So perfekte Bedingungen hatte ich seinerzeit mal bei einem Trip ins Piemont, wo ich mit einem Trüffel-Experten am frühen Vormittag unterwegs war – selbstverständlich mit Hund und anschließender Verkostung der gefundenen weißen und schwarzen Trüffel (tuber magnatum). Neben dem Perigord ist Alba im Oktober DIE Trüffel-Hauptstadt. Trüffelöl, Trüffelbrot, … Trüffelsalami esse ich besonders gerne. Der Trüffel ist der mit Abstand teuerste Speisepilz. Der Kilopreis für schwarze Trüffel liegt i.d.R. bei EURO 9.000.-; bei weißen Trüffeln ist der Preis nach oben hin offen. In Japan soll auf einer Auktion mal ein Preis von über EURO 100.000.- erzielt worden sein. Freilich ist der Geschmack speziell und den Geruch von „alten Socken“ mag nicht jeder.  https://de.wikipedia.org/wiki/Tr%C3%BCffel  Und ganz ehrlich: ich esse die Schwarzen lieber.
Nach Angaben der Pilzexperten wachsen in den heimischen Wäldern weit mehr als hundert Pilzarten; auch die beliebten Steinpilze und Pfifferlinge. https://de.wikipedia.org/wiki/Speisepilz 

Das Wetter war am 03.10. nicht gerade verheißungsvoll und dennoch war ich erneut mit frohgemuten Pilzsammlern im Pfälzerwald unterwegs. Da wurde geschnuppert, mit speziellen Pilzmessern geschnippelt und anhand von Nachschlagewerken noch vor Ort bestimmt. Und – wir wurden reicher belohnt als gedacht, denn mehr als 20 verschiedene Arten wie Perl-Pilze, Parasole, Röhrlinge, Täublinge und Baumpilze, etc. landeten am Schluß im Körbchen (u.a. auch zwei Steinpilze und drei Pfifferlinge). Fliegenpilze und Knollenblätterplize haben wir gleich stehen lassen; wegen Kontaktgiftübertragung sollten sie nicht neben den Speisepilzen gelagert/ transportiert werden. Die Haptik der Pilze ist völlig unterschiedlich, einige fühlen sich eher glitschig an, andere fest oder schwammig. Manche liefern durch chemische Reaktion auch ein prächtiges Farbenspiel. Schneidet man z.B. den Hexenröhrling an, färbt sich sein gelbliches „Fleisch“ innerhalb von Sekunden dunkelblau; beim Braten färbt er sich wieder zurück. Ernten kann man entweder per Messerschnitt oder durch manuelles Herausdrehen.

Laut meinen Mitstreitern sollte man grundsätzlich folgende Dinge über Pilze wissen:

  • Fast alle Pilze sind roh ungenießbar bis giftig. Durch Kochen oder Dünsten zersetzen sich die Stoffe und machen die Pilze essbar (außer natürlich die Giftpilze). Ausnahme sind die als „Salatpilze“ bekannten Arten, zum Beispiel der Zuchtchampignon.
  • Einige, wie der Falten-Tintling sind nur jung essbar, allerdings ist er in Verbindung mit Alkohol giftig (Gesichtsrötung, beschleunigter Puls, Herzklopfen, Hitzewallungen und Schwächeanfälle).
  • Am häufigsten treten Pilzvergiftungen nicht durch giftige Pilze, sondern durch zu alte oder zu lange bzw. falsch gelagerte Pilze auf. D.h. alles, was sich per Daumendruck leicht verformen, den Schirm schon schräg hängen läßt, am Rand angefressen oder die Haut verletzt ist, lieber wegwerfen. Im Zweifelsfall die Sammlung immer von einem lizensierten Pilzexperten prüfen lassen. Adressen und Kontaktdaten findet man im Internet oder auch über die lokalen Forstämter.
  • Pilze enthalten unverdauliches Chitin und liegen daher oft schwer im Magen. Dafür enthalten 100 Gramm frische Steinpilze aber nur 34 Kilokalorien, die sog. Eierschwämmchen sogar nur 23.
  • Fast alle Pilze gehen eine Symbiose mit den Bäumen in ihrer Nähe ein, so auch die weißen und schwarzen Trüffel (diese m.W. fast ausschließlich unter Eichen).
  • Pilze können viele Schwermetalle enthalten. Um den Bleigehalt niedrig zu halten, besser keine Pilze am Straßenrand sammeln.
  • Sammler, die mehr als die erlaubte Pilzmenge (2 Kilo pro Person und Tag) sammeln, die Schonzeiten nicht einhalten oder unerlaubte Hilfsmittel einsetzen, müssen mit Anzeige und teils hohen Bußgeldern rechnen.

Grundsätzlich sind Pilze nicht nur die Recycling-Spezialisten unserer Wälder, sondern auch allgegenwärtige Nährstofflieferanten.

