…. einen idyllischen Urlaub im hohen Norden. Wie es dort aussieht? Stellen Sie sich einfach eine Mischung aus Hiddensee, Sylt und der Isle of Wright vor; nur eben alles auf wenigen Quadratkilometern.

Man folgt der A 1 via Hamburg in Richtung Lübeck und wechselt dann auf die A 226 oder in der Nähe von Bad Schwartau bzw. Travemünde auf die B 75. Nach wenigen Kilometern erreicht man nach der Durchfahrt von Karlshof und Israelsdorf am Ufer der Trave eine andere Welt: das Fischerdörfchen GOTHMUND.  https://de.wikipedia.org/wiki/Gothmund

Das Fischerdorf Gothmund wurde erstmals 1502 in einem Protokoll der Lübecker Ratsversammlungerwähnt und diente den Lübecker Stadtfischern als Zwischenstation, um die lange Rückreise von den Fischereigebieten der Lübecker Bucht zu den Häfen in Lübeck abzukürzen. Im Laufe der Zeit wurden nach ein paar Fischerkaten u.a. 18 feste mit Reet gedeckte Häuser  errichtet. Diese Reetdächer prägen noch heute maßgeblich das Erscheinungsbild des Bilderbuchdorfes. Die meisten davon stehen inzwischen unter Denkmalschutz. Stellenweise mutet das gesamte Ensemble wie eine Künstlerkolonie an.

Aber auch diese friedliche, heile Welt bekommt manchmal Risse: Obwohl gut 10 Kilometer von der Ostsee entfernt gelegen, drückte ein Sturmhochwasser im November 1872 das Wasser so tief in die Trave hinein, daß große Teile des kleinen verstecktliegenden Dorfes geflutet wurden. Ein weiteres Unglück überraschte die Fischersiedlung Gothmund im Jahre 1893, als bei einem Großbrand einige Häuser  zerstört wurden. Der geschlossene Gesamtcharakter des Fischerdorfs blieb jedoch glücklicherweise erhalten. Zwar ist die Fischerklause mit Biergarten und Blick auf die Trave seit 2006 geschlossen und es gibt keinen zentralen Dorfplatz, dennoch ist ein Spaziergang entlang des schmalen autofreien Fußweges (Fischerweg) jede Minute wert. Einfach sehen, entdecken und genießen und auch mit einigen der 80 Einwohner in’s Gespräch kommen. Man ist schon ein wenig stolz darauf nun Weltkulturerbestatus zu haben; zumal es dadurch wohl auch Zuschüsse zur Bauerhaltung gibt. So eine Reetdacheindeckung hält zwar 30-40 Jahre, kostet aber auch ca. EURO 120.- pro Quadratmeter. Das klingt wenig, aber in der Summe kommen da schnell EURO 15.000.-  bis 20.000.- zuammen.

Die besondere topografische Lage zwischen (Schilff)-Lagune und Steilufer bedingt ein eigenwilliges Siedlungsbild. Zwischen dem kleinen Fischereihafen und den Häusern befinden sich Gartenflächen mit Geräteschuppen und Bootsanlegern. Diese Flächen werden auch heute noch von ansässigen Fischereibetrieben genutzt. Im Hafen von Gothmund sind somit einige aktive Fischerboote zu entdecken, welche regelmäßig zum Fischfang in die Ostsee auslaufen. Beobachten kann man die Ostsee-Fischerei bspw. am nahen Brodtener Steilufer, das einen weiten Panoramablick über die Lübecker Bucht bietet.

Westlich des Fischerdorfs Gothmund beginnt das anderthalb Quadratkilometer große Naturschutzgebiet Schnellbruch. Auf engem Raum liegen Fluss, Lagunen, Süßwasserteiche, Bäche, Wassergräben, temporär überschwemmte Wiesenflächen, Waldtümpel und große Schilfflächen beieinander. In diesem Feuchtlebensraum und Vogelparadies wurden bereits über 200 verschiedene Vogelarten gezählt.

Von hier aus ist es nur ein Katzensprung zum schönen Timmendorfer Strand, d.h. einem erfrischenden Bad in der Ostsee. Benötigt man keinen Sonnenschirm oder Strandkorb ist man am sog. „Freistrand“ unweit des kleinen Yachthafens richtig. Entlang der Dünenpromenade bzw. Strandallee findet man hier noch kleine maritime Cafes und historische Bäderarchitektur; ja sogar eine Seebrücke mit japanischem Teehaus. Anderswo an der deutschen Ostsee ist der Strand teils mit Hochhäusern und Touristen-Funparks zugebaut.

Ein bißchen VIP geht hier auch. Unmittelbar neben mir saß in einer einfachen Beachbar z.B. Ex-HSV Präsident Jürgen Hunke. Dieser wohnt nicht nur in einem japanisch anmutenden Anwesen; ihm sind auch der Zen-Garten und besagtes Seebrücken-Teehaus zu verdanken.

Und sollte das Wetter nach dem Besuch von Gothmund mal zu wünschen übrig lassen, dann bummeln Sie doch einfach durch die Altstadt von Lübeck – einem wahren Juwel aus der Hansezeit.

Ein Blick schöner als der andere oder frei nach Goethe: „Möcht‘ ich zum Augenblicke sagen; verweile doch du bist so schön“ …. ich bin dann mal weg …

 

Petra
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