Obwohl Eis und Schnee meine Lieblingselemente sind, ist Eisbaden nicht meine Welt. Auch Tauchgänge im kalten Wasser nach der Sauna wirken mir auf den Körper zu aggressiv. Bei schnellem Temperaturwechsel macht da auch schon mal mein Kreislauf schlapp. Was mir aber gut tut, ist eine kurze KNEIPPKUR IM SCHNEE. Dieses Jahr bauchte man ja gar nicht weit zu gehen. Der Schnee lag ja tagelang auf dem Balkon oder der Terrasse. Und noch ist der Winter ja nicht vorbei.

Der Effekt des Schneetretens ist enorm und hat Langzeitwirkung: Die Durchblutung wird unmittelbar angeregt, die Füße werden nach Beenden des Schneetretens schnell warm und bleiben es auch sehr nachhaltig. Einerseits wird so der der Kreislauf dadurch kräftig angekurbelt und Müdigkeit verschwindet wie von selbst. Andererseits stärken solche Rituale das Immunsystem, sie härten ab und geben Erkältungsviren weniger Angriffsfläche. Entdeckt hat den Nutzen von raschen Temperaturwechseln auf den Organismus Pfarrer Sebastian Kneipp. Kneipp war also nicht nur Naturheilkundler, sondern im wahrsten Sinne ein Hydrotherapeut. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts schickte er seine Patienten durchs kalte Wasser.

Gerade im Winter, wenn unsere Abwehrkräfte geschwächt sind, ist Wasser-, Schnee- und Tautreten eine gute und einfach durchzuführende Maßnahme, um unser Immunsystem auf Trapp zu bringen und unliebsamen Erkältungserscheinungen vorzubeugen. Schneetreten heißt die Alternative zum Wassertreten; zumal im Winter viele Kneippbecken ohnehin leer gepumpt sind.

Schneetreten ist eine kurze, aber wirkungsvolle Angelegenheit. Anfangs reicht eine Minute völlig aus, schließlich will man sich bei mangelnder Abhärtung keine Erkältung oder gar eine Blasen-/ Nierenbeckenentzündung zuziehen. Ich hab’s dabei gerne, wenn die die Außentemperatur bei maximal -3 Grad liegt und am besten die Sonne scheint. Die Füße sollten übrigens erst dann aus Schuhen und Strümpfen, wenn es direkt ins eisige Nass geht.

Bitte Vorsicht bei zu hartem bzw. über Nacht gefrorenem oder gar scharfkantig verharschtem  Schnee. Hier besteht Rutschgefahr! Ein ideales Terrain für das Schneetreten ist eine Wiese, die frei von Streusalzen ist und auf der eine lockere Schneeschicht, also sog. Pulverschnee liegt. Viel Platz braucht man nicht, wenige Quadratmeter reichen aus, um ein bis fünf Minuten im Kreis zu schreiten. Dabei immer in Bewegung bleiben und ggf. auch die Arme einsetzen, beispielsweise in kreisenden Bewegungen. Denn wichtig ist, dass Körper und Füße sich nicht unangenehm kalt anfühlen. Spätestens, wenn die Zehen anfangen weh zu tun, sollte man die Übung beenden.

Schnee- oder Tautreten, so geht’s:

  • Die Füße erst unmittelbar vor dem Losgehen von Schuhen und Socken befreien.
  • Beim Treten das Bein ganz aus dem Schnee heben, damit Luft an die die Fußsohlen kommt. So lange wiederholen, bis sich eine leichte Rötung zeigt.
  • Maximal fünf Minuten durch den frischen Schnee gehen, für Anfänger reicht auch eine Minute.
  • Danach einfach mit feuchten Füßen in warme Socken schlüpfen, Schuhe anziehen und noch ein paar Minuten gehen.
  • Wenn kein Schnee kommen mag, wird einfach Tau oder Raureif getreten. Man erzielt dabei den gleichen Effekt, wenn man die Zeit etwa mal drei nimmt. D.h. Anfänger laufen maximal drei Minuten barfuß, Fortgeschrittene 10-15 Minuten.

Mir macht es einfach Spaß, die Winter-Fitness kommt von ganz allein.

Auch wenn im Corona-Winter alle Freizeit-Sporteinrichtungen geschlossen haben, so hielt die Natur dennoch ein Schmankerl parat: SKATEN DURCH DEN EISWALD.

