Der Begriff Drohne ist seit den andauernden weltweiten Kriegshandlungen seit Jahren in aller Munde. Und nahezu jede Fotoreportage zeigt mittlerweile Luftaufnahmen von Landschaften, Städten und Tieren, die schon lange nicht mehr aus Flugzeugen heraus aufgenommen sind. Eines ist auf den ersten Blick also klar: Drohne ist nicht gleich Drohne. Ja nach Größe, Gewicht und Funktion, kann man grob in Lasten-, Kampf-, Foto- und Sportdrohnen unterscheiden.
Alles was man über Sport- bzw. Renndrohnen wissen muß und welchen Spaß man beim Fliegen haben kann, erfährt man zum Beispiel bei einem Treffen mit den Carbon-Eagles, die ihr Openair-Trainingsgelände vor den Toren von Hamburg haben. Aaron und David sind begeisterte FPV-Piloten (First Person View, also Sicht aus der Ich-Perspektive eines Flugmodells bzw. Kamerafluges) und gerne bereit ihre Leidenschaft mit anderen nach Voranmeldung unter: „info@carbon-eagles.de“ zu teilen. Vom Einsteiger bis zum Racer kann hier jeder mitmachen.
Was passiert beim Drohnen-Racing genau?
FPV-Drone Racing ist für wahr ein Hochgeschwindigkeits-Rennsport, welcher die virtuelle mit der realen Welt verbindet. Die Piloten steuern dabei ihre Renndrohnen – auch Quadcopter genannt – schnellstmöglich durch gesicherte dreidimensionale Rennstrecken in In- und Outdoor-Locations.
Bei Trainings und Wettkämpfen gilt es, die Hindernisse zu umfliegen oder durch sog. „Gates“ zu manövrieren. Gewinner wird, wer dies mit Erfolg bzw. am Schnellsten schafft. An jeder Drohne ist eine Kamera befestigt, die das Bild der Kamera automatisch und in Echtzeit an eine spezielle FPV-Brille – die der Lenker auf hat und bei Bedarf auch an das Publikum via Bildschirm – überträgt. Der Pilot sitzt so quasi selbst im Cockpit und steuert via Fernsteuerung seine Drohne live. Ultimative Action ist allgegenwärtig, denn die Drohnen erreichen leicht eine Geschwindigkeit von 160 Stundenkilometer. Schiedsrichter braucht es dabei keine, die Teilnehmer bewerten sich dabei selbst, schließlich kann man den Flug ja im aufgezeichneten Replay kontrollieren; es sind also echte Friedensdrohnen.

Insgesamt bietet der TSV Elstorf (etwas außerhalb nahe Neu Wulmstorf gelegen) mit verschiedenen Unterabteilungen wie Hockey, Fußball und eben Drohnenfliegen etc. ein gepflegtes Trainingsgelände. Eine Mitgliedschaft ist schon für 13.- Euro pro Monat zu haben und das Fluggelände dann schon mit verschiedenen Parcourshindernissen und Startrampen präpariert. Sein Equipment muß man nach 1-2 Schnupperstunden allerdings selbst mitbringen. Als Gastflieger ist man schon mit 5.- Euro pro Tag dabei.
Schon nach wenigen Minuten sachkundiger Erklärungen schwirrt mir als Nicht-Gamer – vor lauter Abkürzungen und Technikdetails (analoge und digitale Systeme, Akkustärken/ Angaben zur Leistungsfähigkeit, Agilität, Sensortechnik, Horizontwinkeln etc.) der Kopf. Ganz ungefährlich sind die Dinger bei Irrflug wegen ihrer scharfen kleinen Rotorblätter zudem nicht, weshalb das Regiepult überdacht und mit einem Frontnetz gesichert ist. Die Finger der beiden Kunstflugpiloten vibrieren nur so beim Steuern der beiden Lenkstifte der Konsolen. Mit bloßem Auge sind die kleinen Flitzer trotz farbiger Markierungen beim Umkreisen des Feldes kaum auszumachen. Sie sind eher zu hören, denn 800 Umdrehungen der vier kleinen Rotoren je Sekunde, bilden ein sehr spezielles Geräusch ab; insbesondere bei einer Art Kick-Start, wenn sie wie Raketen in die Höhe schießen.
Im Gespräch erzählt David – der in der IT-Branche arbeitet – zufällig, daß er eigentlich Höhenangst und, naja, auch etwas Flugangst habe. Er muß selbst Schmunzeln, da bleibt er lieber am Boden und läßt fliegen d.h. er verläßt sich lieber auf sich selbst.
Ohne Frage trainiert und fördert Drohnenfliegen – egal ob am Computer oder live Outdoor – Gehirn, Geschicklichkeit, technisches und physikalisches Denken, Konzentration und vor allem das Reflex-/ Reaktionsvermögen. Es kann aber auch den Geldbeutel strapazieren, denn ganz billig ist das Equipment nicht. Einsteigermodelle sind ab 1.500.- Euro zu haben, der Gebraucht-/ Secondhandmarkt sei aber groß, so meine neuen Fliegerfreunde. Um die 150-180 Stundenkilometer sind die fliegenden Luftakrobaten hier vor Ort schnell und mit der Handykamera nur schwer zu verfolgen; der Rekord liegt angeblich bei über 600 Stundenkilometern. Drohnen können sich blitzschnell in jede Richtung bewegen, rotieren, in der Luft still stehen und gerade im Steilflug die grellsten Surr- und Schwirrgeräusche von sich geben. Ultimative Action ist allgegenwärtig, denn je nach Power bzw. Akkustärke, ist ihre Beschleunigungsfähigkeit sensationell: von Null auf 200 Stundenkilometern in zwei Sekunden (!)