Keine Lebewesen sind im Verlauf der Geschichte so unterschiedlich beurteilt worden wie die potenziell unsterblichen Pilze. Pilze sind laut den Biologen daher nicht den Pflanzen zuzuordnen, sondern eher den Lebewesen bzw. gelten inzwischen als eigene Spezies. Dazu später noch mehr.

Pilze besitzen keine Photosynthese-Pigmente, sondern beziehen ihre Nahrung aus toten oder lebenden Organismen. Dank ihrer winzigen, leicht verbreitbaren und oft in ungeheuren Mengen gebildeten Sporen sind Pilze allgegenwärtig und doch nur selten augenscheinlich. Viele können nur im Mikroskop erkannt werden, fast alle wachsen verborgen als fein verästeltes Geflecht im jeweiligen Substrat. Wir nehmen noch am ehesten jene Arten wahr, die Fruchtkörper bilden. Bei den Fruchtkörpern handelt es sich um kurzlebige, sporenbildende Strukturen, die wir gemeinhin als Pilz bezeichnen. Die als kulinarische Köstlichkeit verehrten Trüffel, Steinpilze oder Morcheln sind also nur die Vermehrungsstadien der Arten, ähnlich den Äpfeln des Apfelbaumes.

Auch 30 Jahre nach Tschernobyl sind Pilze unter Umständen noch radioaktiv belastet (meist Röhrenpilze wie Maronen oder Birkenröhrlinge). Wie sehr, hängt von Pilzart und Standort ab. Pilze in Ost- und Süddeutschland sind dabei am stärksten belastet. Am wenigsten belastet sind Pilzsorten, die auf Holz wachsen, wie der Gelbe Pfifferling. Solange man die gefundenen Pilze in normalen Mengen verzehrt, gibt es keinen Grund zur Panik.

Zusammen mit den Bakterien bilden Pilze die Zersetzerorganismen im Stoffkreislauf unserer Ökosysteme. Sie bauen beispielsweise Holz, vertrocknete Blätter, Früchte, aber auch Horn und Fette ab und führen sie über Stickstoffverbindungen und andere Stoffe wieder in den Boden zurück.

Eine weitere Schlüsselrolle haben Pilze als Symbiosepartner. Die meisten unserer Bäume leben mit solchen Pilzen in Symbiose, d.h. Mykorrhizapilze umkleiden die Feinwurzeln des Baumes, sammeln Nährstoffe und leiten diese zusammen mit Wasser den Pflanzen zu. Im Gegenzug erhält der Pilz die zu seinem Leben erforderlichen Stoffe, vor allem Zucker, Eiweiße und Vitamine.

Bislang sind etwa 100.000 Pilzarten beschrieben worden. Man geht allerdings davon aus, dass weltweit bis zu fünf Millionen Arten existieren. Somit sind Pilze nach den Insekten die artenreichste Organismengruppe. Man schätzt, dass im Oberboden natürlicher Wälder auf einer Fläche von einem Quadratmeter rund eine Milliarde Myzelien oder Sporen vorkommen.

Eine Bedrohung der Wälder bedeutet mithin auch eine Bedrohung der Pilze. Bereits in den 70-iger Jahren war vom Pilzsterben die Rede, weil viele sehr empfindlich auf Umweltbelastungen reagieren und mithin zuverlässige Indikatoren für Verunreinigungen sind. Wahrscheinlich hilft dagegen nur eine naturnahe Bewirtschaftung und ggf. das Einrichten großflächiger Schutzgebiete.

Das Naturwunder und Rekord-Exemplar unter den vielen Pilzsorten ist der sog. Hallimasch. Erst 2014 fand man im Malheur National Forest, Oregon, ein unglaubliches Exemplar der Größe von fast neun Quadratkilometern (entspricht 1.200 Fußballfelder) und einem geschätzten Gewicht von 600 Tonnen. Damit gilt er bis heute als das flächenmäßig größte „Pilz-Lebewesen“ der Erde.

Grund für seine lange Verborgenheit ist, daß er vorwiegend einen Meter unter der Erde wächst. Seine schwarzbraunen, nur wenige Millimeter dicken Fäden bohren sich durch das Erdreich (dabei Schädigung der Bäume) und bilden ein zusammenhängendes Geflecht, das auch als Myzel bezeichnet wird. Oberirdisch macht er sich einzig anhand einiger Ständerpilze mit gelben Hüten bemerkbar, die an Stämmen und Stümpfen wachsen.

Was so groß ist, braucht auch seine Zeit zum Wachsen. Das Alter dieses Hallimaschs wird auf stolze 2.400 Jahre geschätzt. Pilzkundler vermuten übrigens, daß seine Ausbreitung kurioserweise genau durch zu trockenes Klima begünstigt wurde. Die Natur bahnt sich eben ihren Weg; wenn es sein muß, mit allen Tricks.

Petra
Autor

Write A Comment