Kurz bevor der Sommer sich verabschiedete, kamen mit XLETIX Kids, dem Schauinsland Muddy Angel Run und der XLETIX Challenge (präsentiert von MaxiNutrition) Deutschlands schlammigste Sportevents in den Norden und feierten mit rund 36.800 Teilnehmenden an zwei Wochenenden den Abschluss der diesjährigen Saison. Die Teilnehmenden erwarteten spaßige neue Hindernisse und unvergessliche Erlebnisse. Wer es über die Ziellinie schaffte, hatte wahrlich Ausdauer, Geschicklichkeit und Willensstärke bewiesen und wurde am Ende mit einem pinkfarbenen „Finisher Armband belohnt.

Nach dem Auftakt des „Kids-Races“ am ersten Septemberwochenende (zur Auswahl standen hier eine drei und die klassische fünf Kilometerstrecke; dafür wurden sage und schreibe 14.700 Tickets verkauft), wollte ich mir den „Schauinsland Muddy Angel Run“ am 12. und 13.09., also das Ladyevent auf der Horner Rennbahn, nicht entgehen lassen. Schließlich ging es dieses Mal nicht um schnelle Hufe, sondern um flinke Beine und unerschrockene „Zweibeinerinnen“. Der Parcours ist definitiv für jedes Fitnesslevel geeignet und ohne Altersbegrenzung. Die bisher älteste Teilnehmerin soll über 80 Jahre gewesen sein; am 12.09. war die die Jüngste 12 und die Älteste 78 Jahre. Die Teilnahme erfolgt natürlich auf eigenes Risiko.

Worum geht es?

Im Vordergrund stehen dabei Respekt, Vielfalt, Witz, Leidenschaft und sportlicher Teamgeist! Auch 2026 wartete auf der Horner Rennbahn ein Event voller Spannung, Spaß und einzigartiger Atmosphäre. Ob im Team, im Duo oder als Einzelkämpferin meisterten – soweit ich sehen konnte – die Damen alle zuvor genannten Herausforderungen, einige lachten sich regelrecht durch den Schlamm und Schaum. Das Event ist so ziemlich für jedes Fitnesslevel geeignet und ohne Altersbegrenzung, da man sich zwischen den Hindernissen Zeit lassen kann. Die Teilnahme erfolgt natürlich auf eigenes Risiko.

Die Laufstrecke war fünf Kilometer lang und statt wie bisher waren 18 statt 15 Hindernisse verbaut! Da gab es ein Tauchbecken, 2 Rutschen, ein Krabbelnetz, diverse Kletterhindernisse, einen Schlammgraben, einen Schaumparcours usw.

Ob klettern, rutschen, krabbeln oder balancieren: Jeder konnte für sich entscheiden, ob er die Hindernisse alleine oder gemeinsam im Team – oder eben durch Umgehung auch gar nicht angehen wollte. Gut eine Stunde sollte man für die Strecke einplanen; zwischen drin gab es zwei kleine Versorgungsstationen. Was es nicht gibt, sind eine Zeitmessung oder zeitliche Begrenzung – Spaß und Sicherheit stehen im Vordergrund!

Wie entsteht der Hindernis-Mix? 

„Jedes Jahr macht sich unsere Angel Mud Crew auf den Weg, um die bestehende Hindernisauswahl zu perfektionieren oder neu zu erfinden“, so der Veranstalter. Denn schon bevor die Saison in Deutschland und einigen Nachbarstaaten startet, heißt es: Testen, ausprobieren, optimieren! 

Ziel des Parcours-Kreateur Fabio ist es, immer frischen Wind in den Run zu bringen. Spontan habe auch ich bei Anmeldung ein Novum vorzuschlagen: Wie wäre es mit einer Strecke, die mit einem sog. Schlickschlitten zu bewältigen ist?

Wie auch immer, alles beginnt mit einer Art Brainstorming, in dem sich das Team von ganz unterschiedlichen Quellen inspirieren läßt; wie Abenteuerspielplätze, Sportparcours oder Formaten wie Ninja Warrior. Ausgewählte Ideen werden dann gezielt weiterentwickelt, indem Skizzen gemacht und erste Prototypen gebaut werden, die nach Tests solange immer weiter angepaßt und optimiert werden, bis man sicher ist, daß das Hindernis einen Mehrwert bietet. Dabei wird insbesondere Sicherheit, Durchsatz, Spaßfaktor und Materialbedarf geachtet.

Eine große Herausforderung ist letztlich auch die Logistik, also wie ein Hindernis ins Setup paßt, wie viele Teilnehmende es gleichzeitig meistern können und welche Distanz für welches Hindernis in Frage kommt. Auch das Design und die Integration von Partnern und Sponsoren sind wichtig, aber Sicherheit steht immer an erster Stelle.

Die bisher wohl verrückteste Idee, war der Entwurf eines Wildwasser-Hindernis für die XLETIX Challenge. Die Teilnehmenden einen Wasserfall hochklettern zu lassen, klingt schon ziemlich grazy. Aber die Macher/ Organisatoren haben es tatsächlich umgesetzt, und das Hindernis kommt so gut an, daß es seit Jahren im Programm ist. 

Live-Eindrücke vom Tag

Für Samstag sind rund 6.300 Damen gemeldet, für den verkürzten Sonntag um die 2.500. Ich wähle den Samstag und der Wettergott sollte mir recht geben.

