





Sein Leben, seine Karriere
Privates, politisches und soziales Engagement
Die Liste seiner legendären Konzerte und Benefiz-Auftritte ist endlos. Er engagiert sich u.a. für die „Afrikahilfe“, „Live Aid“ und „Rock gegen rechte Gewalt“ etc. Im Dezember 2006 gründete er die Udo-Lindenberg-Stiftung, um sich dauerhaft kulturpolitisch, humanitär und sozial zu engagieren. Die Stiftung fördert deutschsprachige Nachwuchsbands mit regelmäßigen „Panikpreis“-Wettbewerben, veranstaltet das Hermann-Hesse-Festival und begleitet soziale Projekte in Afrika sowie in Deutschland. Seit 2015 unterstützt Udo Lindenberg als Botschafter die Umweltschutzorganisation Greenpeace.
Was kann man nicht alles über ihn lesen. Er wohnt seit Jahren im legendären „Hotel Atlantic“ an der Außenalster – stimmt. Seine Suite kostet rund 15.000.- Euro pro Monat – das könnte hinkommen. Sein Vermögen wird auf ca. 35 Mio Euro geschätzt und er besitzt mehrere Sportwagen, darunter mindestens zwei Porsches – warum auch nicht? Gewitzelt wird auch über sein spätes Aufstehen nach 12.00 Uhr mittags – er leugnet dies nicht, oft male er in der Nacht. Deshalb hat er auch die Einladung zum Senatsfrühstück anläßlich seines Geburtstages abgesagt.
Die Frau an seiner Seite ist seit 1990 Fotografin Tine Acke; Mitte der 80-iger Jahre war er mal mit Rockröhre Nena liiert. Ob er immer noch gerne Lakritz ißt, war nicht zu ergründen; Eierlikör trinkt er aber tatsächlich höchst gerne. Darüber, ob aus einer Verbindung mit dem „Mädchen von Ostberlin“ ein gemeinsamer Sohn entstammt (um 1985?), darf weiter spekuliert werden. Wie auch immer es war, er hat sein „Ding“ gemacht und seine Denkhaltung gern vertextet.
Fakt ist, daß er 1989 einen Herzinfarkt erlitt und bis dato unzählige Auszeichnungen erhielt; darunter 2019 das Bundesverdienstkreuz 1. Klasse.








29. April 2026: Udo unplugged
Einmal in seiner legendär-laszessiven Art „Hallöchen liebe Freunde der Panikfamilie“ hören. Am Vorabend der Eröffnung betrete ich über den magentafarbenen Teppich zusammen mit vielen geladenen Gästen die Ausstellung im 4. OG des Stilwerks am Holzhafen. Da steht in einer Ecke nicht nur sein Schlagzeug und hängt seine Lederjacke samt Gegengeschenk von Erich „Honey“ Honecker, eine Schalmei, hinter Glas, sondern sind auch viele bekannte Comic-Graphiken und sonstige Bildwerke gehängt, wie die „Andrea Doria“, seine „Antikriegs-Argonauten“ oder seine „Evolution“. Das Ganze ergänzt durch unzählige Udo-Fotos in allen Lebenslagen. Alles echte Lindenbergs!
Zu Beginn ist fast kein Durchkommen, überall recken sich Mikrophone und Kameras in die Luft. Bereits am Nachmittag wurde das Tribute Album mit dem Titel „We love Udo“ im Astor-Kino vorgestellt. Darauf gratulieren 24 Künstler Udo mit ihren ganz eigenen Interpretationen von Udo-Songs zum runden Geburtstag.
Einige Gäste im Stilwerk haben sich a la Udo mit dunklen Sonnenbrillen oder stylischen Filzhüten geschmückt und jubeln zunächst dem Posing eines Lindenberg-Doubles zu. Und natürlich wird Eierlikör ausgeschenkt. Schließlich kann sich der Meister im grauen Nadelstreifensakko mit gelb gestreiften Schulterstücken höchst selbst, von allen wichtigen Interviews und Medienschaffenden lösen, denen er zuvor mit leicht gestülpten Lippen – mal mehr, mal weniger – unnachahmlich in die Kameras genuschelt hatte. Immer mal wieder tippelt und tänzelt er mit leicht gebeugten Knien auf der Stelle – so, wie man ihn kennt. Er wird zunehmend umringt von persönlichen Bekannten und viel Prominenz aus der Show-, Musik- und Kulturbranche. Meist in seiner Nähe Lebenspartnerin Tine Acke (49 J.).


