Wenn schon Krimi, dann gerne anglophile Serien – wie „Inspector Barnaby“ oder „Miss Fisher’s mysteröse  Todesfälle“ – wegen ihrer vielseitigen Drehbücher und guten Kameraeinstellungen.

Besonders aber liebe ich die Erzählart und Verfilmungen von  Agatha Christie. Deren alt-bewährte Qualität hat schon so manchen TV-Abend gerettet, wenn sich ansonsten mal wieder eine Talk-/ Quiz-Show an die andere reihte,  infantile Sciencefiction-Wiederholungen liefen oder – noch schlimmer – diverse Möchtegern-/ selbstverliebte Promis  mit hausgemachten Corona-Stories zu sehen waren. Sätze wie „ … ich habe das Kochen für mich entdeckt“ oder „ich lerne jetzt täglich von meinen Kindern …“, lassen mich „aus dem Hemd springen“. Was für eine berichtenswerte Leistung (?), da es  letztlich ja nichts weiter heißt, als das besagte Leute bisher kaum ein Spiegelei braten konnten und die „Lieben Kleinen“ ansonsten meist bei der Nanny weilten.

Wie erfrischend ist da eine „Miss Marple-Verfilmung (am liebsten mit der rustikalen Hobby-Detektivin Margret Rutherford und ihrem etwas zögerlichen Partner Mr. Stringer) samt der beliebten Titelmelodie von Ron Goodwin.  https://www.youtube.com/watch?v=HM0acXZHAEU

Weitere Infos zur Romanfigur der Miss Marple findet man hier: https://de.wikipedia.org/wiki/Miss_Marple

Ebenso bereichernd ist jederzeit ein „Hercule Poirot“, egal ob mit Peter Ustinov oder David Suchet in der Hauptrolle.  Agatha Christie schafft es einfach immer wieder Mord und Totschlag in einen interessanten Kontext zu stellen und dessen Lösung nicht von vornherein ersichtlich werden zu lassen.

In England gibt es seit Jahrzehnten einen regelrechten Filmtourismus an die Drehorte ihrer Krimis, die fast ausschließlich in Südengland, also Devon oder Cornwall spielen. Ausgangspunkt ist dabei  in der Regel  ihre Geburtsstadt Torbay/ Torquay, die ihr an der Palmen-Promenade ein Denkmal gesetzt hat. Eine ganze „Christie-Meile“ zieht sich durch die Stadt und alljährlich im September findet ein Agatha-Christie-Festival statt. Dann gibt es viele stilechte Veranstaltungen, Theateraufführungen, Bus- und Bahnrundfahrten zum Thema (für 2020 Corona-bedingt leider abgesagt). Ein Pilgerort für Christie-Fans ist ganzjährig natürlich ihr Sommerhaus „Greenway“ oberhalb des Flusses Dart. Das Anwesen wird heute vom „National Trust“ verwaltet und es ist ein bezaubernder Ort. Einige Besucher kleiden sich schon mal im Stil der 30/50-iger Jahre. Wie ich finde eine schöne Idee, die ich gut „behütet“ gerne aufgegriffen habe.

Im Laufe einer Führung erfährt man, dass die Schriftstellerin z.B. nie eine öffentliche Schule besuchte, stattdessen immer Privatunterricht hatte. Sie aus erster Ehe mit Archie Christie eine Tochter namens Rosalind hat. Und sie Journalisten angeblich nicht mochte, weshalb diese „Gattung“ in den Erzählungen meist schlecht wegkommt.  https://de.wikipedia.org/wiki/Agatha_Christie

Aber auch Agatha Christie (geb. 1890) hatte es anfangs nicht leicht, sich in der Literatur einen Namen zu machen. Zudem war sie bei ihrem Debutwerk erst Ende 20 und stand unter dem Einfluß des Ersten Weltkrieges.  Ihren Mann, einen britischen Jagdflieger, sah sie selten und letztlich verdankt sie es nur einer Wette mit ihrer Schwester, daß sie überhaupt mit ihren ersten Detektivroman beginnt.

Der finanzielle Ertrag des ersten Buches (deutscher Titel: Das fehlende Glied in der Kette) das 1920, also genau vor 100 Jahren erschien, war minimal. Laut der Agatha-Christie-Website ist von nur 25 Pfund die Rede. Erst nach der Veröffentlichung wurde der Autorin klar, dass ihr Verleger sie zu miserablen Konditionen für insgesamt fünf Bücher an sich gebunden hatte. Bei der nächstbesten Gelegenheit wechselte sie zu Harper Collins und blieb diesem Verlag ein Leben lang treu.

1930 hatte sie schließlich ihren zweiten Ehemann, Max Mallowan, geheiratet und es folgte eine Krimi-Flut der Superlative: „Mord im Orientexpress“ (1934), „Tod auf dem Nil“ (1936), „Das Böse unter der Sonne“ (1941), „Blausäure“ (1944), „Mord im Pfarrhaus (1950), „Mord im Spiel (1952), „Eine karibische Affaire (1962), … um nur einige zu nennen. Woher diese Krimi-Lust rührt, ist nicht genau bekannt. Im Ersten Weltkrieg sei sie als Krankenschwester tätig gewesen und habe dabei das Mischen von Substanzen erlernt, vielleicht liegt hierin der Schlüssel für ihre Vorliebe für die ausgetüftelte Planung von Giftmorden.

Mit Hercule Poirot präsentiert sie außerdem die wohl populärste Ermittlerfigur nach Sherlock Holmes. Er ist ein elegant gekleideter Belgier im Ruhestand, der sich allein auf seine „kleinen grauen Zellen“ verlässt und die logische Rekonstruktion des Tathergangs zu seinem Triumpf macht – ähnlich einem Privatdetektiv. „Ein Staubfädchen auf der Jacke würde ihm größeren Schmerz bereiten als eine Schusswunde“, wird über Poirot im allerersten Roman gesagt. https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_der_Werke_von_Agatha_Christie

Im Laufe der Jahre folgten 66 Romane, Dutzende Storys und mit „Die Mausefalle“ die langlebigste Bühneninszenierung aller Zeiten. Mehr als eine Milliarde Christie-Bücher sollen im englischen Original verkauft worden sein, eine weitere Milliarde in hundert weiteren  Sprachen. Ja man sagt sogar, daß Agatha Christie nach der Bibel und Shakespeare die meistverkaufte Autorin der Literaturgeschichte sei.

1956 wurde sie dafür mit dem „Orden of the British Empire“ bedacht und 1971 schließlich von der Queen geadelt. Sie stirbt 1976 als „Dame Mallowan“ in Oxfordshire, als reiselustige Agatha Christie wurde sie jedoch unsterblich.

Eine ihrer literarischen Vorgängerinnen von der britischen Insel – aber ganz anderer Natur – war Jane Austen (gest. 1817), über deren Leben sowie den Gepflogenheiten des Biedermeiers ich bereits berichtet habe. Wer noch einmal reinschauen möchte, hier der Link:  https://www.topagemodel.de/2019/07/20/mode-und-etikette-im-biedermeier/

„Freunde historischer Zeiten“ finden im Netz unter dem Stichwort „Jane Austen Dances“ oder „Der historische Tanzbote“ stets aktuelle Veranstaltungs-Links zum Thema „Jane Austen“, Biedermeier-Mode und Tänze:  http://barocktanz.com/

Petra
Autor

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