Am 09.09. bat Selfmade-Millionär Jürgen Hunke anläßlich des Erscheinens seines neuen Buches, einem gewichtigen Werk von über 300 Seiten, zur Pressekonferenz in sein Mikado-Medienreich im Mittelweg 111 in Hamburg. Das Anwesen in einer klassischen Villa ist ganz in Schwarz-Weiß mit roten Farbakzenten und Spiegelwänden gehalten, flankiert und dekoriert von großen und kleinen Buddhafiguren – seinen „Jungs“.

Der inzwischen 83-Jährige Unternehmer, Buchautor, Investor, Sponsor, Kulturmäzen, Theaterbesitzer und ehemaliger Sportfunktionär, erlangte vor allem durch sein Wirken in Hamburg und seine Verbindung zum HSV Bekanntheit. Er gilt als streitbarer Querdenker und scharfzüngiger Kritiker mit einer großen Vorliebe für die asiatische Kultur. Seit 2015 ist er in zweiter Ehe mit Chung-Li (Sportwissenschaftlerin) verheiratet; das Paar hat eine heute 18-jährige Tochter Sara-Li.

Lebensphilosophie

Hunke, der an diesem Tag gerade erst am frühen Morgen aus Berlin zurückgekommen ist, zieht oft durch unkonventionelle Lebensentwürfe Aufmerksamkeit auf sich. Er besitzt Immobilien in Hamburg, Timmendorfer Strand/ Ostsee und auf Koh Samui. Er beschäftigt sich intensiv mit fernöstlicher Philosophie, dem Älterwerden und der Rolle von reichen Menschen in der Gesellschaft. Er habe – bei allen Fähigkeiten und Fleiß – eben auch Glück bei seinen Unternehmungen gehabt.

Gleich nach Ankunft werde ich kurz von ihm in seinem Arbeitszimmer begrüßt. Ein kräftiger Händedruck von dem stets elegant gekleideten Mann mit der sonoren Stimme, dem man sein Alter nicht ansieht. Wie er später sagen wird, lebe er sehr bewußt, treibe pro Tag eine halbe Stunde Sport, Rauche und Trinke (so gut wie) nicht.

Eine Mitarbeiterin führt mich durch die Geschäftsräume des Hauses bzw. vom Erdgeschoß ins Untergeschoß, wo sich seit Februar 2025 sein jüngstes „Baby“, ein TV-Studio mit eigenem Regionalsender befindet. „Guten Morgen, Hamburg“- die gesamte Pressekonferenz wird aufgezeichnet.

Unter dem TV-Motto: „Aus Liebe zu Hamburg“ hat er 10 Ziele definiert und beabsichtigt von hier sukzessive u.a. 2.000 Personen vorstellen, die Besonderes leisten, kreative Ideen leben, Vorbildfunktion oder abseits des Mainstreams was zu sagen haben. Nach seiner Ansicht könnten gerade Einzelpersonen mehr bewegen, als (inhomogene) Gruppen.

Offene Gesprächsrunde statt klassische Buchpräsentation mit Lesung

In der kleinen Aula startet die Präsentation pünktlich um 11.00 Uhr. Auf der Bühne bereits Platz genommen haben, Moderator Jo Groebel und Buchbiograf Andreas Wrede. Und es wäre nicht Jürgen Hunke, wenn er nicht sofort das Wort ergreift, seine beiden Mitstreiter vorstellt und die Inhalte des Buches anreißt. Er nennt sein aktuelles Werk die „biografische Wahrheit“, in der es sowohl um sein Leben, Wirtschaft und Politik gehe. Er zieht darin eine persönliche Bilanz, nur einige ganz freche Dinge habe er weggelassen. Literatur ist ihm ganz offensichtlich wichtig; vor allem Bücher, weil man nur damit die größte (künstlerische) Freiheit habe und dezidiert und ungeschminkt kritische Themen ansprechen könne, d.h. auch mal mit verschiedenen Herrschaften und Institutionen abrechnen könne. Und schließlich sollen seine Kinder und Enkel (die älteste Tochter sei heute bereits 61 Jahre) mal nachlesen können, welche Standpunkte er vertreten habe. Wer schreibt der bleibt.

Das neue Buch ist unter ISBN: 978-3-00-087102-3 erschienen und überall im Handel erhältlich. 1.111 Hamburger*innen werden es in den nächsten 14 Tagen als Geschenk erhalten. Da viele Menschen heute wenig Zeit für umfangreiche Bücher haben, befindet sich im Buch eine Kurzfassung mit dem Titel „Mein Vermächtnis“.

