

Worum geht es – Vorhang auf
Mit Schirmbar, Charme und Ski erzählt das Musical von Österreichs größter Leidenschaft: dem Skifahren, das unter Konkurrenten – sei es in der Hotellerie oder im Sport – aber auch schnell mal zum eiskalten Geschäft werden kann.
Hauptprotagonisten sind die Skirennläuferin Anna Maier (Tochter von Hotelwirtin Jessica) und ihr Skitrainer-Freund Franz, sympathisch gespielt von Tiziana Turano und Karim Plett-Pfister. Die Ankündigung, daß die Ski-WM an ihrem Heimatort Saalbach stattfinden wird, stürzt Goldfavoritin Anna in ein Gefühlschaos. Dazu tragen vor allem ihr Freund Franz, die nervige Journalistin Hannah aus Hamburg, WM-Organisationschef Joe, die brasilianische Skikonkurrentin Camilla und Hausdiener bzw. Pistenraupenfahrer Leopold bei. Mit von der Partie sind auch einige Wintersportgäste, die gerade am „Bettenwechsel-Samstag“ für zusätzlichen Streß sorgen. Zum Glück gibt es im besagten kleinen Familienhotel jedoch den besten Kaiserschmarrn weit und breit, um alle zu trösten und sicherzustellen, daß am Ende jeder Topf seinen Deckel findet.
Schräge Einfälle und viele unerwartete Wendungen wie plötzlicher Schneemangel, eine übereifrige Umweltaktivistin und eine unerwartete Liebeskonstellation zwischen den beiden Skikonkurrentinnen Anna und Camilla sorgen für ultimative Kurzweiligkeit.


Den heißen Ritt über die Buckelpiste krönt u.a. Jendrik Sigwart in seiner Rolle als Peppi Unterberger. Genial gibt er den stereotypen Schi-cki-Micki-„Schnee“-Schnösel, der auf alle Skihaserln springt, die nicht bei Drei auf den Tannen sind und der auch sonst zu seinem und letztlich Österreichs Vorteil selbst vor unlauteren Dopingmanipulationen nicht zurückschreckt.
Mit „Jaguartee“ und einem zünftigen Königsjodler auf die Ski Yuchee? Mit Skiern an den Füßen geht auf der Bühne natürlich nicht viel, da hieß es kreativ werden und geeignete Darstellungsformen und Alternativen finden. Letztlich geht es im Theater nur bedingt darum die Realität abzubilden und stattdessen mit spielerischen, fantasievollen Mitteln zu arbeiten, was auch in der Hamburger Fassung hervorragend gelungen ist.
Kulisse und Inspiration für die Handlung ist Saalbach-Hinterglemm im Salzburger Land. Reale Wintersportorte wie Fieberbrunn und die Skischaukel Leogang-Saalbach werden so zur Bühnenfantasie. Ursprünglicher Tenor: Wenn im „Weißen Rössl“ (am Wolfgangsee) seinerzeit die schönste österreichische Sommeroperette spielt, dann soll „Skiverliebt – die Brettln, die die Welt bedeuten“ zum unvergeßlichen Wintermusical werden. Unbestritten ist „Hotel Skiverliebt“ Deutschlands erstes Ski-Musical. Komponist und künstlerischer Leiter des Schmidt Theaters Martin Lingnau (in Nachfolge von Corny Littmann, der sich die Eröffnung und das Schlußwort nicht nehmen ließ) steuert dazu eine umfassende Orchesterpartitur bei, in der neben Austro-Popsongs, Walzerseligkeit, Après-Ski-Hits und andere mitreißende Melodien zu einem neuen Sound verschmelzen. Das ganze Musical wird zum Ohrwurm.
Der leidenschaftliche Skiläufer Lingnau ist nicht nur einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Film- und Musicalkomponisten, er ist auch ein echtes Nordlicht (geb. in Wilhelmshaven) und lebt in Hamburg. Songtexter und Musikproduzent Frank Ramond hat schon für Annett Louisan, Udo Lindenberg uvm gearbeitet. Die Entwicklung des Buches lag bei der österreichischen Autorin Anna Lukasser-Weitlaner, die im Wintersportparadies Osttirol aufgewachsen ist. Die Dialoge schrieb Johannes Glück, die hiesige gelungene Textadaptation stammt von Michael Frowin, der auch als Schauspieler und Kabarettist bekannt ist. Während in Salzburg Andreas Görgen (seinerzeit bekannt als Sohn von Saarland-Comedian Heinz Becker und inzwischen Musicalprofi) Regie führte, zeichnet in Hamburg ebenso gekonnt der Schweizer Dominik Flaschka verantwortlich. Die Choreografie erarbeitete Benjamin Zobrys, die musikalische Leitung liegt bei Markus Voigt.
Premieren-Talk und Prominenz aus Österreich
Anläßlich der Eröffnung hat das Schmidt-Theater gleich neben an ein uriges Winterdorf mit Lichterglanz, Eisstockbahn, einer zünftigen Bar und einem Slalom-Ski-Simulator eingerichtet. Sogar Schneeflocken treiben umher und a zünftige Band – die „Zommhucka Musi“ – spielt auf. Natürlich ist auch für das leibliche Wohl gesorgt: Ein Original-Catering aus Saalbach bietet u.a. leckere Wildfrikadellen und Forellencreme-Häppchen an.


