Was haben mein Erdgeschoß, mein Dachterrassenumlauf und die Tiefgarage gemeinsam? Man kann dort herrlich sein Schießtraining absolvieren. D.h. man kann je nach Wetterlage, Distanz und Pulsbelastung variieren.

Klack, klack macht es übrigens beim Spannvorgang und Peng bei der Schußabgabe. Dabei geht das ganze fast geräuschlos und ohne jeglichen Rückstoß vonstatten, denn ich teste rein privat gerade ein Biathlon-Laser-Gewehr der Firma ANSCHÜTZ (bisher habe ich meist mit Kleinkaliber-/ Luftgewehren der Marke STEYR geschossen). Diese sind mit 1,8 bis 2 Kilogramm nur halb so schwer wie die original Wettkampfgewehre. Dies wiederum hat Vor- und Nachteile. In der Liegendposition mag das (zumindest für mich) noch egal sein, stehend aber ist es auf die Dauer recht anstrengend ein 3,6 bis 3,8 Kilogramm schweres Gewehr über eine Stunde in der korrekten Position absolut ruhig zu halten.  Ein Nachteil mag es sein, daß ein recht leichter Lauf nicht ein Hauch von Bewegung verzeiht – vorbei! Einen gewissen Ausgleich kann man ggf. mit beschwerenden Gewichten von 100 bis 200 Gramm an den entsprechenden Stellen schaffen, aber darauf habe ich verzichtet.

Da aufgrund der Corona-Lage Sportstätten ganz geschlossen oder nur für Berufssportler geöffnet sind, kam mir der Test zu Übungszwecken und zum Zeitvertreib über Ostern gerade recht. Ich kann nur sagen: eine Superentscheidung, denn es war über fünf Tage Spaß und Herausforderung pur.

Das Schießen auf meinem  Terrassenumlauf (11 Meter lang) blieb von den Nachbarn natürlich nicht unbemerkt und wurde mit freundlichen Worten wie: „trainieren Sie für das Osterschießen“ oder “ wollen Sie das Corona-Virus erschießen?“ quittiert.

Der Grad der Treffsicherheit hängt natürlich von der Relation zwischen Entfernung und Größe der Trefferfläche ab. Wie bei den original Biathlon-Zielscheiben auch, kann man diese hier mit einem Vorsatz per Klettaufsatz auf der elektronischen Zielbox verändern, d.h. die Ringgröße für das Liegendschießen auf 1,5 Zentimeter verkleinern, für das Stehendschießen und für Anfänger auf drei Zentimeter vergrößern.

Der klassische Schütze oder Jäger mag sich über ein Lasergewehr mokieren, es hat jedoch zwei unbestrittene Vorteile: Erstens ist der hier verwendete Laserstrahl für Mensch und Tier vollkommen ungefährlich und zweitens kann man sich beim Schießen durch den roten Laserpunkt bestens selbst kontrollieren. Man sieht nämlich in jedem Fall genau, wo der Schuß auftrifft.  Ein Trefferpunkt  auf der Zielbox leuchtet nämlich nicht nur „weiß“ wie eine Schießstandklappe auf, sondern zeigt auch gleichzeitig den Laserstrahl an. Fällt die Klappe nicht bzw. leuchtet der Zielpunkt nicht auf, kann man sehen, ob er zu hoch, zu tief, zu weit links oder rechts hinging bzw. ob es eine Richtungstendenz im Trefferbild gibt . Handelt es sich dabei um einen Schießfehler,  weil man zu viel gewackelt oder verkantet hat, heißt es weiter üben. Ansonsten kann man durch entsprechendes Drehen am Diopter-Schräubchen an der Zielvorrichtung ungewollten „Tendenzen“  etwas entgegensteuern. Genauso machen es die Biathlon-Profis beim Einschießen und/ oder im Falle von Seitenwind.

Ach ja,  klingt einfach … ist es eigentlich auch, aber manchmal will es einfach nicht klappen. Abgesehen davon, daß man sich natürlich erst einmal an die Schußeigenschaften seines Gewehres gewöhnen muß, läuft es bei mir anfangs meist gut. Dann wird die Zielsicherheit unter einem gewissen „Erwartungsdruck “ meist wieder schwächer bevor sie im weiteren Verlauf  durch die gewonnene Routine wieder zunimmt. Um seine Leistung dauerhaft zu steigern, bedarf es täglichen Trainings und vieler tausend Schüsse. Immer wenn ich denke, daß sich nun eine höhere Trefferquote stabilisiert, kommt wieder ein Rückschlag mit unerwarteten Fehlschüssen. Sicher manchmal ist es auch Glück oder Pech; dann ist bei den Profis oft von „Randtreffern“ die Rede.  Manchmal ist auch der Auftreffwinkel des Schusses oder des Strahls von Bedeutung.

