Seit den frühen Morgenstunden des 30.07. rollte die neue Hamburger Sternbrücke auf 1.088 Rädern zu ihrem Bestimmungsort in der Max-Brauer-Straße/ Ecke Stresemannstraße. Nach gut vierhundert Metern war dann gegen Mittag auf Höhe der Langenfelder Straße vorerst Schluss. Erst am Abend sollte der Transport weitergehen.
Die neue Sternbrücke war am gestrigen Vormittag auf das letzte Teilstück ihrer spektakulären Reise mitten in Hamburgs gegangen und hatte 16 Stunden später ihre endgültige Zweckposition erreicht.
Die Mitarbeiter der niederländischen Transportfirma Mammleo konnten daher über die heiße Mittagszeit eine Pause einlegen. Das 108 Meter lange, 21 Meter breite und 3.700 Tonnen schwere Bauwerk sollte erst gegen 20.00 Uhr wieder in Gang gesetzt werden. Der komplizierte Drehprozeß und der Einhub waren dann für die frühen Freitagmorgenstunden bis spätestens 04.00 Uhr geplant.


„Wichtiger Knotenpunkt endlich bald wieder flott“
Hamburgs Verkehrssenator A. Tjarks bezeichnete die neue Bahnüberführung im Stadtteil Altona als „einen zentralen Punkt im europäischen und städtischen Bahnnetz und die gemeinsame Projektarbeit eine „Koordinierungsleistung der Extraklasse“.
Nach Neueröffnung Ende August sollen dann wieder bis zu 1.000 Züge pro Tag auf der sog. Verbindungsbahn unterwegs sein. Täglich seinen allein rund 90.000 Personen in diesen Zügen unterwegs. Dazu kämen um die 23.000 Pkw und gut 5.000 Radfahrer, die unter der Brücke durchfahren. Die Brücke soll so zu einer erheblichen Verbesserung der Infrastruktur mitten in Hamburg beitragen.
„Moderne Technik läßt Stahlkoloss mühelos dahingleiten“
Vorschub leistet der selbstfahrende Megatransporter durch 48 sog. SPMT-Einheiten (= Self-Propelled Modular Transporter). Alle 1.088 Räder sind individuell manövrierbar und wenn nötig um 360 Grad drehbar. Die Maximalgeschwindigkeit beträgt theoretisch einen Kilometer pro Stunde – der Geschwindigkeitsrekord wurde in diesem Fall verständlicherweise nicht erreicht.
Für den Transport bis zum Brückenkopf mußte die Straße um gut 50 Zentimeter aufgeschüttet und mit Stahlplatten verstärkt werden. Schon am vorherigen Mittwoch war die Brücke zudem gut 50 Meter seitwärts versetzt und auf die nötige Einbauhöhe von sechs Metern angehoben worden.
„Historische Straßenkreuzung wird zum Hotspot der Hansestadt“
Das ziemlich genau 100 Jahre alte Vorgänger-Modell sei laut Tjarks nicht mehr reparabel gewesen und man gehe davon aus, daß das neue Modell ebenfalls die nächsten 100 Jahre überdauern werde.
Natürlich gab es an dem Neubau auch Kritik, denn u.a. hatten einige Shops und Clubs die unter der alten Brücke ansässig waren, durch den Abriß ihre Existenz verloren. Bis dieser Bereich in der Max-Brauer-Allee wieder zu einem Kulturraum wird und die neue Beleuchtung installiert ist, wird es wohl noch einige Zeit dauern. „Bis dahin ist es noch ein Weg, aber wir sind dabei“, so Tjarks.

Was auch gesagt werden sollte, denn …
Als ich am 30.07. um 12.00 Uhr unmittelbar vor dem Koloss stehe, höre ich wie einer der Ingenieure, der gerade in die Pause geht, zu Bekannten am Straßenrand sagt: „Hier geht es erst gegen Abend weiter, aber man wird sie ohnehin nicht endgültig einsetzen können, weil zwei (Träger)Teile sich nicht 100% richtig positionieren bzw. optimal einpassen lassen werden. Dann muß ein paar Monate später die Straße noch einmal gesperrt werden, um dieses Problem zu beheben.“
Wie auch immer, die neue Sternbrücke ist ein gelungenes Projekt und ein Megaspektakel – solange man nicht Anwohner oder Pendler ist und seit Wochen unter den Baumaßnahmen und Absperrungen leidet. Die neue grau-rote Brücke ist an dieser Stelle, also Stresemannstraße/ Ecke Max-Brauer-Allee in Altona, übrigens schon die Dritte, nach ihren Vorgängern aus den Jahren 1893 und 1926.
Zudem wurden für diesen Akt mitten in der City 86 Bäume gefällt sowie diverse Laternen und das Dach einer nahen Tankstelle gekappt. Teilweise führte das imposante Brückenteil nur 60-80 Zentimeter an den Hauswänden und Balkonen der Stresemannstraße vorbei – im wahrsten Sinne des Wortes atemberaubend.


Die moderne Technik des niederländischen Spezialunternehmens „Mammoet“ machte es schließlich möglich, daß der elegante Koloß gegen 04.00 Uhr früh fachgerecht gedreht und an seinem Platz (vorläufigen) eingepaßt war.
