Wer ist was? Während Guanacos die wilden und etwas kleineren Verwandten der Lamas sind, sind Vicugnas die kleinen Brüder und Schwestern der Alpakas. Und schließlich sind alle Verwandte des Kamels. https://de.wikipedia.org/wiki/Alpaka

Die Alpakas (sie spucken im Gegensatz zu Lamas nicht) die ich gleich auf der „Alpaka-Therapie-Farm von Heidelberg-Hirtenaue besuchen werde, sind allerdings nicht in Südamerika aufgewachsen, sondern stammen aus einer Zucht an der Schwäbischen Alb.

Insbesondere die hochfeine Alpakawolle wird seit über 5.000 Jahren von allen Kulturen in den Anden verwendet und als sehr wertvoll angesehen. Die Kombination extremer Höhenlagen (teils über 5.000 Meter) mit unglaublichen Temperaturunterschieden ist das, was ein Alpaka täglich aushalten muss und dank seiner speziellen hohlen Wollfasern aushalten kann.
Daraus resultiert nicht nur ein enorm weicher und leichter Faden, sondern auch eine isolierende Eigenschaft bei niedrigen, kalten Temperaturen und eine hohe Atmungsaktivität bei hohen Temperaturen.

Alpakas leben hauptsächlich frei und in schwer zugänglichen Gebieten. Geschoren werden sie in der Regel nur einmal im Jahr. Handelt es sich um die erste Schur, spricht man von „Baby-Alpakawolle“; sie gilt als besonders weich und hochwertig. Häufig wird dieses spezielle Material für luxuriöse Schals und Tücher verwendet.

Alpakawolle enthält im Gegensatz zu Schafwolle kein Lanolin, eine an sich wertvolle wachsartiger Substanz, die bei einigen Menschen jedoch die Haut reizen und allergische Reaktionen hervorrufen kann. Deshalb gilt Alpakawolle als ein unglaublich glatter, hypoallergener Stoff. Werden sie während und nach dem Scherprozess gut gepflegt, leiden Alpakas nie, wenn ihnen die Wolle genommen wird. Nach der Schur erkennen sie sich oftmals selbst nicht wieder, so zierlich sehen ihre Körper dann aus.

Das Alpaka hat in den letzten 20 Jahren viel internationale Bekanntheit erlangt, nicht zuletzt weil es sich um niedliche und liebenswerte Persönlichkeiten handelt. Als ich näher komme, weichen die acht Schönheiten zunächst etwas zurück. Als ich stehen bleibe, wagt sich der Mutigste langsam vor, woraufhin auch die anderen mit großen Augenund aufgestellten Öhrchen wieder nachrücken. Hier in Hirtenaue heißen sie „Majesty“, „Blacky“ oder „Gargamel“, sind allesamt Männchen und zeigen sich sofort am Besucher interessiert. Offensichtlich ist „Menschengucken“ beliebt gegen Langeweile. Zunächst umkreisen sie den „Eindringling“, dann kommen sie zutraulich näher und schnuppern auch mal ausführlich an Haaren, Mütze oder Körper. Kommt man ihnen zu nahe oder berührt sie an einer für sie uneinsichtigen Stelle wie z.B. auf dem oberen Hinterkopf, hüpfen sie oft schreckhaft ein Stück zur Seite um die nötige Wohlfühl-Distanz wieder herzustellen. Mit Futter zu wedeln hilft natürlich auch immer. Dabei sind Alpakas echte Feinschmecker, d.h. ein Alpaka frisst ausschließlich frisches Heu aus der Hand oder einer Futterkrippe; liegt es erst einmal auf dem Boden, wird es nicht mehr angerührt.

Wie in jeder Herde gibt es auch hier den Mutigen, den Spaßvogel, den Zurückhaltenden usw. In der Regel werden sie zirka 1,50 Meter groß, bis 25 Jahre alt und bis zu 75 Kilogramm schwer. Geschlechtsreif werden die Hengste erst mit 3-4 Jahren und die Tragezeit bei den Müttern beträgt 11 Monate. Ihre „Hinterlassenschaften“ sehen aus wie ein Häufchen Kaffeebohnen und ihre Hälse sind extrem beweglich.

Nach etwa 20 Minuten läßt das Interesse deutlich nach und langsam verteilen sie sich wieder über das zwei Hektar große Gelände; zwingen lassen sie sich zu nichts. Setzt man sie zu Therapiezwecken ein, brauchen sie ebenfalls  ausreichende Arbeitspausen. Bei Bedarf können sie sich auch in einen kleinen Stall zurückziehen.

