Dieses Credo der jungen Mode-Designerin Aivin Bleich hat schon fast etwas Philosophisches und läßt Raum für diverse Interpretation. Sind wir im 21. Jahrhundert nicht wieder alle zu mehr Langlebigkeit aufgerufen und bedarf die zunehmende Globalisierung im Gegenzug nicht einer erhöhten Individualität und Schaffung von Freiräumen?

Sich in solchen Zeiten selbständig zu machen, bedeutet für eine Sache zu brennen und von seinem Tun überzeugt sein – jetzt oder nie; Corona hin oder her. Die junge Berlinerin wagt gerade diesen Schritt. In einem ersten Kurz-Portrait wurde sie auf TAM bereits vorgestellt. https://www.topagemodel.de/2020/11/14/pfiffige-individuelle-hauptstadtmode/

Heute nun viele weitere Infos und Fotos ihrer Entwürfe und unsere ganz persönlichen Statements dazu. RENATE  bringt es unter dem „Hashtag #duentscheidestWas du hast. Was Du kaufst. Wie viel vom Überfluss“, gleich auf den Punkt. Die Entscheidung liegt bei dir. Du kannst da mitmachen. Oder es einfach lassen.  Du kannst aber auch  „#andereWegegehen“, nämlich so, wie Aivin Lilli Bleich. Sie steht für Werteorientierung in der Bekleidungsbranche und nicht nur dort, sondern überhaupt. Nachhaltigkeit ist ja mittlerweile zum Modewort geworden, mit dem sich viele gerne schmücken. Aivin aber lebt und liebt sie in Reinform mit großer Leidenschaft. Und sie beleuchtet unser Kaufverhalten kritisch. Nämlich zum Beispiel die Tatsache, dass 46% der online bestellten Klamotten zurückgeschickt werden. In einem ihrem Blogartikel beschreibt sie ausführlich, welche Auswirkungen das hat – auf die Produktion, auf die Umwelt und den Handel.

Aivin ist Pionierin im Umdenken. Ihr Motto: Ich gebe dir, was du brauchst und zwar auf Bestellung. Das bedeutet, dass dein Wunschkleidungsstück erst dann gefertigt wird, wenn du es brauchst. Zentimeter für Zentimeter in ihrem Berliner Atelier handgearbeitet. Nur für dich und nach deinen Maßen. Bestechend schöne Einzelstücke. Am liebsten kreiert sie das Neue aus Bestand. Das heißt, sie schneidert dir dein neues Lieblingsteil aus bereits verarbeiteten Materialien, Restbeständen oder auf Stoffen ungetragener Kleidung auf den Leib. Upcycling at its best. Ihr Konzept gilt nicht nur für Bekleidung, sondern auch die bunte Palette feiner Accessoires.

Auch in Punkto Design gibt Aivin ihren Kreationen einen ganz eigenen, besonderen Touch. Zeitlos, modern, extravagant – einfach richtig schön und so gar nicht Mainstream. Teile, die gemacht sind, deine Lieblingsstücke zu werden und dein Outfit immer zu einem individuellen und persönlichen Statement avancieren lassen. Vermutlich wird dich jeder fragen: „Wo hast du das denn her?

Mustergültig dafür steht, was ich für Aivin fotografieren durfte. Nämlich eine weit geschnittene Jacke im College-Stil aus buntem Lurexstoff mit farblich abgesetztem Kragen, Schulterpasse und Leistentaschen. Die Bündchen an den Ärmeln und am Saum sind gerafft und in der Weite verstellbar. Für den vorderen Verschluss dienen Jeansknöpfe. Das Futter ist aus mittelschwerer, elastischer Ware. Alle Stoffe sind aus Kleinstbeständen gefertigt. Der silberblaue Mantel mit Zweinahtärmeln, Kellerfalte und Yoke am Rücken kommt ebenfalls im Materialmix und goldenen Fransen daher. Kragen und Leistentaschen heben sich farblich ab. Das Modell ist leicht ausgestellt und wird mit einem Reißverschluss geschlossen. Ich kann nur sagen: WOW. Beides Stücke, die wirklich mal anders sind: ausgefallen-gefällig, auch mein Mann war total begeistert!

