Im Sept 2019 wurde der agile Südtiroler, begnadete Bergsteiger und Betreiber von sechs Mountain-Museen Reinhold Andreas MESSNER  75 Jahr alt. Leider konnte ich im Juni 2020 – nicht wie vor 3 Jahren – zum Yak-Auftrieb nach Südtirol reisen.  http://www.messner-mountain-museum.it/  Laut der aktuellen Website haben die Messner-Museen aber wieder geöffnet und es finden auch die beliebten open-air Kamingespräche mit ihm ab August/ September wieder statt.

Hier der LINK zu MEINEM ARTIKEL: https://www.topagemodel.de/2018/04/22/zu-gast-bei-extrembergsteiger-reinhold-messner/

Stattdessen fand ich im Internet ein aktuelleres Interview mit ihm.  Wie lebt er inzwischen und was treibt den Macher, Buchautoren, Expeditionsleiter und Bezwinger aller 14 Achttausender in diesem Alter noch um, wie hält er sich fit?

 „Niemand weiß, wer ich wirklich bin“ …. so Messner im Interview mit dem „Bergsteiger“.  Nein, gemütlich lebe er bei Leibe nicht; er lebe immer im Hier und Jetzt. Ob er neue Pläne hat, will er nicht so recht sagen. Er möchte keine Ankündigungen machen, deutet aber eine neue Idee an.

Die Leitung der Museen habe er bereits an seine Tochter Magdalena abgegeben. Und mit meinem Sohn Simon mache er momentan diverse Filme zum Thema „Berg“. Der Film sei für ihn die komplexeste Form des Erzählens. Ein Dreiteiler über die alpine Geschichte sei gerade abgeschlossen und demnächst in seinen Museen zu sehen. Sohn Simon sei mit Begeisterung dabei und könne das sehr gut. z.B. der 2019 erschienene Dokumentarfilm „Die große Zinne“ – 150 Jahre Erstbesteigung.

Ohne Geld könne man weder den Everest besteigen, noch andere Projekte umsetzen. Allein zur Vorbereitung eines Filmes brauche man mindestens 2-3 Jahre Anlauf. Ohne Rück- und Vorschau gehe so etwas freilich nicht und nicht immer sei einem das Umfeld dabei wohl gesonnen.

Schloß Juval gehöre zwar ihm, das »Haus« in Sigmundskron jedoch nicht, d.h. es gehört dem  Land und mit seinem Verbleib über 30 Jahre hinaus seien Auflagen und kreative Projekte verbunden. Mitstreiter zu suchen und die finanziellen Mittel aufzutreiben sei kräftezehrend und zeitraubend und letztlich auch immer ein Wagnis. Ähnlich seiner Mont-Everest-Besteigung 1978 ohne Sauerstoffflaschen – was kaum einer für möglich gehalte hatte..

Bergsteigen ist für den Alpinisten übrigens nicht Pech oder Glücksache. Für ihn gehört zum Überleben vielmehr eine Kombination aus Instinkt, Planung und Angst. Zumindest aus wirtschaftlicher Sicht sei das Museumsprojekt für ihn als vorsichtigen Mensch  beängstigend gewesen und der ein oder andere hätte ihn gerne Scheitern sehen. Voranschreitendes Alter hin oder her, so lange er noch Energien habe, lasse er sich nicht bremsen. Und nicht ganz ohne Stolz fügt er hinzu, daß seine Museum ganz ohne Subventionen auskommen.

Daß es ihn kaum mehr juckt, was andere Menschen über ihn sagen, zeugt m.E. von Souveränität, Unabhängigkeit und Angekommensein. Kommentare im Netz oder Leserbriefe über ihn verfolge er schon lange nicht mehr- egal zu welchem Thema. Er habe ein Handy zum Telefonieren, zu sonst nichts. Ein selbst bestimmtes Leben ist ihm heilig.  BRAVO !

… wenn’s um »höhere« Interessen gehe, sei es auch mit der Kameradschaft im Bergsteigen oft nicht weit her. Im traditionellen Bergsteigen stecke so ziemlich alles, was die menschliche Natur zu sagen hat. Am Berg könne man ungefiltert erkennen, was den Menschen ausmacht. Ein Alpinist lebe in einer eher archaischen Welt. Sobald aber ein Satellit von oben helfen kann, ist man nicht mehr in der Wildnis. Die Wildnis aber ist – für ihn – die Voraussetzung, dass Ängste, Zweifel und Selbstzweifel aufbrechen. Dabei will Messner nicht sagen, daß in seiner Zeit alles besser war, es war einfach anderes. Ja, auch er brauchte bei seinen Besteigungen Unterstützung und Logistik im Hintergrund, nämlich 10 Träger. Heute sind es hunderte und überdies stehen im Everest Basecamp inzwischen vier Helikopter bereit. Diese „All-Inclusive-Entwicklung“ dürfte aber kaum umkehrbar sein.

Ein Dreiviertel Jahrhundert alt zu werden, war für Messner kein Grund für eine spezielle Feier mit Freunden. Das mache er nur alle 10 Jahre. Ansonsten wolle er lieber daran denken, was noch für die Zukunft zu entscheiden sei oder eben nicht. Sein Nachlaß sei geregelt.  Jetzt mit Mitte Siebzig also doch noch einmal was Neues? Viele mögen ihn als Getriebenen sehen, ich kann ihn gut verstehen. Am Abend vor dem Fernseher sitzen und auf die Rente warten, ist auch nicht meine Welt !!  Ich teile viele seiner Ansichten – und bin gespannt auf sein nächstes Projekt.

Ach ja, da wäre nach dem Scheitern seiner zweiten Ehe mit der Textil-Designerin Sabine Stehle wohl auch noch eine neue Liebe. Die neue Lebensgefährtin Diane Schumacher ist erheblich jünger und soll – wie kann es anders sein  – eine gute Bergsteigerin sein und viele seiner Leidenschaften teilen. Corona-bedingt saßen beide eine Zeit in München fest, wo Messner im Glockenbachviertel seit Jahrzehnten eine Wohnung hat. Vielleicht war der temporäre Ortswechsel aber auch eine kleine Flucht vor dem Rummel um seine Person und die neuen Lebensumstände – irgendwie alles menschlich ….

Petra
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