Sie heißen „Donner“ und „Blitzen“ oder „Eclair“ und „Tonnere“ und schauen schon mal schelmisch um die Ecke … die Rede ist von Rentieren. Vor allem in der angelsächsischen Kultur sind Rentiere untrennbar mit Weihnachten verbunden. Sie ziehen den Schlitten von Santa Claus, der an Heiligabend vom Nordpol losfährt.

Ich habe sie schon einige Male aus der Nähe erlebt und liebe sie wie andere Leute Pferde, Hunde oder Katzen.

Doch was wissen wir eigentlich sonst über diese Hirschart aus dem hohen Norden? Hier ein paar erstaunliche Fakten: https://de.wikipedia.org/wiki/Ren

Rentiere klicken beim Gehen, wechseln bei Badarf die Augenfarbe, haben Fußbodenheizung  und erwärmen ihre Atemluft. Die Kältespezialisten können also weit mehr, als an Weihnachten Geschenke bringen:

  • Das Rentier lebt in den Tundren und in der Taiga im Norden Eurasiens, Nordamerikas, auf Grönland und anderen arktischen Inseln. Es kann bis zu 20 Jahren alt werden. Seine Körperlänge beträgt durchschnittlich zwei Meter, die Schulterhöhe variiert von 90 bis 125 Zentimeter und Männchen können ein Gewicht von bis zu 250 Kilogramm erreichen.
  • Rentiere und Karibus gehören zur gleichen Tierart (rangifer tarandus). Europäische Vertreter nennt man Rentiere, in Nordamerika heissen sie Karibus. Von Rentieren spricht man eigentlich nur bei domestizierten Tieren.
  • In Russland und Lappland leben die Vierbeiner in semi-domestizierten Herden. Die Samen (früher als Lappen bekannt) verwenden Fell, Sehnen, Fleisch und Milch (Fettgehalt ca. 20 Prozent). Karibus wurden nie domestiziert, doch folgten eingeborene Völker jahrhundertelang den Herden, da diese ihnen alles Notwendige zum Überleben lieferten.

  • Rentiere sind die einzige Hirschart, bei der auch die Weibchen ein Geweih tragen. Sie brauchen es, um während der Schwangerschaft im Winter die kargen Futterstellen zu verteidigen und genug Nahrung für sich und ihr Kalb zu sichern. Männliche Rentiere werfen ihr Geweih schon im Herbst oder frühen Winter ab, weibliche dagegen erst im Frühling oder Frühsommer. Ist es dauerhaft sehr kalt, also unter -15 Grad, überzieht sich auch das Geweih mit einem flaumigen Pelz. Die Rentiere des amerikanischen Weihnachtsmannes werden nie ohne Geweih dargestellt und sind demnach Weibchen. Der berühmte „Rudolph“ wäre somit wohl eher eine Rudolphine.
  • Eine weitere Einzigartigkeit stellt die jährliche Wanderung der teils riesigen Herden (bis 160.000 Tiere) bis zu 2.000 Kilometer dar. Kommen sie in Bedrängnis, können sie bis zu 70 Stundenkilometern schnell laufen. Rentiere können übrigens auch mehrere Kilometer schwimmen.
  • Dass sie dabei nicht erfrieren oder ertrinken verdanken sie ihrem Fell. Lufteinlagerungen sorgen für gute Isolation und geben Auftrieb. Auch sonst sind Rentiere bestens an ihren Lebensraum angepasst: Die Hufe sind breit und lassen sich weit spreizen, damit die Tiere im Schnee nicht einsinken. Gut ausgebildete Klauen und scharfe Kanten geben zusätzlichen Halt. Im Sommer werden die Ballen weicher, so dass die Rentiere auf sumpfigen Boden nicht ausrutschen. Die Rentiernase hat eine stark vergrösserte Oberfläche in den Nasenlöchern, wodurch die eingeatmete Luft vorgewärmt wird, bevor sie in die Lungen gelangt. Von roter Nase also keine Spur.

  • Auch in den Hufen steckt eine Art „Heu“ als Isopolster.
  • Rentiere ändern bei Bedarf sogar ihre Augenfarbe. Im Sommer, wenn es im hohen Norden fast immer hell ist und viel Licht hat, sind ihre Augen golden oder erscheinen auch mal hell-blau; im dunklen Winter sind sie von dunkelblauer Farbe. So wird das Licht unterschiedlich reflektiert bzw. die Sicht besser strukturiert, um Feinde ggf. schneller zu entdecken.
  • Beim Gehen erzeugen Rentiere typische Klicklaute. Diese kommen von Sehnen, die sich über Knochenvorsprünge im Fuss spannen. Wozu die Klicks dienen, ist nicht eindeutig erforscht. Einige Wissenschaftler vermuten, dass die Laute der Herde helfen, in Schneestürmen, Nebel oder Dunkelheit zusammen zu bleiben. Afrikanische Elan-Antilopen produzieren ähnliche Klicks mit ihren Knien, welche dazu dienen, die hierarchische Struktur im Sozialverband festzulegen. Dominante, schwerere Tiere klicken lauter.
  • Rentiere ernähren sich hauptsächlich von Flechten und Moosen (sollen ähnlich eines Blutverdünners eine Substanz enthalten, die das Gefrieren oder Auskühlen des Blutes verhindert), die sie mit ihren scharfkantigen Hufen aus dem Schnee scharren, fressen aber ab und zu auch Gräser und andere Pflanzen. Ihre Leibspeise aber ist Rentierflechte, von der ein erwachsenes Tier ungefähr zwei Kilogramm pro Tag benötigt. Ihre Ausscheidungen bestehen aus vergleichsweise vielen kleinen Kotkügelchen.

Um die Tiere in der freien Natur zu erleben, braucht man aber nicht unbedingt nach Nordeuropa zu fliegen, auch in den Vogesen gibt es z.B. eine kleine private Herde. Hier streifen sie frei durch ein  separiertes Waldstück unterhalb des Col de la Schlucht. Die „Ferme aux Rennes“  (gehört zur wunderschön gelegenen „Auberge Schantzwasen“) kann man sommers wie winters besuchen.  https://www.youtube.com/watch?v=CT-NI-6gMY8

Möchten sich die Tiere dem Menschen nähern, tun sie es; ansonsten ziehen sie ihres Weges.  Wie bei  jedem Lebewesen kann man neugierige und scheue, streitsüchtige oder scheinbar immer hungrige Exemplare beobachten. Fressen sie einem aus der Hand, tun sie dies so geschickt, daß man weder Lippen, noch eine feuchte Zunge spürt. Streicht man über das Fell, fühlt es sich feucht wie mit Wachs impregniert an. Im trockenen Zustand ist es mit einem Gamsfell vergleichbar.

Wie gesagt, ich mag diese pelzigen Gesellen und bewundere die Rentier-Nomaden, die sich – teils mit modernen Mitteln – aber dennoch bewußt bis in unsere Zeit dieser Hirtenkultur verschreiben und einen nachhaltigen Umgang mit der Kreatur pflegen. Dabei sind die Herdenbesitzer keine armen Leute, denn ein ausgewachsenes Rentier ist bis zu  EURO 300.- wert. Rentierfleisch schmeckt intensiv nach Wild; das mag nicht Jedermans Sache sein. Sollten Sie jedoch einmal Gelegenheit dazu haben, … so ein „Rentier-Burger“ oder der luftgetrocknete Schinken hat schon was.

Allez les rennes …

Petra
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