Eier sind auf dem Frühstückstisch, im Kuchen-, Nudel- und im Plätzchenteig. Und aktuell trägt das Osterei leider das Corona-Muster.  Der Osterhase läßt sich trotzdem nicht unterkriegen und versteckt sicher wieder viele bunte Eier. Dabei gleicht kein Ei dem anderen. Kein Wunder, daß die Vogeleierkunde ein eigener Fachbereich der Ornithologie ist und Oologie heißt. Sie beschäftigt sich mit Form, Größe und Farbe von Vogeleiern. Eier leisten aber auch einen wertvollen Beitrag bei der Impfstoffproduktion – dazu später mehr.

Aber was steckt hinter ihrer harten Schale? Grundsätzlich bestehet ein Ei aus kohlesaurem Kalk, ist mehrschichtig und porös mit einer Vielzahl an Poren, damit das Ei atmen kann. Ein Hühnerei beispielsweise besitzt etwa 7000 Poren. Wer jetzt zu Ostern einmal Wanderfalkeneier und Küken sehen möchte, kann das noch bis etwa Ende April live über die LBV-Wanderfalkenwebcam tun. Besonders eindrucksvoll ist für mich die Eiablage der Schildkröten. 

Das größte Ei legt zwar der Strauß, aber im Vergleich zur Körpergröße ist das Ei des Zaunkönigs um ein vielfaches größer. So beträgt das Eigewicht des Zaunkönigs 14 Prozent des Körpergewichts des kleinen Vogels, während ein Straußenei auf nicht einmal zwei Prozent kommt.

Die meisten Eier legen Hühnervögel, wie zum Beispiel das Rebhuhn mit bis zu 20 Eiern pro Gelege. Die Hühner gehören außerdem zu den Vogelarten, die bei Verlust des Geleges mehrmals nachlegen können. Bei den Singvögeln nimmt die Blaumeise den Spitzenplatz ein mit ihren acht bis zwölf Eiern pro Gelege.

Vogeleier erhalten ihre Farbe vor allem durch zwei Pigmente. Das Eine ist blau oder grünlichblau und färbt, wenn es vorhanden ist, das ganze Ei gleichmäßig ein (z.B. die Eier der Singdrossel oder des Emu). Das andere ist rot-braun bis schwarz und überzieht das Ei normalerweise nur mit einer dünnen Schicht auf der Oberfläche (z.B. das rötliche Ei des Wanderfalken). Außerdem ist das Pigment für die Schalenzeichnung verantwortlich, sozusagen die Verzierung des Eis.

Bei vielen Vogelarten dient die Eierfärbung der Tarnung zum Schutz vor möglichen Feinden. Besonders eindrucksvoll sind die Eier des Flußregenpfeifers, die wie Kieselsteine aussehen.

Das Ei hat inzwischen übrigens seinen eigenen Ehrentag: Der Welt-Ei-Tag/ World Egg Day findet jedes Jahr (auf Initiative der Eierproduzenten seit 1996) am zweiten Freitag im Oktober statt.

Eier sind nicht rund, sondern oval, weil sie dann zum Beispiel nicht von Felsen rollen, wenn Vögel wie die Trottellumme sie legen. Durch die Spitze rollen Eier zudem im Kreis und bleiben später einfach am Ablageort liegen. Weitere Vorteile der ovalen Form von Eiern: Sie sind schmaler als Kugeln und so besser zu legen und können im Nest platzsparender aufgereiht werden. Allerdings sind Eier nicht immer gleich geformt: Es gibt einen Zusammenhang zwischen der Flügelgestalt  und der Form der Schale. So haben Vögel, die gut fliegen können, meist spitzere Eier.

Die Farbe des Gefieders hat auf die des Eis keinen Einfluss (Flamingoeier sind also nicht rosa-pink). Ob eine Henne braune oder weiße Eier legt, ist genetisch bedingt und damit von der jeweiligen Rasse abhängig. Die Eierschale besteht zu 90 Prozent aus Kalk – der ist weiß.
Bei Hühnern, die weiße Eier legen, werden keine zusätzlichen Farbpigmente produziert und in der Schale eingelagert. Bei Hühnern, die braune Eier legen, schon: In der Schalendrüse im Legedarm des Huhns werden aus dem Blut rote Pigmente, aus der Galle gelbe Pigmente gebildet. Wenn sie sich vermischen, entsteht ein Braunton.

