Der Aktualität wegen hier der medizinsicher Beitrag eines befreundeten Virologen – fern von Panikmache und dafür mit umso mehr Fakten. Er sagt:

„COVID-19“ eine Herausforderung für die Welt – Was steckt dahinter?
Als Virologe kann ich natürlich nicht anders und muss ein paar Worte zu COVID-19 (coronavirus disease 2019) und dem auslösenden Virus SARS-CoV-2 (severe acute respiratory syndrome coronavirus 2) verlieren.
Coronaviren gibt es viele. Sie verursachen bei verschiedenen Wirbeltieren wie Säugetieren, Vögeln und Fischen sehr unterschiedliche Erkrankungen. Beim Menschen können Corona-Virusinfektionen symptomlos bleiben, Erkältungen verursachen aber auch Durchfall und andere Beschwerden des Verdauungstraktes hervorrufen. Anfangs war ich persönlich optimistisch, dass COVID-19 sich in Asien „totlaufen“ wird.
Inzwischen bin ich sehr besorgt, weil das Virus sich ganz anders verhält als andere bereits bekannte Corona – Viren:
1. SARS-CoV-2 ist extrem kontagiös (ansteckend), so dass es bereits ausreicht, es in die oberen Atemwege zu bekommen, um eine Infektion auszulösen.
2. Das Virus ist sehr virulent (lebenskräftig), weil so kontagiös und relativ widerstandsfähig außerhalb der Wirtszelle.

3 .Starke Virulenz und Kontagiösität machen SARS-CoV-2 ziemlich stark pathogen (fähig, Krankheit auszulösen)

4. Das Tückische am COVID-19 ist außerdem, dass das Virus schon verbreitet werden kann, wenn noch keine Symptome vorhanden sind. Das heißt SARS-CoV-2 verbreitet sich bereits exponentiell nach dem Schema „2 hoch x“ bevor überhaupt jemand etwas merkt.

5. Zum Glück ist die Mortalität (Verhältnis Zahl verstorbener Patienten zu Zahl infizierter Patienten) nicht ganz so schrecklich (weltweit zurzeit etwa 3,7%).

6. Die Schwere der Erkrankung scheint in starkem Maße von der Viruslast abzuhängen (Zahl der Viren, die im Patienten nachgewiesen werden).

7. Die Viruslast hängt offenbar auch von der Menge der aufgenommenen Viren ab. Es macht also einen Unterschied, ob man versehentlich ein Tröpfchen aus der Atemluft eines Infizierten auffängt oder einen COVID-19-Kranken küsst.

8. Kinder scheinen weniger gefährdet als alte Menschen. Was die Sterblichkeit betrifft, so lag die in China (entsprechend Berichterstattung) bisher immer ziemlich gleichbleibend um die 2%. Das ist vergleichbar mit einer schwereren Grippeepidemie. Aus Italien wird aber nun von einer Mortalität über 5% berichtet. Das scheint mir besorgniserregend auch unter dem Gesichtspunkt, dass in China wahrscheinlich gar nicht alle Fälle erfasst worden sind. Woran das liegt weiß ich nicht. Vielleicht haben die Asiaten eine höhere Grundimmunität gegen Coronaviren, von denen es ja viele gibt?