Gegen 12.00 Uhr herrscht auf dem zentralen Platz mitten im Rennbahnrund bereits ein munteres Gewimmel und das Garderobenzelt ist pickepacke voll Top organisiert erhalte ich binnen weniger Minuten von Julia und der Orga-Crew meine Akkreditierung und das pinke Stirnband (ist als Erinnerung ein Muß!), nehme mit dem 12-Uhr-Starterfeld noch kurz an dem Aufwärmtraining teil und schon geht’s mit Countdown los durch den Startbogen. Nur wenige Meter weiter schon die erste Rutsche in braunes Schlammwasser. Da ich während des Runs ja noch Fotos und Interviews machen will, halte ich mich hier erst einmal zurück. Dann entlang des Weges – hopp, hopp – über ein paar Autoreifen und schon bald kommt mit Nr. 3 die Megaschaumsause ins Blickfeld. Da muß ich rein und stelle fest, daß sich der Schaum überhaupt nicht naß anfühlt und man herrlich darin rumspielen kann.

Dann folgen zwei glitschige Pyramiden, die es zu überwinden gilt und weiter draußen liegen die Wunderwippe und eine Boulderwand. Auf dem Weg dahin spreche ich zwei kleinere Teams an. Beide sind aus Hannover angereist und zum ersten Mal dabei. Sie sind happy hier zu sein, scheinen aber noch recht konzentriert, weil man ja nie wisse, was einen noch erwarte; zuversichtlich spurten sie weiter. Die Farbe Pink und diverse Pettycoatröckchen sind beliebte Accessoires, andere Teilnehmer sind eher in enganliegenden Polyester-Laufsuits unterwegs, denn mit der Zeit saugen sich Baumwollteile und Spitzentutus mit immer mehr Wasser und Schlamm voll, d.h. sie werden immer schwerer. Und vor allem sollte man nur feste Schnürschuhe (keine Gummistiefel !) tragen, sonst können die im zähnen Schlick schon mal verloren gehen. „Hey, wartet mal, …ich habe einen Schuh verloren“, so eine Teilnehmerin nach Station 9.

An der ersten Wasserstation nach etwa einem Drittel des Parcours fällt mir ein Trupp mit Shirtaufdruck „Ohne Uschi“ und mehreren Jahreszahlen auf – offensichtlich waren sie schon mehrere Mal hier. Ich frage nach dem Motiv der Teilnahme und wie es ihnen gerade so gehe. Dabei stellt sich heraus, daß mindestens zwei der Teilnehmer eine MS-Erkrankung haben und hier trotzdem zum wiederholten Male mitmachen – sie kämen aus Bremen. Gerade mache ein Bein meiner Interviewpartnerin nicht mehr so richtig mit, aber man habe ultimativen Spaß und werde es zu Ende bringen, auch wenn es länger dauert. Zudem sind weitere Teilnahmen geplant, so lange es noch geht. Das nenne ich taff!

Dann folgt die ultimative „Navy-Seal-Prüfung“, wo man sich am besten mit Taucherbrille auf dem Rücken unter dem Gitter hindurch durch das brackige, übrigens recht kühle Wasser ziehen muß. Wer da durch ist, rutscht nach dem Ausstieg aus dem künstlich angelegten, mit Schläuchen gewässerten Umfeld freiwillig auf dem Schlamm weiter. Übermütig zerren sich ein paar Girlis an den Beinen, teils auf dem Rücken liegend, durch die Matsche bis zur Grasnarbe. „Spätestens ab der Hälfte macht einem alles nichts mehr aus„, so die beiden Oldenburgerinnen. Pitsch-patsch weiter. Am folgenden „Wasserloch“ mit eher sauberen H2O, mache ich mit zwei pitschnassen Damen aus Rade/ Schleswig-Holstein schnell ein Foto. Die Reihenfolge der Obstacles ist geschickt angelegt. mit Gelegenheit auch wieder etwas sauber zu werden, denn es gibt auf dem Gelände kaum Wasserhähne und keine Duschen.

Dann kommt auch schon ein fünf Meter langes Netz, unter dem es durch zu robben gilt. Eigentlich nicht schwer, aber danach klebt das halbe Rennbahnheu am Körper, usw. An jedem Hindernis stehen übrigens 1-2 Crewhelfer mit Funkgeräten, um im Notfall sofort medizinisches Personal (ist vor Ort) holen zu können.

Dann schaffe auch ich es bis ins Ziel, wo die glücklichen Finisherfotos gemacht werden. Jeder erhält zwei Kraftriegel und eine Flasche isotonischen Durstlöscher. Immer wieder frage ich nach dem Motiv hier dabei zu sein und wie das Erleben auf der Strecke war. Aber egal, wen ich frage, die Antwort lautet unisono:  so etwas muß man einfach mal gemacht haben und es war einfach toll und gibt neues Selbstvertrauen. Vor dem Bällebad dann die große Umarmung mit einem Trupp Hamburgerinnen – ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. 

Auf dem Sammelplatz gibt es genügend Bänke und Stühle zum Ausruhen und wer noch nicht genug oder die Kinder dabei hat, kann auch noch an diversen Gewinn- und Geschicklichkeitsspielen teilnehmen. Langeweile kennt man hier nicht.

Gleichzeitig unterstützt man mit der Teilnahme auch die Aktion „Brustkrebs Deutschland e. V.“ und mithin – bei allem Spaß – ein sensibles Thema. Erwartet wurden an diesem Ladies-Wochenende 8.850 Teilnehmerinnen; damit war auch diese Veranstaltung mehr oder weniger ausverkauft. Teilnehmertickets gab’s für 53.- Euro, Zuschauer zum Anfeuern entlang des Weges (teils auf eigens abgesperrten Wegen) sind immer gerne gesehen und natürlich gratis.

Wer das Event, das jährlich an verschiedenen Standorten stattfindet, dieses Jahr verpaßt hat, sollte es sich schon für 2027 in den Kalender schreiben, wenn es wieder heißt: „Muddy Cheers“ – Der Weg ist das Ziel!

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