Was wäre eine Lady ohne Hut bzw. „was wäre ein richtiger Skipper ohne passende Mütze?“ Zurecht lautet so der erste Satz auf seiner Website.

Im Traditionsladen von „Mützenmacher Eisenberg“ kann man noch heute bei seinem Nachfolger Lars Küntzel  handgearbeitete Mützen erstehen. Der seit 1892 bestehende Hamburger Betrieb fertig aus edlen Stoffen auf alten Nähmaschinen der 20er Jahre noch heute nach alten Original-Schnittmustern maßgeschneiderte Mützen für Jedermann. Mützen bzw. Kappen wie der „Elbsegler“ oder „Elblotse“ sind aus Hamburg und anderen Hansestädten als  Klassiker nicht mehr wegzudenken. Auch Promis wie Henning  Voscherau, ex-Box-Champion Max Schmeling und allen voran Ex-Bundeskanzler Helmut Schmidt ließen/ lassen bei ihm fertigen. Schon in seiner Funktion als regierender Bürgermeister von Hamburg kam Schmidt – so Küntzel – aus dem nahen Rathaus oft genug selbst vorbei, um seinen „Elblotsen“ oder eine alternative Kopfbedeckung auszuwählen.

Insgesamt sind 18 verschiedene Mützentypen und jede Menge Sondermodelle verfügbar, die bei Bedarf  individuell an den Kopf des Trägers angepaßt und in Handarbeit im kleinen angeschlossenen Atelier in der Steinstraße gefertigt werden. Die meisten bestehen aus über 20 Einzelteilen und können mit vielen Extras wie Innenfutter, Namensetikett, Farbvarianten oder Kordelverzierung, etc. versehen werden.

Betritt man den kleinen, von außen eher unscheinbaren Laden, fallen einem alte Plakate, jede Menge Schwarz-Weiss-Fotos und viele kleine Vitrinen, Schubladen und Regale auf. Bis unter die Decke und noch in der letzten Ecke stapeln sich Kappen aller Art. Sollte es eine Sortierung nach Form, Farbe, Größe, Material, Jahreszeit etc. geben, bleibt dies Meister Küntzels Geheimnis. Dafür darf man aber in aller Ruhe stöbern.

Wenn Lars Küntzel in seiner Werkstatt auf den uralten Nähmaschinen stichelt, wacht ein Pärchen französischer Bulldoggen über die Ballen von Wollstoffen und  Marinetuch, sowie hunderte Garnröllchen, Ankerknöpfen und Bordüren. Seelenruhig verbringen die Hunde ihre Stunden im Laden. Dabei bleibt Rüde „Hannes“ stets wachsam und gibt auch mal kräftig Laut, damit seinem Herrchen und den „Schätzchen“ niemand zu nahe kommt.

Da ich wie immer etwas Spezielles suche, komme ich schnell mit ihm in’s Gespräch. Eigentlich verkaufe er nur Herren-Mützen. Oh, naja – auch mein Mann liebt solche Mützen und außerdem ist unisex immer modisch angesagt.

Zunächst probiere ich diverse Klassiker, traue mich aber dann doch eine Beschreibung meiner Wunschmütze abzugeben. Nun sind auch seine Phantasie und Expertise geweckt und wir fachsimpeln kurz über eine Art Stewardessen oder französisches Uniform-Barrett. Plötzlich fällt unser gemeinsamer Blick auf ein hellgraues Pagenkäppchen, denn auch die in Hamburg ansässigen Luxushotels pflegen teils noch die Einkleidung ihres Personals mit Uniformen – so auch den klassischen Pagen. Eben diese Mützen für Fahrer oder Liftboys werden häufig auch hier gefertigt/ bestellt.

Das Model entspricht im Grunde dem klassischen „Pillbox“-Hut, den insbesondere  Jacky Kennedy häufig trug. Je nach Größe und Platzierung auf dem Kopf kann er wie ein Fascinator wirken und bietet vielseitige Gestaltungsmöglichkeiten. In der langgestreckten Form ähnelt er einem Barrett bzw. einer Stewardessenkappe. Schnell besprechen wir daher weitere Details und die Ideen zur Umgestaltung beginnen nur so zu sprudeln. Ein Kordelchen hier, ein Knöpfchen da, ggf. etwas Tüllspitze oder eine Schleife als Fashion-Chic und schon … das konkrete Ergebnis bleibt stets abzuwarten, denn eine Anfertigung dauert mindestens 4-6 Wochen.

Sich mit Lars Küntzel über sein Handwerk zu unterhalten macht einfach Spaß. Mit hanseatischer Gelassenheit bringt er die Sache stets hilfreich auf den Punkt und außerdem hat er so manche Anekdote parat. Zum Beisiel soll es früher Matrosen gegeben haben, die ihre Mütze erst eine Nacht naß in einem Gummistiefel aufbewahrt haben, bevor sie richtig passte und individuelle Patina ansetzte.

Was für ein Glück, dass gerade Mittagszeit ist und wir alleine im Laden sind. Nur allzu gerne hätte ich ihm mal länger über die Schulter geschaut, wenn er an seinen Mützen arbeitet. Einige Schiffer-Mützen-Modelle sind übrigens wahre Verwandlungskünstler und können mit einem Klack durch Deckelaustausch vom dunkelblauen Winter-, zum weißen Sommermodell gemacht werden. Für einen Motoradfahrer habe er das „Modell  Elbsegler“ auch schon mal in Leder genäht. Mützenmacher wollte er übrigens nicht unbedingt werden, aber die erforderlichen „kräftigen Finger“ hatte er schon immer, um diesen Männerberuf auszuüben.

Wenn Sie mehr wissen wollen, schauen Sie bei Gelegenheit doch mal bei ihm rein. In seinem Sortiment führt er auch Krawatten, Hosenträger, Handschuhe, Schals und Marinejacken.

Wenn es nach Lars Küntzel geht, sollen die 18 verschiedenen hanseatischen Mützen noch in 100 Jahren so aussehen wie heute. Voraussetzung dafür wäre jedoch, dass sich wiederum ein Nachfolger findet, dem er die Geheimnisse des Handwerks weitervermitteln kann. Das Überleben seines Berufes wird u.a. aber auch davon abhängen, ob sich die Hanseaten und sonstigen Mützenfreunde weiterhin so traditionell behütet wissen wollen.

Im kleinen Schaufenster ist fast das ganze Sortiment ausgestellt: „Prinz-Heinrich“, die Modelle “ Altona“, „Kiel“, „Elbsegler“ und „Lotsenmütze“, usw. Die Unterschiede sind auf den ersten Blick gering und liegen meist in der Größe des sog. Mützendeckels und des Mützenstegs. Ist der Tuchschirm mit Eichenlaub besetzt, gehört eine geflochtene Kordel dazu, zum glattem Schirm eine gedrehte Kordel etc. etc. Für externe Kunden mag das alles marginal sein, für Insider aber ist es essentiell.

 

Hinweis: unbezahlte Werbung

Petra
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