Was gilt allgemein für jeden Drohnenflug, egal ob Foto- oder Renndrohne?
Drohnenfliegen erfordert in Deutschland eine Haftpflichtversicherung, eine Registrierung (eID) des Piloten beim LBA (ab 250g oder Kamera) und die Kennzeichnung der Drohne. Die maximale Flughöhe beträgt 120 Meter, der direkte Sichtkontakt ist Pflicht und Flugverbotszonen wie z. B. Flughäfen, Naturschutzgebiete, Menschenansammlungen, Privatgelände etc. sind zu beachten bzw. ein Überflug verboten.Genaueres darüber bzw. welche Vorabchecks unerläßlich sind, können Drohnenpiloten auf den Seiten der DFS (Deutsche Flugsicherung) nachlesen.


Eigene Flugversuche?
Schließlich will ich auch einmal ins Cockpit und so ein „properes kleines Kerlchen“ steuern. Will heißen: 3D-Brille auf uuud los??? Nee, ich darf erst einmal vor dem Bildschirm Platz nehmen, um überhaupt ein Gefühl für Aufstieg, Flugstabilität, Lenkverhalten, Kurventechnik und Höhenkontrolle etc. zu bekommen. Und das ist auch gut so, denn fast alle meine Flugversuche enden mit einem unzulässigen Verlassen des Luftraumes oder einem Absturz. Unter 30 Stunden schaffen es Neueinsteiger laut Expertise der beiden eher nicht; da wären meine Flugversuche gar nicht mal schlecht gewesen. Der Punkt ist, bei paralleler Bedienung ein Gefühl für das Zusammenspiel der beiden mit unterschiedlichen Funktionen belegten Joysticks zu entwickeln. Relativ einfach zu Handhaben ist nur der übliche Umgang mit Links und Rechts bzw. Hoch und Runter im Sinne von vorwärts und rückwärts. Aaron vermag die Handhabung exzellent zu erklären, aber nur Übung macht den Meister.
Schnell, schneller, am schnellsten?
Die beiden trainieren aktuell u.a. für den North Cup, der am 01.08.2026 hier auf ihrem Gelände des TSV Elstorf stattfindet. Heimvorteil? Nun ja, es gäbe da einen, der die ausgeflaggte Strecke fast dreimal so schnell absolvieren würde – uihh. Auch bei den beiden klappt nicht jedes Manöver und es klatscht, wenn das Fluggerät an einem Gatter hängenbleibt.
Ich werde mir bis dahin nach Möglichkeit einen Trainingssimulator zulegen und auch dabei sein, wenn dann die 30 Starter im Wettkampf ihr Können zeigen. Hoffentlich spielt dann das Wetter mit, denn bei Regen bleiben die Flitzer schön brav am Boden im Trockenen. Hier schon mal ein Eindruck von den Renntagen – da geht die Post ab!!!! Youtube-Trailer über den North Cup.
Sagen die Fischer „Petri Heil“ und wünschen sich Seeleute immer „eine Hand breit Waser unter dem Kiel“, heißt es bei den Racepiloten wohl so etwas wie „immer eine ruhige Hand am Joystick und happy landings“.