Warum Kinder weniger betroffen sind, ist auch unklar. Vielleicht weil das Virus eine übersteigerte Immunantwort hervorruft. Kinder haben noch kein so ausgeprägtes Immunsystem. Wie oben beschrieben, hat jedes Virus bestimmte Eigenschaften die durch mehrere Faktoren (Kontagiösität, Virulenz Pathogenität, Sterberate etc.) bestimmt werden. Man kann nun anhand dieser Parameter mit den Mitteln der mathematischen Statistik ziemlich genau berechnen, wie sich eine Endemie, Epidemie oder Pandemie ausbreiten werden. Damit wird die Ausbreitung einer Infektionskrankheit zu einer mathematischen Formel, an der niemand vorbeikommt, die Ärzte nicht und der Tod nicht. Das ist keine medizinische Empirie, das ist mathematische Statistik. Die aktuell Erkrankten, die Neuerkrankungen, die Todesfälle, die inzwischen Genesenen, die Mobilität der Menschen und viele weitere Faktoren gehen alle indas Rechenmodell ein, welches dann aussagt, bei welcher Durchseuchungsrate keine weiteren Neuerkrankungen mehr zu erwarten sind, und damit die Epidemie zu Ende ist.
Bei Ebola und der Pest sind dann eben 30 – 70% aller Menschen tot, bei COVID-19 „nur“ 3 – 4%. Diese Durchseuchungsrate beträgt bei COVID-19 nach den Berechnungen der Epidemiologen ca. 70%.
Einer der besten Virologen der Welt, Professor Drosten, hat mein vollstes Vertrauen, nicht nur weil er heute ein Institut leitet, an dem ich auch vor mehr als 30 Jahren tätig war, sondern weil er genau wie ich ein Realist ist. Er gehörte übrigens 2003 zu den Entdeckern des Coronavirus, das damals SARS verursacht hat (SARS-CoV). Es gibt kaum Wissenschaftler in der Welt, die Coronaviren besser kennen als er. An SARS erkrankten damals zum Glück „nur“ 8096 Personen weltweit wobei 774 Menschen (fast jeder zehnte!) starben und viele Genesene bleibende Lungenschäden davontrugen. Die Berechnungen der Epidemiologen haben Drosten zu der Mitteilung bewogen, dass die Epidemie in Deutschland erst vorbei sein wird, wenn 70% der Bevölkerung erkrankt sind bzw. waren. Das gilt natürlich nur, solange noch kein wirksamer Impfstoff oder antiviral wirksame Arzneimittel zur Verfügung stehen. Aber damit rechne ich in diesem Jahr noch nicht.
Wenn man als denkender Mensch nun versucht ohne Medikamente oder Impfungen in den Verlauf einer Pandemie einzugreifen, so funktioniert das nur, wenn es gelingt, die initiale Infektionskette zu unterbinden. Das heißt, man muss bei jedem Patienten alle Kontakte ermitteln und sie entsprechend isolieren (Quarantäne). Wenn Du in einem Land mehr als ca. 200 Infizierte hast, ist das nicht mehr realisierbar. Dann wird eine Epidemie zum Selbstläufer, die erst dann zu Ende ist, wenn fast alle Menschen tot sind (bei einem unendlich ekelhaften Virus, Eigenschaften siehe oben) wie zum Beispiel Ebola oder die Spanische Grippe 1918. Wenn COVID-19 so aggressiv wäre, würden wir nicht mehr über Fußballspiele oder die Börse diskutieren, sondern um unser aller Überleben bangen.
Zum  Glück ist SARS-CoV-2 nicht so schrecklich. Nach der aktuellen Statistik der WHO sind bis heute (12.03.2020) 124.518 Personen erkrankt und 4.607 Personen verstorben. Das entspricht einer Sterberate von 3,69% weltweit, soll heißen von 100 Erkrankten sterben statistisch etwas mehr als 3 Personen. Gleichzeitig überleben 96 Menschen und sind (hoffentlich lange) immun. Wenn die Epidemie ungebremst bleibt (keine Einschränkungen im öffentlichen Leben), sind die 70% schnell erreicht und die Krankenhäuser kollabieren, weil sie kapazitätsbedingt die wirklich schwer Erkrankten nicht mehr behandeln können. Wenn man gegensteuert, kann man ohne Impfstoffe vermutlich die 70% am Ende auch nicht vermeiden, aber je später das erreicht wird, desto besser kann das (Gesundheits)-System ohne Kollaps damit umgehen. In jedem Fall scheint es angezeigt zu sein, wenn sich Personen über 60 Jahre prophylaktisch gegen Pneumokokken immunisieren lassen. Das verhindert theoretisch, dass ein an COVID-19 erkrankter Patient sich zusätzlich mit Pneumokokken infiziert. Ob es statistisch die Sterblichkeit senkt, ist nicht erwiesen. Das größte Problem sehe ich momentan darin, das richtige Augenmaß zu wahren bei der Balance zwischen Isolationsmaßnahmen und Aufrechterhaltung des öffentlichen Lebens. Wenn ich ein Krankenhaus wegen COVID-19 schließen lasse, muss ich damit rechnen, dass die Leute dort an anderen Erkrankungen sterben. Professor Drosten sagte dieser Tage: „Holt die Enkelkinder ab von den Großeltern und versorgt eure Eltern lieber mit Lebensmitteln, so dass sie zu Hause bleiben können, sonst werden 15 – 20% die Pandemie nicht überleben!Drosten sagt das, weil die Sterberate bei älteren Menschen ungleich höher ist.
Denkt darüber nach und handelt überlegt und ohne Panik.“
……
(Verfasser Dr. Ralf-Torsten Pohl, Facharzt für Biochemie)
Beitrag nur in dt. Sprache

 

 

Petra
Autor

Write A Comment