Wie auch immer, ist das Gewehr gut abgestimmt und eingeschossen, heißt es in der Regel einfach sauber arbeiten, also den Ringkreis über Kimme und Korn exakt mittig anvisieren. Und vor allem  – insbesondere beim letzten Schuß – konsequent  „nachhalten“. Man sieht es immer wieder, daß die Athleten im Wettkampf den fünften/ letzten Schuß zu schnell hochziehen und schon auf dem Sprung zum Aufstehen sind. Mir als Amateur geht es trotz dem Wissen darum oft ebenso. Außerdem gilt es stets einen ausgewogenen Atemrhythmus bzw.  Atemstopp (während des Schusses unerläßlich) zu erreichen.  Irgendwann geht einem sonst unweigerlich die Luft aus – insbesondere unter Laufbelastung; sei es im Schnee mit Ski oder im Sommer mit Rollski/ Skykes.

Apropos: die vielbesagte „Nähmaschine“ ist keine Einbildung oder Ausrede; sie gibt es wirklich. Gemeint ist damit ein „mittlerer Pulsschlag“, der beim Ruhighalten des Gewehres durch Muskelzucken/ Herzpochen schwieriger auszutarieren ist, als ein niedriger oder ganz hoher Puls.

Die Reichweite der meisten Lasergewehre ist auf ca. 12-15 Meter begrenzt. Im Test konnte ich aber bis auf ca. 25 Meter Entfernung noch treffen bzw. einen Treffer auslösen. Wenn gleich dann auch das Ringkorn der Zielvorrichtung angepaßt werden sollte. Per Fernbedienung kann man die getroffenen Scheiben auf der Zielbox aus der Distanz wieder bequem löschen und von vorne beginnen. Wie das alles funktioniert und wie man die elektronische Zielbox in Gang setzt, kann man der mitgeschickten Funktions-CD leicht entnehmen.

Im Wettkampf liegt die Entfernung zum Ziel bei 50 Metern. Der  Scheibendurchmesser der fünf Klappen beträgt beim Liegendschießen 4,5 Zentimeter, im Stehen 11,5 Zentimeter. Klingt groß?, …. dann  schauen Sie mal vor Ort durch das Zielrohr. Jugendliche schießen auf verkürzten Bahnen von 7 bis 12 Metern; dementsprechend kleiner sind allerdings auch die Zielscheiben, nämlich: 1,5 bzw. 3,0 Zentimeter wie im Falle meines Anschütz-Laser(präzisions-)gewehrs.

Weitere Grundregeln des Biathlon kann man an verschiedenen Stellen nachlesen und z.B. hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Biathlon

Die Leihgebühr einer solchen Laseranlage ist mit EURO 170.- übers Wochenende übrigens erschwinglich. Der Kaufpreis für ein Gewehr liegt ungefähr bei EURO 1.200.- bis 1.500.-

Und ist die Corona-Krise erst einmal überstanden, kann man schließlich wieder überall schießen und Spaß an jedem Treffer haben. Dann ist auch der Ganzjahres-Skitunnel in Oberhof wieder für die Öffentlichkeit geöffnet. Rund um das Jahr stehen in besagtem Tunnelkomplex zwei Kilometer Loipen zum Langlauftraining zur Verfügung.  Hier herrschen stets um die -3 Grad, auch wenn draußen die Sonne brennt. Nähere Infos unter: https://www.oberhof.de/Media/Attraktionen/LOTTO-Thueringen-Skisport-HALLE-Oberhof

Nun will ich noch eine weitere Trainingsrunde schießen, denn selbst mit einer Trefferquote von durchschnittlich 75% im Liegen und 55% im Stehen (bei Belastung), ist mein Level noch ausbaubar. Also  Konzentration und  4 x  5  klack, klack … peng! … und Vertrauen in die eigene Leistung schaffen.

 

Petra
Autor

Write A Comment