In diesem außergewöhnlichen Corona-Sommer galt es sich stets neu zu erfinden. Freunde zu treffen, ohne sich zu umarmen, Individual-Sport in freier Natur zu treiben ohne sich zu nahe zu kommen.

Großen Spaß bereitet mir immer das Ausleihen eines Surfbretts. Egal, ob die übliche Hartvariante oder die aufblasbare Softvariante. Das ist preiswert (ca. EURO 12.- bis 15.- pro Stunde) und bietet unendlich viele Möglichkeiten. Mit Segel eignet sich das Teil zum Windsurfen, ohne Segel zum Brandungssurfen, mit Stab zum (Standup-) Paddeln und ohne alles einfach als „Luftmatratze“ zum darauf sonnen und faulenzen. Dann gerne etwas abseits von anderen. Aber bitte Vorsicht: am Meer die Strömung und ablandigen Wind beachten.

Und weht der Wind mal etwas mehr, miete ich mir auch mal einen kleinen Katameran. Das Manövrieren ist damit nach kurzer Einweisung nicht allzu schwer und meist kann man den sog. Hobycat auch ohne Vorlage eines Segelscheins bekommen. Die Kosten pro Stunde belaufen sich dabei  je nach Standort auf EURO 35.- bis 70.- pro Stunde.

Aber, es darf auch mal was Neues sein. Meine Wahl fiel daher Anfang Juni auf einen kleinen SEASCOOTER. So ein Teil ist je nach PS-Zahl (funktioniert per Batteriebetrieb) zwischen 5 und 30 Stundenkilometer schnell. Man greift einfach die Haltegriffe, die mit dem Gaszug verbinden sind, und schon gleitet man dahin. Dabei kann man sich über Wasser schnell von einem an den anderen Ort ziehen lassen, das ganze funktioniert aber auch gut unter Wasser. Das Betriebsgeräusch ist dabei angenehm leise. Also: Taucherbrille auf, Schnorchel in den Mund  und los geht’s zum Fischegucken … oder was es auf dem Seegrund oder dem Meeresboden  eben zu sehen gibt.

Aber Achtung: abgesehen von einigen technischen Maßnahmen, die man vor dem Ersteinsatz bewerkstelligen muß (wie z.B. Dichtungsringe fetten und Batterieladen), sollte man das etwa 70 Zentimeter lange und acht Kilo schwere Gerät (es gibt diverse Modell und Hersteller) unbedingt trimmen. D.h. dafür zu sorgen, daß man mittels Wasser- oder Steinzugabe im Kopf bzw. dem Bugteil für ein selbständiges Schweben bzw. Auftrieb im Wasser sorgt. Denn ist es zu leicht, kann man das Gerät nur schwer unter Wasser drücken und umgekehrt würde es bei Betriebsausfall oder Batterie- bzw. Antriebsverlust untergehen.  Als Schwimmer ist es einem dann kaum möglich damit wieder an den Ausgangsort zurückzukehren.

Bei  entsprechender Antriebsstärke können sich auch mal zwei Personen damit ziehen lassen oder man verwendet die Propellerkraft, um ein kleines Surfbrett ziehen zu lassen. Das Vergnügen ist allerdings nicht ganz billig, da man nur selten eine Leihstation findet. Die Anschaffungskosten eines Seascooters oder auch Seacats,  liegen zwischen EURO 400.- und 4.000.-

Im August hatte ich beim Hamburger „Ruderclub Alemannia“ dann endlich Gelegenheit erstmals in ein Regatta-RUDERBOOT zu steigen. Diese Teile sind unglaublich schmal, eigentlich nur hüftbreit. Schon das Einsteigen will gelernt sein und bedingt einen genauen Bewegungsablauf, will man nicht im Wasser landen.

Aber zuerst gilt es das Boot startklar zu machen und aus der Halterung in der Halle auf den Bootssteg zu tragen, dann zu wenden und in’s Wasser zu setzen. Dann heißt es die Ruder bzw. Skulls in den Dollen mit Verschlußbügel zu befestigen, die wiederum an den Auslegern befestigt sind, usw. Die vielen neuen Begriffe und Handgriffe werden jedoch geduldig von einem echten Champion erklärt, denn Lasse W. ist mehrfacher WM-Teilnehmer und ein super sympatischer Typ.