Überdies sind der Tourismus-Chef des Salzburger Landes Leo Bauernberger sowie Hotelier und Ex-Skistar Michael Walchhofer mit einigen Mitarbeitern angereist, um die Wintersportstimmung abzurunden und in eigener Sache zu werben. Man trifft sich wie beim Skilaufen bzw. Apres-Ski zufällig am „Food-Stadl“. Für mich eine Ehre, mich u.a. länger mit dem prominenten Skisportler über Schnee und Eis auszutauschen. Die meisten anwesenden Hamburger Fotografen wußten anscheinend gar nicht, wen sie da vor der Linse hätten haben können, stattdessen konzentrieren sie sich auf die üblichen Hamburger Promis unter den geladenen Gästen. Klar, auch wichtig!
Herrlich endlich mal Gelegenheit zu haben, einen Slalom-Simulator auszuprobieren, der von zwei waschechten Skilehrern betreut wird. In der zweiten Hälfte ramme ich leider ein Tor und verpasse ein weiteres. Bei zunehmender Geschwindigkeit wieder in den vorgegebenen Bildschirm- bzw. Hüftschungrhythmus zu finden, ist fast noch schwerer, als auf der realen Skipiste. Vielleicht hätte ich statt einem Apfelpunsch vorher einfach einen „Elch-Glühwein“ trinken sollen, damit mein „Skischuh nicht so quietscht“. Aber egal, zum Trost widmet mir die anwesende 5-Mann-Band im zünftigen Lederhosen-Look spontan ein ganzes Lied.
Das Stück und seine Wandlung
Erfreulicherweise gerät das Musical nicht zum Klamauk, sondern wird von harmonischen Stimmen, flotten Tanzeinlagen, herziger Spielfreude und wohl durchdachten rasanten Kulissenspielen dominiert. Inhaltlich in das Stück eingeflochten und mit kleinem Seitenhieb amüsant präsentiert, ist ein gewisser Postenklüngel der „Großkopferten“. Oberbürgermeister Oberbichler bestimmt in der Regel was passiert und wer sich über ihn beschweren will, landet letztlich wieder an selbiger Stelle, weil er viele Posten inne hat. Unerschrocken stellen sich ihm vor allem die Auswärtigen, wie die Umweltaktivistin Fiona Grafenreiter (Carolin Spieß) und die meist im gelben Friesennerz gekleidete Sensationsreporterin Hannah Kleinhampel-Huckriede (Katrin Taylor), die schon mal lauthals ein Skirennen kommentiert, ohne davon die geringste Ahnung zu haben.





Dank moderner Technik und mutigen Schauspiel-Skiakrobaten schafft es das Bühnenbild gegen Ende auch etwas Pistenatmosphäre in die Szenerie zu bringen. Neben vielen Details toll umgesetzt zum Beispiel die Idee, die Brettl-Akteure mit Seilen länger auf der Schräge zu halten, etc.
Die Hamburg-Adaptation fand auch bei den anwesenden Österreichern Gefallen, die die Änderungen als durchaus gelungen kommentierten. „In der Ursprungsfassung lag der Schwerpunkt mehr auf dem Skisport, hier mehr auf der Hotellerie“, so Miriam Rappitsch, PR- und Medienmanagerin Salzburger Land. Auch sei sie beeindruckt gewesen zu sehen, wie man in einem doch relativ kleinen Theater mit deutlich weniger Darstellern*innen – dafür teils in Doppelrollen – das Stück so gut umsetzen könne; in Salzburg sei die Bühne fast doppelt so groß gewesen. Zudem sei das Hamburger Publikum so herrlich locker …
Fazit
Wird es Rennläuferin Annas großer Moment werden? Es wurde viel gelacht, geklatscht und zum Finale gab’s Standing Ovations. Egal wie chaotisch es im Verlauf des Musicals zugeht, am Ende gibt es für alle ein Happy End – auch für die seltene Spezies des Unkenblitzers. Mit anderen Worten: A Woansinns Gaudi für Skifreaks und solche, die es werden wollen. Die Wintersaison kann man kaum besser eröffnen, denn wie singt Wolfgang Ambros in seinem Evergreen von 1976 so schön: „…weil Schifoan ist des „leiwaundste“ (alter Begriff für großartig, sympathisch), wos ma sich nur vurstelln kann„. Tickets gibt’s Online und an der Theaterkasse. Schaut doch mal, dann seht Ihr schon …

Der Berg ruft? Wer nach dem Musicalbesuch jetzt Lust hat sich selbst auf Ski auszuprobieren, kann dies zum Beispiel in der Wittenburger Skihalle tun, die von Hamburg in gut einer Stunde (85 km) zu erreichen ist.
Anmerkung: Fotos PFritz, Plakat und Titelfoto Schmidt Theater
P.S. Redaktionelle Anmerkung: Wenn es jemanden gibt, der eis- und schneeverliebt ist, dann die Autorin selbst. In allen drei Disziplinen – Skialpin, Langlauf und Biathlon – ist sie unterwegs und der schneereiche Hamburger Winter des letzten Jahres war für sie ein Fest. In Ermangelung von Bergen war sie fast täglich mit ihren Langlaufskiern in der Umgebung oder auch mitten in der Stadt, ja sogar am Elbstrand unterwegs. Am liebsten wedelt die ehemalige Eiskunstläuferin leere Pisten in eher kleinen Skigebieten runter und kennt auch einige Abfahrten im Skigebiet Leogang-Fieberbrunn.
