16.00 Uhr – kleine Teepause. Ich schaue aus dem Bürofenster über eine tropische Gartenanlage hinweg und sehe zwischen einigen Autos ein Kamel die staubige Ausfallstraße entlang traben. Täglich zieht es um diese Zeit, angetrieben von einem Fuhrmann, stoisch einen Wagen mit Gerümpel hinter sich her.  Die Tochtergesellschaft der Pharmafirma für die ich tätig bin, liegt etwas außerhalb von Karachi (16 Mio Einwohner) und ich bin beruflich bereits zum zweiten Mal für mehrere Tage in Pakistans Hauptstadt.

Das Leben ist hier für Europäer Fluch und Segen zugleich. Einerseits genießt man gewisse Privilegien wie ein großes Haus mit Personal und Pool, andererseits ist die Hygiene- und Sicherheitslage stets ungewiß. D.h. man benutzt zum Transport ein starkes, teils gepanzertes Fahrzeug und ist stets von Wachpersonal umgeben.

Bin ich hier auf Dienstreise, übernachte ich aus Sicherheitsgründen stets im Hause des lokalen Geschäftsführers, da es auf internationale Hotels immer wieder Anschläge mit Schußwechseln gibt. Das Privatgebäude ist nach europäischen Maßstäben riesig, vor allem aber ist es von einem gemauerten Sicherheitsring mit 24-Stunden-Wachdienst umgeben. D.h. es gibt permanent Wachpersonal innerhalb und außerhalb des Hauses. Gleiches gilt natürlich auch für Firmengelände.

Ich bin erst gegen 01.00 Uhr nachts mit LH xxx gelandet, war nach Abholung gegen 02.30 Uhr im Bett, hörte aber um 04.30 Uhr schon den Muezzin rufen. Wie immer war es eine kurze Nacht und als ich das Rollo in meinem Gästezimmer hochziehe, kreist unter mir gerade ein bärtiger Typ in Armeekleidung und einer Art Kalaschnikoff über der Schulter. Alles wie immer. Um 08:30 Uhr geht’s in Richtung Firma, da um 09.00 Uhr schon zehn Herren auf meinen Vortrag zum Thema „Value Based Management“ warten.

Trotz allem bin ich gerne hier, denn ich schätze – neben dem schottischen Geschäftsführer – die lokalen Mitarbeiter sehr und sie bringen mir als nicht-muslimische Frau den größtmöglichen Respekt entgegen. Nach der Arbeit wird auch mal ein sehr persönliches Wort über das Privatleben und die Weltlage gewechselt. So formell wie auf dem Titelfoto (entstand ein Jahr zuvor) ging es da nicht immer zu.

Der Weiterflug auf die Philippinen sollte nicht  so stressig werden, da er erst gegen 12.00 Uhr mittags stattfindet. Aber bei Reisen innerhalb Asiens kann der Flug schon mal ein Abenteuer sein. Dabei ist es egal, ob man Touristen- oder Business-Class fliegt. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir ein Flug mit PIA International (nationale Fluggesellschaft von Pakistan) von Karachi nach Manila. Ich bin gewiss nicht ängstlich und habe schon so manches erlebt. Eine alternative  Fluglinie gab es auf dieser Strecke seinerzeit ohnehin nicht.

Inch-Allah. Was ich meine? Nachdem mich eine charmante Hostess mit Schleier am Hütchen zu meinem Sitz in der geräumigen Business-Class geleitet und mir zum Erfrischungsgetränk den Menue-Plan zur Auswahl gereicht hatte, hieß es wie üblich „All doors in flight“ und die Maschine rollt über die holprige Piste langsam zur Startbahn.

Das Anschnallzeichen leuchtet auf und normalerweise sitzt dann auch das Flugpersonal angegurtet auf seinen Plätzen. Ein Crewmitglied blieb jedoch mit ausgebreiteten Armen unmittelbar vor mir stehen. Aus dem Lautsprecher meldet sich der Captain zu Wort. Er erklärt kurz die Flugroute und beendet seine Ansprache mit den Worten (übersetzt) „… und wenn Allah es will, werden wir gegen 17.00 Uhr Ortszeit sicher in Manila landen. Lasst uns beten … “ Unvermittelt ertönt eine Koran-Sure vom Band. Kaum ist diese verklungen, drückt er den Schubhebel durch und die Maschine rattert die endlos erscheinende Rollbahn des Jinnah Airport entlang, bis sie endlich abhebt. Dabei ist das in die Jahre gekommene Inventar wie die Overheadlockers, also der Stauraum für das Handgepäck über den Köpfen der Passagiere, derartigen Vibrationen ausgesetzt, daß diese von besagter Stewardess mit erhobenen Armen bzw. Händen rechts und links zugehalten werden müssen, weil die Schließriegel nicht mehr funktionieren. Das bildhübsche Stewardess hält mit einem leicht gequälten Lächeln stand, bis die Maschine in den Gleitflug geht. Dann eilt sie in Richtung Pantryküche, um routiniert mit dem Bordservice zu beginnen. Das Mittagessen war jedenfalls vorzüglich …

Wem immer sei Dank, daß auch diese Maschine schließlich heil und pünktlich in Manila gelandet ist. Wir mögen aktuell über die beschränkten Reisemöglichkeiten klagen, aber manchmal haben „Home Office“ und „Video-Konferenz“ auch was Gutes.

p.s. Titelfoto: Lokal-Fotograf
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Petra
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