Worum geht es dieses Mal?
Der gefeierte – und zugleich wegen seinen Kritiken gefürchtete – Gastrokritiker Elmar Schneider (Axel Milberg) schreibt unter Verlust seines Geschmackssinns quasi aus Versehen eine völlig vernichtende Kritik und ruiniert damit ein brandneues Spitzenrestaurant. Als er sich ausgerechnet in dessen Sterneköchin und Mitinhaberin Anna (Maren Eggert) verliebt, muss er sich zwischen Ehrlichkeit und Liebe entscheiden.
Das Drehbuch schrieb Sascha Arango, Regie führte Friederike Jehn. Produzentin ist Eva Holtmann, Executive Producer Nina Sollich (BBC Studios Germany GmbH). Die Redaktion im NDR liegt bei Sabine Holtgreve.
Zum Schauspielteam gehören u. a. auch: Anna von Haebler (Stella Massi), Hedi Kriegeskotte (Conny Kruppke), Marix Turskiy (Shakira), Fridolin Sandmeyer (Alberto), Samantha Scuto Hanses (Valeria) und Anne Weber (Dr. Mende).
Als er nach einer Virusinfektion – von ihm selbst zunächst unbemerkt – seinen Geschmacks- und Geruchssinn verliert, schreibt er ausgerechnet über das neu eröffnete Spitzenrestaurant „AnnaStella“ eine ziemlich vernichtende Kritik, die den Laden fast ruiniert. Die Kritik zerstört nicht nur die berufliche Existenz der talentierten Spitzenköchin Anna Massi (Maren Eggert), sondern bringt auch Elmar in eine persönliche Krise.
Gerne hätte ich den Schauspieler am Set gefragt, wie es um die Fortsetzung der Familienserie „Die Bundschuhs“ (hier spielt er den immer etwas verhuschten Gerald Bundschuh) steht und ob er sich als Mensch Milberg ebenso verhalten hätte wie der Gastrokritiker Schneider. Aber ein O-Ton war nicht zu bekommen bzw. fand für die vor Ort befindlichen Journalisten/ Fotografen nicht statt. Lediglich ein paar Fotoaufnahmen aus einem bestimmten Winkel heraus, waren den sieben angemeldeten Fotografen und mir vor Ort am Set erlaubt. „Herr Milberg und die Produktion wünschen dies und weitere Fotos von den Dreharbeiten nicht“. An diesem Tag wirkte Milberg in der Tat recht konzentriert, teils versonnen und nicht sehr zugänglich.
Was sollte über Axel Milberg wissen?
Der vielseitige Schauspieler und Autor (geb. am 01.08.1956 in Kiel) ist dem Publikum vor allem als kauziger Kieler Tatort-Kommissar Klaus Borowski bekannt. Nach einer klassischen Theaterkarriere startete er 2003 seine Tatort-Karriere, die nach 21 Jahren und 44 Fällen auf seinen Wunsch hin im März 2025 mit der Folge „Borowski und das Haupt der Medusa“ endete. Abschied bedeutet in diesem Fall auch Neuanfang; vielleicht wird die Gastrokritikerrolle auch zu einer Serie, denn Eggert (Jg. 1974) und Milberg scheinen sich durch ihre Zusammenarbeit im Tatort zu schätzen und gut zu harmonieren. Eggert ist mir insbesondere in der TV-Rolle als Ottilie Faber-Castell in Erinnerung geblieben (2019).




Eindrücke vom Drehtag am Set
Ich war am 16.06. bei herrlichem Wetter um die Mittagszeit live dabei, als vor der denkmalgeschützten Oberhafenkantine in der Hamburger Hafencity einige Szenen gedreht wurden. Allerdings darf nur das hier gezeigte Bildmaterial vom Dreh aus diesem Anlaß veröffentlicht werden. Aber man ist trotzdem mittendrin, kann die Mimik der Gesichter studieren, den Auf-, Ab- und Umbau von kleinen Kulissen beobachten. Gerade kommt Sarah Hoffmann mit einem NDR-Team angefahren und parkt neben meinem Auto ab. Flugs noch das Stativ unter den Arm geklemmt und los geht’s.
Milberg indes kommt nicht gerade als Temperamentsbolzen rüber, hat aber eine angenehm weiche Stimme. Für den Dreh hat er sich extra die Haare wachsen lassen und überrascht mit einem Schnurbärtchen, was etwas insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig aussieht, aber offenbar einer Art Künstlerstil entspricht, wie man sich einen Gastrokritiker (laut Drehbuch?) wohl eben vorstellt.
Aber wer Milberg kennt, weiß, daß er sich auf Rollen intensiv vorbereitet, indem er u.a. großen Wert auf radikale Typveränderungen und intensive Rollenstudien legt. Er scheut vor drastischen optischen Veränderungen (einschließlich Perücken), speziellen Kostümen oder dem Aneignen von fremdem Fachwissen nicht zurück, um seine Charaktere authentisch und oft humorvoll oder vielschichtig zu verkörpern. Man denke nur an seine Rolle als Dragqueen Volker.
Auf den Bänken vor der leicht windschiefen, rustikalen Oberhafenkantine sitzen noch etwa 6-7 Komparsen, die ggf. auf einen weiteren Einsatz im Hintergrund warten. Vor ihnen auf den Tellern liegen halb angebissene dünne Bratwürstchen und etwas Brot. Auch Milberg und Eggert stehen in einer Szenen an einem Bistrotischchen eng zusammen und beißen herzhaft in ein Stück Wurst, bevor sie nebeneinander auf dem Fußgängerweg unter der Oberhafenbrücke der Kamera entschwinden.
Das erinnerte mich spontan an meinen letzten Komparsendreh im ARD-Mehrteiler „Weingut Wader“ mit Henriette Richter-Röhl und Leslie Malton in den Hauptrollen. Davon abgesehen, daß das Set samt Traktor, Weinfässern, Tischen und Strohballen an diesem Tag im falschen Hof des Pfälzer Weingutes aufgebaut war, hatte es Ende Juni gegen Mittag 32 Grad im Schatten. Aber es half nichts, ich mußte meine rustikalen, von der Produktion gestellten brauen Lammfellstiefeletten tragen. Die Wurst und das Sauerkraut auf dem Tisch, das ich den beiden männlichen Protagonisten zu servieren hatte dampften trotz Beschirmung in den Drehpausen nur so vor sich hin; eßbar war diese Speisedeko am Ende nicht mehr.
Damals wie auch hier am Drehort gelassene, entspannte Stimmung, obwohl immer wieder LKWs direkt am Set durchfahren und eine benachbarte Baustelle an der Hochbahn teils ohrenbetäubenden Baggerlärm verursacht.
Man darf also gespannt sein, ob der Arbeitstitel Bestand haben wird und wann der Film gezeigt werden wird. Klappe!