Zusammen mit ihren Kundinnen möchte Aivin ihren Beitrag dazu leisten, Überproduktion und Lagerhaltung zu vermeiden. Mit ihrem Design schafft sie gleichzeitig das Unverwechselbare. Das ist Fashion Revolution. Genau die, die wir eigentlich brauchen.

Ich, PETRA, kann als langjähriger Upcycling-Fan und Hobby-Schneiderin Renate einfach nur zustimmen und bin begeistert von Schnitt und Qualität der mir zugedachten Styles. Aivin hat damit intuitiv genau meinen Geschmack in jeglicher Hinsicht getroffen und meine Meßlatte liegt stets sehr hoch.

#Variabilität. Die Kombinierbarkeit mit meinem Fashionbestand ist in der Tat verblüffend. Sei es, was die elegante Jacke bzw. den markanten Hosenanzug, als auch die blau-karierte Freizeitkombi angeht.

Die besagte taillierte Robe mit Schalkragen, seitlichen Eingrifftaschen  und integriertem Gürtel ist schon optisch eine gelungene Mischung aus traditioneller Tracht wie sie teils in Zentralamerika (u.a. wurde Webware aus Guatemala verarbeitet) oder auch in Lappland vorkommt; selbst Kimono-Elemente kann ich darin erkennen. Die  2-farbige Stretchhose mit geraden Beinen im passenden Color Blocking-Stil zur Robe besticht durch den komfortablen Bund ohne Verschluss oder Gummi. An den Seitennähten sind die Webkanten als Verzierung mitgefasst. Sieht einfach cool aus und ist echt mal was anderes!  Aufgrund der verwendeten Materialien können beide Teile sowohl sommers (pur mit Spitzentop darunter der Party-Hingucker), als auch winters (z.B. mit Unterzieh-Rolli) in’s Theater oder als Businesslook getragen werden. Letzteres dann jeweils einzeln, kombiniert mit einfarbigen Kleidungsstücken. Mein Mann findet die Jacke übrigens auch als Homedress sehr „anziehend“.

Das blaue Twinset, das sich herrlich unisex tragen läßt, besteht aus einer karierten Hose mit Seitentaschen und paspelierten Gesäßtaschen. Der Bund ist aus farblich abgesetztem Jacquard-Stoff mit asiatischem Design, aus dem auch der passende Schal mit eingearbeiteten Paspeltaschen genäht ist. Das figurnahe, marineblaue Pullover-Shirt mit drapiertem Kragen (ich liebe diesen Schnitt!) und überlangen Ärmeln mit stylischem Daumenloch, ist am Saum gerundet und vorn mit Druckknöpfchen versehen. Diese lassen sich bei Bedarf bequem öffnen.

#Präzision. Da stimmt einfach jede Naht, es wird auf den jeweiligen Musterverlauf und jede Kante geachtet. Die Knöpfchen sind mit demselben Stoff bezogen (dazu braucht man eine Knopfmaschine), das Futter ist stets farblich abgestimmt und aufwendig verarbeitet. Zudem sind die verwendeten Materialien knitterfest, strapazierfähig und waschar.

Aivin’s Slogan: „Weniger haben, mehr sein“ ist in der Tat keine Worthülse, denn so wird kombinieren zum Kinderspiel und lassen sich viele Looks für jede Gelegenheit zaubern. Schließlich hat jeder ein paar schwarz-weiße oder dunkelblaue Klassiker im Schrank. Man könnte auch ähnlich dem Trend zum „TinyHouse“ sagen: Man reist mit leichtem Gepäck ohne auf etwas verzichten zu müssen.

Mag sein, daß diverse Kreationen auf ihrer Website für die Altersgruppe 50+ etwas zu auffällig oder gewagt erscheinen. Was soll’s. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. UND VORALLEM: Avin fertigt ja nach der individuellen Wunschvorstellung hinsichtlich Farbe und Schnitt; also endlich mal keine Kompromisse mehr.

Trotz Krise darf man ja auch mal ein bißchen an Weihnachten denken und sich verwöhnen lassen. Diese Styles geben dem Ich neuen Schwung.

 

Hinweis: Kooperation 

 

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