Nach dem frühen Wintereinbruch mit reichlich Schnee Anfang Januar, kam es Anfang Februar kurzfristig zu Tauwetter. Dabei führten nicht nur die Bäche und Flüsse Hochwasser, auch so manche tiefer liegende Wiese wurde überflutet bzw. drückte sich das Wasser auf  Ausgleichsflächen hinter Deichen und Uferbefestigungen durch. Dann kam die zweite Kältewelle und siehe da, es entstanden dort idyllische Freiluft-Eisflächen; viel schöner als der ewige Kreisverkehr in den konventionellen Eisstadien.

 

Natürlich ist auch hier Vorsicht geboten, insbesondere, wenn man die Örtlichkeiten nicht in trockenem Zustand kennt bzw. man nicht weiß, wie hoch sich das Wasser angestaut hat. Auf jeden Fall erst einmal 5-6 Frosttage abwarten, denn unter 10-15 Zentimeter Eisdicke (Schraubenzieher-Test) sollte man keine Frei-Eisfläche betreten. Außerdem gilt es zu bedenken, daß Natureis oft sehr uneben, rissig und mit Blattwerk verunreinigt ist und damit schwieriger zu belaufen ist, als gehobeltes, geglättetes Kunsteis. Liegt zudem noch Schnee darauf, kann man risikoreiche Stellen kaum sehen und die Sturzgefahr ist überdurchschnittlich hoch. Aus Sicherheitsgründen am besten immer in Begleitung gehen. Schon am Vortag waren hier viele Läufer unterwegs, das Eis sollte also tragen.

Warum ich das erzähle? Ich habe als Vierjährige mit dem Eislaufen begonnen und habe tausende Trainingsstunden auf dem Eis darauf verbracht, hatte aber nie Gelegenheit zum Beispiel mal an einem Natur-Event wie der „Elftstedentocht“ Tour teilzunehmen.  https://de.wikipedia.org/wiki/Elfstedentocht

Zwar war ich 2-3 zu Schaulaufen auf romantischen Waldseen eingeladen, aber noch nie konnte ich durch einen Eiswald ähnlich dem Spreewald laufen. Im letzten Moment konnte ich mir diesen langjährigen Wunsch vor elf  Tagen erfüllen. Kleine Kostprobe gefällig? https://www.youtube.com/watch?v=hS8XpSM7nhc

Schön warm angezogen, statt im Eislauf-Sportdress, muß ich erst einmal eine Sitzgelegenheit zum Schlittschuhe anziehen suchen und es gilt am Uferrand erst einmal fünf Meter Brucheis zu über winden. Leider ist die Sonne verschwunden und die im Eis stehenden Bäume und Sträucher sehen fast mystisch aus. Ich drücke ab und gleite zunächst vorsichtig über die verschiedenen Flächenabschnitte. Einige Stellen sind heller, andere dunkler, weisen kleine runde Vertiefungen  auf und knacken deutlich hörbar. Grundsätzlich gilt: dunkle Stellen im Eis sowie Eislöcher weisen auf eine dünnere Eisdecke hin. Wenn das Eis knistert, knackt oder reißt oder wenn sogar schwallartig Wasser auf die Eisoberfläche austritt, ist dies ein typisches Anzeichen für eine einbrechende Eisfläche. Andererseits ist ein Knacken des Eises allein nicht immer ein Alarmzeichen. Das Eis „arbeitet“, baut wie jedes Material bei Temperaturschwankungen und unterschiedlichen Druckverhältnissen Spannung ab. Will heißen, selbst der bis zu einem Meter tief zugefrorene Baikalsee in Sibierien knackt von Natur aus gar mächtig (teils sind richtige Schläge vernehmenbar); nicht nur, wenn ein LKW darüber fährt. 

Zu meiner Überraschung ist das Eis nicht nur uneben, sondern auch langwellig hoch-tief geschwungen. D.h. es geht mal leicht bergauf, mal bergab. Wo gibt es denn sowas? Gleicht Wasser nach physikalischen Gesetz nicht immer den Oberflächenstand aus? Nein, tut es offensichtlich nicht, was wohl an unterschiedlichen Gefrierzeitpunkten und Untergründen  liegt.  https://www.youtube.com/watch?v=LzpQ_KiNYvw

Wie auch immer, ich war lange nicht auf dem Eis und erkunde immer neue Abschnitte „meines“ Eiswaldes. Zunächst war ich ganz alleine, inzwischen sind zwei junge Skaterinnen dazugekommen. An stabileren Stellen probiere ich auch mal Drehungen und Posen. Ich fühle mich herrlich frei und hätte ewig so weiter laufen können.

Danke Winter, was für ein cooles Vergnügen! … der nächste Winter kommt bestimmt.

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