Für die tiergestützten Therapie sind Alpakas wegen ihrem freundlichen, sensiblen und neugierigen Charakter besonders geeignet. Daher werden sie gerne als gleichwertigen Ersatz zur Delphintherapie eingesetzt, wenn es um Linderung von Depression, Streß, Burnout-Phasen und sonstigen psychischen Problemen geht. Dabei ist die tiergestützte Therapie kein Ersatz für die Schulmedizin. Alpakas sind vielmehr die beruhigenden Helfer in den Bereichen

  • Wahrnehmungsförderung
  • Verbesserung von Koordination und Motorik
  • Verhaltensstörungen
  • Kommunikation und Motivation

In Studien konnte festgestellt werden, dass bei den Probanden die Atemfrequenz gleichmäßiger und der Blutdruck gesenkt wird.

Die Tiere wirken entspannend und helfen den Menschen abzuschalten. Gerade ausgedehnte Spaziergänge/ Wanderungen mit ihnen fördern das emotionale Wohlbefinden. So schöpfen viele Menschen wieder Kraft für den Alltag.

Wer möchte, kann die Tiere vorab unverbindlich kennenlernen; das therapeutische und freie Programmangebot ist vielfältig. Im Corona-Lockdown dürfen trotz Openair-Geschehen aber allenfalls Therapiemaßnahmen stattfinden.  Das verstehe wer will, ICH NICHT. Brauchen in diesen belastenden Zeiten die ohnehin beeinträchtigten Menschen keine wohltuende Unterstützung mehr? Und vor allem, wo bleibt hier der Gleichbehandlungsgrundsatz der erlaubten 2-Haushalte-Regel??? Selbst für kürzlich angefragte wissenschaftliche Zwecke  – auf rein geschäftlicher Basis – darf die Betreiberin ihre Alpakas erst nach einigem Hin und Her zur Verfügung stellen, etc. Was für eine Hiobs-Botschaft seitens des Verwaltungsgerichtshofes in Mannheim (Berufungsverfahren) unmittelbar vor Weihnachten; zumal die nun erneute Schließung existenzbedrohend für das junge Unternehmen ist. Bis dato sind nämlich keine Unterstützungszuschüsse bzw. „November-/ Dezemberhilfen“ geflossen. Typisch für unsere Politiker/Regierung/ Behörden und leider kein Einzelfall. Viele salbungsvolle Worte und BlaBla in der Öffentlichkeit, aber Scheitern in der Umsetzungs-Praxis. Man könnte auch sagen: „ein wahrer Glücksort wird gerade kalt gestellt“. https://www.rnz.de/nachrichten/heidelberg_artikel,-heidelberg-alpakafarm-besitzerin-verliert-erneut-vor-gericht-update-_arid,579984.html

Beratung darüber, ob eine tiergestützte Therapie eine (Lebens)Hilfe sein kann, erhalten Sie gerne vor Ort von Frau Melanie Weigl. Oder machen Sie’s wie ich und übernehmen für EURO 96.- für ein Jahr eine Tierpatenschaft. https://www.alpakafarm-hirtenaue.de/

Die Auswahl meines  „Adoptivkindes“ war schwerer als gedacht, denn sie sind – ob blond, ob braun, gescheckt oder schwarz – alle so liebenwert anzusehen und in ihren Augen scheint sich die ganze Seele ihres friedlichen Wesens widerzuspiegeln. Man möchte alle ständig knuddeln, die Kopflöckchen streicheln, und durch das Fell den warmen Körper spüren. Die knappe Stunde vor Ort im Gehege war wirklich wohltuend und ich kann mich gar nicht an den haarigen Öhrchen satt sehen, die mal angelegt, mal pfiffig aufgestellt sind und manchmal – je nach Geräuschwahrnehmung – in verschiedene Richtungen stehen.

Letztendlich  habe ich mich für den kecken halbstarken Hengst „Black Diamond“ entschieden. Ich bin erst seine zweite Patenschaft, da von Kindern meist farblich hellere Tiere bevorzugt werden. Gleiches gilt aus Gründen vielfältigerer Farbgebungsmöglichkeiten auch für die Wollindustrie.

Auf „Blacky“ ! Möge er wachsen und gedeihen, seine Gene in die Erde pflanzen und vielen Menschen weiterhin Entspannung und Freude bringen! Aus dem kleinen Shopangebot habe ich noch schnell einen Eierwärmer aus Alpaka-Filz und etwas Garn für einen superweichen, warmen Rundschal mitgenommen. Wenn es ihre Zeit erlaubt, also bei Wind und Wetter Futtersäcke geschleppt, Tierpflege betrieben und sonstige betriebliche Erfordernisse erledigt wurden, setzt sich die junge engagierte Frau Weigl auch selbst an’s Spinnrad. Der edle Zwirn ist unglaublich ergiebig, hat aufgrund der Qualität aber auch seinen Preis.

 

Hinweis: keine Kooperation, ausschl. persönliche/s Unterstützung/ Erlebnis

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Petra
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