Wozu dient die Trennung von Eiweiß und Eidotter? Der Eidotter ist die Nahrung für die noch nicht geschlüpften Küken und wird durch eine antibakterielle Schicht, das Eiweiß, geschützt. Die kleine Luftkammer im Ei, die beim Kochen platzt, versorgt den Hühner-Nachwuchs mit Sauerstoff. Die Eierschale aus Kalk entsteht erst kurz bevor die Eier gelegt werden.

Und bitte keinen Silberlöffel verwenden, denn der Schwefelwasserstoff aus dem Eiweiß reagiert mit Silber zu Silbersulfid. Das färbt den Löffel schwarz. Das Ei kann mit einem Silberlöffel auch ganz anders schmecken: eher stumpf und metallisch. Ein ganz normaler Löffel aus Edelstahl tut’s auch. Ich verwende gerne kleine Perlmuttlöffelchen.

In mehreren deutschen Museen gibt es Ei-Sammlungen mit vielen Tausenden von Eiern. Im Museum für Naturkunde in Berlin umfasst sie an die 40.000 Stück. Die größte Eier-Kollektion in Deutschland besitzt das Zoologische Forschungsmuseum Alexander Koenig in Bonn. Dort werden rund 60.000 Exemplare aufbewahrt. Mehr als 1.000 kunstvoll verzierte Ostereier kann man in Sonnenbühl bei Reutlingen in Baden-Württemberg bestaunen. Dort gibt es seit 1993 das erste deutsche Osterei-Museum.

Zur Verzierung – insbesondere wenn’s schnell gehen muß – mein Tipp egal ob Echt- oder Kunstei: sehr elegant sehen sie als Deko aus, wenn man sie mit Glanzlack (ganz- oder teilweise) in gold, silber, rose oder kupfer besprüht.

Bis zu 500 Millionen Eier werden weltweit im Jahr für die Impfstoff-Produktion benötigt, beispielsweise für die Gelbfieber- oder Grippe-Impfung: „Mehr als 90 Prozent des Grippe-Impfstoffs weltweit werden mithilfe von Eiern produziert. Aus einem Ei lässt sich meist eine Impfdosis, manchmal etwas mehr, herstellen“, so der Abteilungsleiter für Impfforschung bei der Weltgesundheitsorganisation WHO.

Das geht so: Zweimal im Jahr empfehlen Experten der WHO, welche Grippeviren für die kommende Saison gezüchtet werden sollen. Diese werden dann in ausgewählten Labors hergestellt und an Impfstofffabriken geschickt. In den Fabriken werden Virenpartikel in das Eiweiß von Eiern gespritzt (keine handelsüblichen Eier, sondern welche, die in speziellen Farmen unter kontrollierten Bedingungen erzeugt wurden). In den Impfstofffabriken entstehen in bis zu elf Tagen Milliarden Kopien des Virus. Danach wird das Eiweiß abgesaugt und die Viruspartikel durch Hitze und Chemikalien entschärft. Es entsteht ein harmloser, aber effektiver Impfstoff.

Wie auch immer, das Ei ist in den meisten Kulturen ein Symbol für Fruchtbarkeit und neues Leben. Im Christentum symbolisiert das Ei zudem die Auferstehung Jesu am Ostersonntag. Zudem sammelten sich früher während der Fastenzeit viele Eier an. Sie durften, weil sie als Fleischspeise galten, erst  wieder an Ostern gegessen werden. Bis dahin wurden sie durch Kochen haltbar gemacht. Im Mittelalter waren Eier auch Zahlungsmittel. Die Bauern brachten ihren Lehensherren die sogenannten „Zinseier“ kurz vor Ostern. Eier, die der Familie übrig blieben, wurden feierlich zum Osterfest vertilgt oder verschenkt.

Besonders lecker sind – abgesehen von Straußeneiern – m.E. die kleinen Wachteleier; daher freue ich mich schon auf meine maritime Karfreitag-Leibspeise: Labskaus mit Wachteleiern und Apfelbratkartoffeln mit etwas rote Beete … hmm.

Wir wünschen – TROTZ ALLER CORONA-Einschränkungen – FROHE OSTERN & bleiben Sie gesund! … ich habe mich dieses Jahr übrigens für einen Osterbrunnen als Home-Deko  entschieden. Mehr Information über Tradition und Brauchtum gibt es z.B. unter  https://de.wikipedia.org/wiki/Osterbrunnen

In der Schweiz habe ich mal an einem Ostermosaik für’s Guinessbuch der Rekorde mitgearbeitet … Eier sind einfach Allroundgenies und omni-präsent.

 

Petra
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