach waagerecht über der Spule und dreht die Zuckerwatte auf.

Das Ergebnis: köstliche (rosa) Wölkchen, die an Baumwollknäuel erinnern.

Und bald ist schließlich Fasching/ Karneval. Auch da macht Zuckerwatte als Überraschungsgast eine gute Figur. Ich wünsche allen Naschkatzen süßes Genießen … Kalorien hin oder her.

Petra
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