Gleißendes Licht, blauer Himmel, tief verschneite Tannen. Schon bei der Anfahrt geht einem das Herz auf und für einen Moment glaube ich in Skandinavien zu sein.

Doch schon nach etwa einer Stunde und 20 Minuten Autofahrt biege ich auf etwa 950 Meter Höhe in einen kleinen Seitenweg ab und rolle bis an die Absperrung der Liftstation. Außer mir sind nur zwei weitere Autos geparkt. Ganz gelassen ohne Gerempel, Huperei, Parkplatzjagd und Kindergenörgel steige ich aus. Es ist fast totenstill, nur der frisch gefallene, kompakte Schnee knirscht unter meinen Füßen. Mein Blick fällt auf den ganz leise surrenden, fast historisch anmutenden Skilift keine zehn Meter von mir entfernt; niemand zu sehen. Unter einer Überdachung warten rund 20 Schlitten einsam auf Rodelgäste und auf dem Tischchen davor liegen QR-Code-Hinweise sowie die Platzregeln aus. Als ich mich schließlich daran mache meine Alpin-Skier aus dem Skisack zu befreien, höre ich seitlich von mir unvermittelt ein freundliches „Hallo – schön, dass Du bist. Bitte einfach per Smartphone registrieren und es kann los gehen“.

Träume ich oder wach‘ ich. Fast muß ich mich kneifen, um zu realisieren, daß die vor mir liegende fast unberührte Pisten-Szenerie Wirklichkeit ist und ich gleich mit dem Schlepplift bergauffahren werde. Und das in Corona-Zeiten, wo ansonsten alle touristischen Einrichtungen geschlossen sind und der schlimmste Feind des Menschen bzw. seiner Gesundheit angeblich Licht, Luft und Einzel-Sportaktivitäten in der sonnigen Natur sind. Und insbesondere Skifahrer nur das Eine wollen: Party machen!? Wer so etwas proklamiert, dürfte wohl Fußballer sein. Also ganz ehrlich: wenn ich nach 2-3 Stunden intensiver Slalom-Abfahrt von der Piste komme, bin ich erschöpft und schaffe vor einem heißen Bad gerade noch einen „Kaiserschmarren“ – dann natürlich auch gerne mit einem Jaga-Tee“.

Nein, das hier ist alles Realität, weil ich täglich „Möglichkeiten-Recherche“ betreibe,  und – vor allem – weil sich drei unerschrockene Schwarzwälder  per 02.01.2021 mit einer grandiosen Idee gegen die oft pauschal erzwungenen behördlichen Schließungsauflagen durchgesetzt haben. D.h. sie firmieren mit ihrem kleinen Liftbetrieb nicht als Bergbahn, sondern als stundenweise vermieteter „Bergaufrodel“. Warum auch nicht? Hier gab es noch nie Apre-Ski-Orgien, allenfalls einen Glühwein. Auch das sog. „Aktive Lift-Anstehen“ wenn hunderte „Brettl-Freaks sich regelmäßig auf die Ski treten, um sich vorzudrängeln oder glauben zu Fünft in einem Vierer-Sessel platznehmen zu können, ist hier unbekannt. Die sog. Bügel kommen einzeln mit genügend Abstand am Lifteinstieg vorbei, man greift sie selbständig und allein die Skilänge sorgt während des Anstehens – zu dem es hier mangels Masse erst gar nicht kommt –  für den gewünschten, natürlichen Abstand.

Als ich langsam nach oben gleite, kommen Kindheitserinnerung auf und ein wenig fühle ich mich wie in einem alten Bergfilm mit Louis Trenker oder Fuzzy Garhammer. In ca. drei Minuten ist man oben und hat vom Liftausstieg aus zudem einen tollen Blick in weitere verschneite Hügelketten des nördlichen Schwarzwaldes unweit von Bad Herrenalb in Richtung Freundenstadt.

