Manchmal läuft es nicht wirklich rund. Aber es gibt auch Tage, da fügt sich eins zum anderen; ganz ohne Planung und hohe Erwartungen.

Sommer-Sonntag? Das  Zwischentief blies mal wieder Nieselregen heran und ein böiger Wind tat ein Übriges. Also am besten gleich im Bett bleiben? Noch am Vortag hatte ich an der Ostsee reichlich Sonne „getankt“ und jetzt ließen mich 15 Grad C. regelrecht frösteln. Um 11.00 Uhr wollte „Tin Pan Alley“, eine Berliner Steelband, auf der Freilichtbühne an der Zitadelle in Spandau so richtig mit Karibischen Calypso- und Samba-Rhythmen loslegen. Einheizen wäre jetzt eigentlich gar nicht schlecht. Was soll’s. Als ich gegen 11.30 Uhr die Veranstaltung erreiche, lugt gerade die Sonne zwischen den Wolken hervor. Der tolle Sound und typische Melodien wie Tika-Tika, La Habanera und Conga reißen die Zuschauer (alle mit Abstand platziert ohne  Masken- und Testpflicht) regelrecht von den Plätzen und wirken wie ein Flug in die Karibik. https://de.wikipedia.org/wiki/Steelband

Während die Baßtrommeln, also die großen Fässer im Vordergrund mit dicken Klöppeln geschlagen werden und andere Percussion-Instrumente in erster Linie den Rhythmus vorgeben, wird auf den kleinen, heller klingenden Hänge-Faß-Trommeln mit kleinen Holzsticks die eigentliche Melodie gespielt. Ihren Ursprung haben Steeldrums und Steelpans um 1900 in Trinidad (seinerzeit noch britische Kolonie). Bei den Faßinstrumenten und Klangschalen handelt es sich tatsächlich noch heute um sorgfältig aufbereitete, gehämmerte und gestimmte Ölfässer. Innerhalb der konkaven Faßwände sind verschiedene Klangfelder gekennzeichnet, die für einen guten hallenden Klanganschlag möglichst mittig getroffen werden sollten. Einige Spieler vertrauen ganz auf ihr Gehör, andere spielen „vom Blatt“. Klar, langsame Stücke mag man als Anfänger nach kurzer Zeit vielleicht hinbekommen, aber für die schnellen Rhythmen braucht es schon ein extrem lockeres Handgelenk und Jahre lange Übung. Probiert man selbst die verschiedenen „Metalltrommeln“ aus, hört man recht schnell, welche Klangfelder besser oder weniger harmonisch klingen und wie sie im Rund der Schale angeordnet sind.

Als nach einer Stunde der letzte Schlag verhallt, verheißt der Himmel eine weitere Wetterbesserung und spontan entscheide ich mich nach Berlin-Mitte weiter zu fahren, um endlich mal „Clärchens Ballhaus“ zu besuchen. Fast wäre das historische Etablissement (erbaut 1895) in der Auguststraße 24 vor zwei Jahren zugunsten von stylischen Apartments abgerissen worden. Was hat sich hier nicht schon alles abgespielt: in der oberen Etage im legendären Spiegelsaal speiste und schwofte die „Bessere Gesellschaft“, unten tobte das Volk. Selbst Filmszenen wie z.B.  „Stauffenberg“ oder „Inglourious Bastards“ wurden hier gedreht. Auch heute wird hier regelmäßig Tango getanzt und das einmalige Objekt dient als Event-Location. Selbst zu DDR-Zeiten blieb es in Privatbesitz. https://de.wikipedia.org/wiki/Cl%C3%A4rchens_Ballhaus

Nun aber kann man nach kurzer Schließung im vorgelagerten schönen Openair-Rosengarten wieder herrlich speisen und angenehm plaudern. Traumhaft: ohne lästige Reservierung oder C-Test nehme ich in einem lauschigen Eckchen Platz. Das „Bühler’sche Kalbsschnitzel mit Berliner Kartoffelsalat“ hat hier Tradition; ich aber entscheide mich für „Königsberger Klopse in Kapernsoße mit Rote-Beete-Püree. Dazu einen „Orang-Utan“, Campari mit Orangen-Limo. Inzwischen lacht die Sonne mit ein paar weißen Wolken um die Wette. Manchmal lassen es sich auch Schauspieler wie Ben Becker oder Katharina Thalbach hier gut gehen. Auch „Zwanzigerjahre-Barde“ Max Raabe, der in der Nähe wohnen soll, sei häufiger Gast in dieser „Institution“. Heute alles wohl gelauntes Normal-Publikum;  man kann nicht alles haben.

Gleich um die Ecke in der Oranienburger Straße befindet sich die alte Synagoge und nur 200 Meter weiter das „Museums Ufer“ mit Bode- und Pergamon-Museum etc. Spreeblick kombiniert mit Hinterhof-Romantik sind Trumpf (z.B. die Heckmann-Höfe). Fast bin ich schon wieder am Auto angelangt, als mir der Ausstellungshinweis „Lady Dior“ in’s Auge fällt. Dabei handelt es sich um eine Wanderausstellung von original Handtaschen, die schon auf der ganzen Welt zu sehen war und wahrscheinlich noch bis Ende Juli hier Station macht. Sie ist kostenlos und man erhält durch Guides, Videoclips und Beschilderung viele Erklärungen zu den einzelnen Objekten.

Die Vogue schrieb darüber: https://www.vogue.de/mode/artikel/dior-ausstellung-berlin-lady-dior-as-seen-by . Die hier ausgestellten Handtaschen sind mehr als einmalig, sie sind crazy. D.h. sie sind aus Metall, Keramik, Glas gefertigt oder auch mir Objekten gefüllt wie einem Krokodilgebiss oder einer gefiederten Schlange. Wie auch immer, zur Ikone unter den Taschen wurde die gesteppte quadratische Dior-Tasche erst, als Bernadette Chirac (frz. Präsidentengattin) Lady Diana eine solche als Gastgeschenk überreichte. Lady Di liebte sie in allen Variationen und machte den Stil so populär.

Mittendrin, statt nur dabei. Das kann man alles gar nicht planen, das passiert einfach so …

Entdecke die Möglichkeiten; Berlin ist immer eine Reise wert.

 

Hinweis: Keine Kooperation, ausschließlich persönliches Erleben und Interesse

 

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