Sicherheitshalber steigen wir „Frischlinge“ erst einmal in ein sog. Gic mit „Skull-Riggerung“, das ist etwas breiter und schwerer als die „Superrenner“ und hat einen Außenkiel mit Kielschiene. Man darf grundsätzlich nicht direkt auf das Boot treten, sondern muss mit einem Fuß auf den Sitz steigen und dann den anderen Fuß sofort in die passende Ablage mit Fixierriemen legen, sonst verlieren alle das Gleichgewicht. Im Boot sitzt man auf beweglichen Roll-Sitzen, die auf einer Schiene vorwärts und rückwärts laufen. So lässt sich auch die Kraft der Beine einsetzen.

Wird pro Person nicht beidseitig, sondern nur mit einem Ruder gerudert, nennt man dies dann „Riemen-Riggerung“- egal ob Zweier, Vierer oder Achter. Einen Einer bezeichnet man m.W. als „Skiff“. In dem berühmten „Deutschland-Achter“ haben übrigens schon viele Hamburger Ruder-Athleten gesessen. So ein „Achter“ ist zirka 17,50 Meter lang und wiegt samt Lautsprechersystem fast 100 Kilogramm. Da liegt es auf der Hand, wie schwierig der Transport zu den Wettkampforten ist. Die „Besatzung“ bringt ebenfalls ein nicht unerhebliches Gewicht mit, denn in der Regel haben alle – abgesehen vom Steuermann – ein Gardemaß von mindestens 1, 90 Metern plus Muskelmasse. 

Der Steuermann, der nicht in jedem Boot dabei ist, gibt das Kommando und die Richtung vor, da man als Ruderer ja mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt (der sog. „Schlagmann“ bestimmt Frequenz und Rhythmus). Mit etwas Konzentration sind die ersten Züge leicht auszuführen, auch ohne Kraft bewegt man sich schnell vorwärts. Jedoch lassen Kraft und Konzentration auch schnell nach und ich merke wie insbesondere das linke Ruderblatt beim Eintauchen mehr platscht und damit bremst, als das andere. Fast scheint es ein bißchen wie beim Klavierspielen, denn mit der linken Hand ungeübteren Hand klappt das Timing oder besser die erforderliche 90 Grad Drehung zwischen Wasser- und Luftstand einfach weniger und man muß sich immer wieder einma sammeln. Rudern gilt nach Stabhochsprung als die schwierigste Sportart in puncto Koordination. Aber egal,  unser Coach ist unglaublich motivierend und rät uns Späteinsteigern vorrangig einmal Spaß beim Rudern zu haben … und den haben wir.

Ganz nebenbei erfahren wir, daß selbst so ein Trainingsbötchen schnell mal EURO 5.000.- bis 8.000.- kostet. Von den Wettkampfbooten (aus Carbon) ganz zu schweigen. Diese lagern meist ganz oben und gut geschützt im Hangar und können über EURO 90.000.- kosten. Ohne Sponsoren kann das freilich kein Sportler oder Club finanzieren. Dabei ist der Mitgliedsbeitrag dieses eleganten und sogar mit einer Indoor-Trainingsanlage ausgestatteten Traditionsclubs mit rund EURO 700.- (für Aktive) sehr erschwinglich. Denn wo gibt es dafür schon so teure Trainingsgeräte samt Unterricht.

Apropos Sponsoren: unser Kaffeekassen-Schweinchen schaut mangels Anerkennung gerade etwas traurig und hofft auf Aufmunterung – grunzz, äh vielen Dank!  

Bliebe noch viel zu erzählen. Lasse und seine Kollegen sind fast jeden Tag vor Ort und stehen für Auskünfte zur Verfügung. Das tolle Clubhaus ist nur für Mitglieder, aber gleich nebenan gibt es ein Bistro, von dem aus man das maritime Treiben auf der Außenalster gut verfolgen kann.

Und dann war da noch das HYDRO FOIL BOARD, das ich im Juli auf der Elbe dahinflitzen sah. Es handelt sich hierbei um eine Art elektrisches Wasser-Skatebord mit dem man sich bei entsprechender Geschwindigkeit wie auf einem Stiel balancierend aus dem Wasser erhebt. Die Geschwindigkeit steuert man einerseits nach Gewicht bzw. in 14 Voreinstellungsstufen und – während des Aufsteigens auf das Board – selbst mittels eines Handreglers, der per Blue Tooth mit dem Antriebspropeller verbunden ist. Das erfordert allerdings schon einige Übungsstunden und ist bei Wellengang extrem schwer. Sieht cool aus, aber man muß sich ja auch noch was für’s nächste Jahr aufheben …. yippy!

Petra
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