Langsam steigt die Sonne über den Berg und der Schnee beginnt zu glitzern „Möcht‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch Du bist so schön„… ich verharre noch einen Moment und dann geht’s endlich mit Schwung zu Tal. „Skii-foarn“ …. 13 mal hoch, 13 mal runter, mal links, mal rechts, mal in langen Bögen quer über die Mitte des Hanges.

Freilich ist der Hang bzw. die Abfahrtstrecke nur rund 600-700 Meter lang und knapp 100 Meter breit und damit nicht gerade ein Pisten-Eldorado, aber derzeit ist genau dieser Ort ein exklusives Wintersportvergnügen. Eine Skipiste für eine Stunde ganz für mich allein ohne auf Mitfahrer achten zu müssen – einfach HERRLICH!

Aktuell erlaubt wäre zum Preis von EURO 150.- pro Stunde auch eine ganze Familie bzw. alle nachweislich zu einem Haushalt gehörigen Personen. Angesichts der anderenorts üblichen Liftpreise relativiert sich da der Stundenpreis schnell.

Fast bin ich geneigt dieses geheime Plätzchen namentlich gar nicht preiszugeben, und Werbung braucht dieser neue Hotspot nach nur zehn 10 Betriebstagen gleich gar nicht mehr, denn die freien Buchungsslots zwischen 08.00 und 17.00 Uhr sind laut aktueller Homepage bereits mehr als knapp. Wer es aber trotzdem ganz genau wissen und auf meinen Spuren dahingleiten will, wird unter dem Stichwort SnowFun Kaltenbronn im Internet fündig.

Es gibt in Süd-Deutschland (z.Zt. mindestens vier analoge Anbieter; einen davon habe ich am 20.01. ausprobiert und kann die längere, anspruchsvollere Piste am Mehliskopf im Nord-Schwarzwald mindestens ebenso empfehlen!) und Österreich aber weitere Liftbetreiber, die diesen Service anbieten; einfach mal „googeln“. Ganz in der Nähe (ab Parkplatz „Schwarzmiss“ oder Herrenwies) gibt es auch ein hervorragend gepflegtes Loipennetz, so daß auch Langläufer auf ihre  Kosten kommen. Denn wenn dieser Winter etwas Gutes hat, dann, daß er im Gegensatz zum Vorjahr auch bei uns wenigstens einer ist.

In der Tat müssen derzeit viele Begriffe wie „Hotspot“ neu definiert werden. Was aber bleibt, ist das alt hergebrachte Motto: „A bissrl woas geht iimmer“. Natürlich aber nur dann, wenn einige Kreative wenigstens gewisse Freiräume erkämpfen, während andere in der (freilich auch bequemeren) Schockstarre verharren.

Nein, der Typus des C-Virus wird in nächster Zeit ebenso wenig verschwinden, wie bisherige häufig mutierende Grippe-Varianten und andere lebensbedrohliche (Infektions)Krankheiten; und zwar weder durch mehr oder weniger sinnvolle Lockdowns, noch durch (Zwangs)Impfung. Wäre dies so, würde das Covid-19-Virus in China ja nicht immer wieder erneut ausbrechen. Offensichtlich bestätigt sich nun auch die Vermutung, daß sowohl Erkrankte, als auch Geimpfte nach einigen Monaten erneut daran erkranken können – in welcher Form oder welchem Schweregrad sei dahingestellt.

Will heißen: sich jetzt aus dem Leben zurückziehen und auf bessere Zeiten warten, macht wenig Sinn. Denn wer weiß schon, was kommt. Zudem dürfte das inzwischen „weichgespülte“ Europa im Zuge der Globalisierung künftig ohnehin immer in der ersten Reihe stehen, wenn es um verminderte Abwehrkräfte, Bedenkenträgerei und dem Ruf nach einem Leben mit Rundumversicherung geht. Das alles wird – ähnlich des Brexit – einen Preis haben, den am Ende niemand wollte.

Carpe Diem! … entdecke die Möglichkeiten, ein Stück Normalität tut einfach gut.

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