Sie denken jetzt an eine Präsentation der besten und elegantesten Stücke von Gucci, Burberry, Louis Vuitton oder Dolce & Gabbana?… am besten mit so einem kleinen „Schischi-Hundchen“ drin, das gar nicht weiß, daß es ein Hund ist, weil er nur selten einen Fuß, pardon Pfote, auf Wege oder Straßen setzt. Weit gefehlt, was folgt ist ein kleiner Schwank aus dem täglichen Leben.

Die erste Tasche, an die ich mich erinnere, war eine Art rot-weiße Butterbrot-Box mit dünnem Schulterriemchen, die ich stets zu einem roten Mäntelchen trug. Sagen wir mal, laut Kinderfoto fand meine Mutter so etwas damals schick und staffierte mich damit aus.

Zur Einschulung drückte man mir eine riesen Schultüte in den Arm und auf dem Rücken trug ich fortan einen großen braunen Lederranzen. Dieser war im Grunde viel zu groß, aber bei uns galt immer das Sprichwort „da wächst Du schon noch rein“. So ganz unrecht hatten meine Eltern damit nicht, denn soweit ich mich erinnere, trug ich dieses eckige Teil bis zur achten oder neunten Klasse. Vollbepackt war der geräumige  Ranzen so schwer, daß ich manchmal sogar zur Schule gefahren wurde. Oft kam dann auch noch ein Turnbeutel oder spezielles Zeichen- und Bastelmaterial dazu.

In der Jugend, also mit 13 Jahren, folgte schließlich die erste klassische Handtasche. Sie besaß bei abgerundeten Ecken die  Maße 35 x 35 Zentimeter und bestand aus robusten schwarzen Rindsleder mit langem verstellbaren Schulterriemen. Heute würde man sagen, ein wahres unverwüstliches Universalstück. Ausgesucht hatte ich mir die Damentasche nicht wirklich, denn sie war ein Sponsorenstück für die Zweitplazierte eines nationalen Eiskunstlauf-Wettbewerbes – zufällig für mich.

Mit Beginn des Studiums war ich ganz scharf darauf, statt einer Umhängetasche, ein schwarzes Aktenköfferchen zu tragen. Das gehörte bei den BWLern zur Vorbereitung auf das Geschäftsleben zum guten Ton. Als Einkaufstasche dienten in den siebziger/ achtziger Jahren  ganz normale Plastiktüten, die es in jedem Geschäft mit Logo und in allen Größen gab. Von wegen Jutesack oder eigenes Einkaufsnetz.

Ging ich schick aus oder ins Theater, trug ich lediglich eine Clutch oder ein kleines Abendtäschchen aus schwarzem Samt mit Straßsteinen oder silbernen Lurex  bei mir. Noch brauchte ich außer einem Taschentuch oder Lipgloss ja nichts.

Erst nach der Hochzeit und dem Einstieg in das Berufsleben sollte sich das ändern. Meine Arbeitsstellen waren stets einige Kilometer vom Wohnort entfernt und man mußte ja für alle Fälle gerüstet sein, d.h. von Schlüsselbund, Portemonnaie, Handy und Papiere über Kamm, Makeup, Deo, Bonbons und Handcreme etc. bis hin zu Ersatzstrumpfhose und Knirps alles bei sich haben. Mit dem Bedarf wuchs auch die Größe der Handtasche und mit der Größe das Gewicht. Aber den Inhalt jeden Tag nach Bedarf neu zu sortieren, war einfach zu aufwendig; also rein damit. Der Verschleiß an Taschen stieg und schließlich brauchte man auch Wechselalternativen. Dem ewigen Umräumen begegnete ich mit dem Trick, einfach eine kleinere in eine optisch passendere, größere Tasche zu verstauen, was sich über die Jahre sehr bewehrte.

Letztlich fand/ findet darin auch all das Platz, was bei Männern nicht mehr in ihre Hosentaschen paßt wie z.B. Ersatzsocken, Kopfschmerztabletten, Sonnenbrille, Brillenputztücher  oder Pflaster. Der Clou daran ist, daß mein Mann nie selbst etwas in meiner Handtasche suchen würde. Der Inhalt scheint ihm geradezu suspekt und obwohl er bei Laibe kein Macho ist, kommen dann gerne so  Sprüche wie: „Der Inhalt einer Wurst und der Tasche einer Frau, ist unergründlich.“

Nun denn, die Zeit vergeht und die Dinge gleichen sich. Nur, daß der Bedarf das ein andere Mittelchen gegen den körperlichen Verfall oder zugunsten einer optischen Aufarbeitung parat zu haben, mit jedem Jahr steigt – und die „Hand“tasche eher einem Seesack gleicht. Mit zunehmendem Alter fällt aber auch das Tragen gewichtiger Gegenstände immer schwerer und nach und nach stellen sich oft entsprechende orthopädische Probleme im Rücken-, Schulter- oder Nackenbereich ein.

MIT ANDEREN WORTEN: mit zunehmenden Alter und wachsendem Haushalt, wächst auch die Taschengröße. Und zudem bekommt der Begriff „Tasche“ gerade in Corona-Zeiten samt Homeoffice  schnell eine ganz neue Bedeutung. Statt zum Shopping – natürlich mit der passenden Handtasche zum Outfit – gehe ich heute gefühlt zweimal am Tag den Müll raustragen und zwar in schicken gelben Henkelsäcken mit Zitronenduft. Manchmal weiß ich schon gar nicht mehr, ob das gestern oder erst heute früh war; die Tage rennen einfach so dahin und im täglichen Einerlei, sprich der Routine, verliert man immer mehr den Überblick. Die „Pestilenz des Alltags“.

Gleiches gilt für den „Tag der langen Arme“, den Einkauf. Man weiß ja gerade nicht, was als nächstes passiert, bzw. ob Toilettenpapier und Nudeln nicht doch wieder knapp werden. Also lieber etwas mehr an den Dingen des täglichen Bedarfs einlagern, um auf der sicheren Seite zu sein. Dabei spreche ich nicht von Hamsterkäufen in den Mega-Einkaufszentren an der Peripherie. Ich wohne in der Innenstadt und will – um mehr Bewegung zu haben – nicht jedes Mal das Auto bemühen. Aber wenn man schon einen Einkaufssack über der Schulter und zwei Taschen rechts und links in Händen hat, dann ist einfach kein Platz mehr für eine Damenhandtasche – von welcher Marke auch immer. Dabei hoffe ich immer, das es nicht regnet, denn wie sollte ich da noch einen Schirm halten?

Und so stehen und liegen meine langjährigen Handtaschen (nur eine einer Nobelmarke) inzwischen stumm in den Schränken, wo sie auch wieder nur Platz wegnehmen. Aber die Themen Platzmangel, Aufräumen und Aussortieren sind eine andere Geschichte. Ach ja, … und wenn ich mal eine Passende für eine Einladung oder dergleichen suche, finde ich sie nicht mehr oder verzichte darauf, weil ich dann erst den halben Schrank ausräumen müßte. Aber beim Suchen begegnen einem Dinge, die man schon längst aus den Augen und vor allem dem Gedächtnis verloren hat.  So kurios es klingt: Diese Art des Suchens spart nicht nur Zeit, sondern auch Geld. Sich im Internet stundenlang nach einer neuen Sommerhandtasche umsehen, kann ich mir für heute sparen. Ich besitze nämlich mindestens vier Stück davon in verschiedenen Formen und Farben.

 

Titelfoto: M. Posthumus
print
Petra
Autor

Write A Comment