„Die Stadt als Beute“, ja die etablierten Parteien wie SPD und CDU (wo er Jahrzehnte lang Mitglied war), haben bei ihm inzwischen verspielt. Insbesondere prangert er Korruption und den Hamburger „Pfeffersack-Klüngel“ an; überhaupt seien „Korruption“ und „Krieg“ das Schlimmste, was es gäbe. Vieles von dem was er einst vorhergesagt habe, ist eingetreten. U.a. auf dem Kicker hat er den teils verlogenen Denkmalschutz und die Bürokratie.

Der „Mensch Hunke“

Er macht es dem Zuhörer leicht, da er ganz offen über seinen Werdegang, seine Erfahrungen und Gedanken redet. Was ihn antreibt oder besser umtreibt, wenn er auf die Gesellschaft in Hamburg und Deutschland blickt.

Mit 18 Jahren sei er von der Schule geflogen, weil er sich nur für Religion, Sport und Deutsch interessierte. Mit 19 wollte er schließlich via Bremerhaven nach Australien auswandern, was ein Backenzahn letztlich verhinderte – lange Geschichte.

Er trifft seine Entscheidung oft spontan und läßt sich von niemanden auf der Nase herumtanzen. Sein vielfältiger Werdegang erinnert mich an meine Maximen: „Geht nicht, gibt’s nicht“ oder „Lieber mittendrin statt nur dabei„.

Was könne er schon? Selbst sein Englisch sei eher mäßig. Im Gegensatz zu seinen vier Kindern und sechs Enkeln, die alle drei-sprachig wären und zwei Instrumente spielen würden, nicht viel – naja, das klingt etwas nach Understatement.

Er versuche die Zufriedenheit mehr und mehr zu seiner (Alters-)Philosophie zu machen. Er stamme aus einem evangelikalen Elternhaus (der Vater sei Offizier gewesen), wo viel Disziplin herrschte und vorzeitiges Aufgeben keine Option war. Erfolg durch Ora et Labora.

Aktuell treibe ihn insbesondere die eingeschränkte Lebensqualität von alten Menschen (er sei öfters mal in Altersheimen) und die Bildungspolitik um. Was heute 16-Jährge in Mathe lernen, könnten in China schon die 12-Jährigen; die Konsequenzen lägen auf der Hand.

Gerade durch die Ehe mit seiner chinesischen Gattin sei ihm bewußt geworden, wie viel Kulturen voneinander lernen könnten. Diesbezüglich verrät er exklusiv, daß man in puncto Harmonie im Hause Hunke gerade drei neue Regeln zugunsten einer kreativen Streitkultur pflege: Egal, wie heiß es her gehe, am Ende stehe stets: „Daumen hoch“, „alles wird gut“, „ich hab‘ Dich lieb.“ Schließlich sei er nicht nur im Leben ein schlechter Verlierer, auch beim täglichen Backgammon-Spiel.  Seine Frau, die im Publikum sitzt, lächelt dazu.

Grande Finale

Die Zeit vergeht wie im Flug und Moderator Groebel hat angesichts des agilen Protagonisten wenig Text. Dennoch stellt er abschließend die Frage, ob Hunke sein Lebenswerk nicht episch verfilmt wissen wolle. „Jaaa“, sagt er und wiegt süffisant den Kopf, aber dann nur mit Alain Delon in seiner Hauptrolle (habe ihn mal kennengelernt), aber der sei ja schon tot.

Wie auch immer. Der Mann mag in einigen Punkten polarisieren, spricht aber aus, was viele denken und legt den Finger in so manche sozial-politische Wunde.

Was noch auf seiner privaten Bucket-List steht, wäre eine Art Pilgerreise durch China mit Start oder Endpunkt Shanghai (offizielle Partnerstadt von Hamburg). Spontan schaut er in die kleine, aber feine Runde (unmittelbar vor mir sitzt Sport-Biograf Christian Schommers (u.a. Boris Becker und Kevin-Prince-Boateng), hinter mir einer von Hunkes Weggefährten, mit dem er schon in China war und sagt: „Kommt doch für kleines Geld alle mit, ich lade Euch ein“. „Wir sehen uns in Shanghai“.

 

Anmerkung: Fotos PFritz
print
Autor

Write A Comment