Für sein Alter zeigt er eine erfreuliche Kondition und ist allen geduldig zugewandt. An einige Gesichter scheint er sich tatsächlich zu erinnern, bei anderen tut er zumindest so. Unzählige Fotos werden gemacht und es wird viel gelacht. Bei einer günstigen Gelegenheit kann auch ich ihn kurz ansprechen und zeige ihm die Buchstaben U-D-O-Versum an meinem Kragenausschnitt. Er lächelt und drückt meine Hand mit der Ghettofaust, also Daumen oben. Als er einen Moment festhält, er hat zarte, gepflegte Hände, bleibt mir noch Zeit für ein Bitt-Statement: „… und der Oberindianer bleibt original im Text“ (irgendwelche „Political-Correctness-Gut-Menschen“ hatten erst kürzlich die Eliminierung des Begriffes „Oberindianer“ aus dem Sonderzug-Song gefordert). Uns trennen nur 20 Zentimeter und verschmitzt schaut der 1,75 Meter große Barde unter seinem Hut mir in die Augen und sagt: „na klar bleibt der drin; an der Stelle singe ich jetzt immer „Iiiiiidaner“. Herrlich.
Zu guter Letzt folgt nach 1,5 Stunden im Erdgeschoß schließlich der Laudatoren- und Musikakt, auf den alle gewartet haben. Kultursenator Dr. Carsten Prosda weist u.a. daraufhin, daß Udo Lindenberg nach Johannes Brahms erst der zweite Musiker sei, dem die Ehrenbürgerschaft der Stadt verliehen wurde (insgesamt sind es 37). Laudatorin Olivia Jones wird indes nicht müde zu betonen, Udo immer als Inspirationsquelle gesehen zu haben. „Er hat immer an mich geglaubt und ich habe viel von ihm gelernt“. Sie würde sich (jemand vom Typ) Udo gar als Bundespräsident wünschen, da er immer für Toleranz und die Liebe eintrete. Sie nennt das „Unterhaltung mit Haltung“ und schwärmt weiter, daß Udo einfach alles könne, sogar Rollschuhlaufen. Er scheine einfach unkaputtbar und werde zu seinem 100. Geburtstag wahrscheinlich von einem Ufo abgeholt.



Dann aber geht’s los. Udo am Mikro, sein Freund und langjähriges Bandmitglied Kravetz am Keyboard. Gleich zu Beginn singt er mit „Hinterm Horizont geht’s weiter“ eines meiner Lieblingslieder; die ganze Eingangshalle singt und schwingt vollmundig mit. Gänsehautfeeling. Nach dem dritten Song tritt als Überraschungsgast kurz „Otto“ auf die Bühne. Eine herzliche Umarmung, ein kurzer Jodler und gegenseitige Bekundungen zur Wertschätzung. Gemeinsam stimmen sie kurz „Highway to hell“ an und erinnern sich an alte WG-Zeiten: Otto schlief einen Stock tiefer und erlebte wie das Wasser aus dem oberen Stock von der Decke tropfte, weil Udo darüber, was auch immer angestellt oder vergessen hatte.
Das Grande Finale gerät fast nachdenklich, denn der „Kids-on-Stage-Chor“ betritt die Bühne und stimmt in sein Lied „Wozu sind Kriege da?“ ein. Ein junger Solist haucht resigniert: „Was kann ich schon tun, ich bin ja nur ein Kind.“ Der erklärte Sozialdemokrat ließ es sich in zwei Zwischenakten nicht nehmen, seine politische Gesinnung klar zum Ausdruck zu bringen und schwört auf gelebte Vielfalt. Schließlich schwingt er sein Likörgläschen, prostet in die Runde von Gästen und Weggefährten (darunter auch sein Freund und Bandkollege „Steffi“ Stephan) und nuschelt etwas wie: „Immer schön auf die Gesundheit achten, aber so ein Eierlikörchen kann ja wohl niemand schaden.“ Mehrfach läßt er ganz typisch das Mikrokabel kreisen; unvermittelt brandet herzlicher Applaus auf. Auch, als er sein Ehrengeschenk – ein riesiges Bild mit markanten Lebensstationen – in Empfang nimmt. Ein Eröffnungsabend mit vielmehr als nur WOW-Effekt – ein Moment für die Ewigkeit.
Und Udo? Er, der für andere Künstler und Weggefährten stets viel Lob findet und jedem den Erfolg gönnt, scheint wahrhaft gerührt über die Mühen seines „Zauberteams“ und wie man ihn in „seinem Hamburg“ feiert. Er versteckt sich auch nicht den ganzen Abend hinter seiner schwarzen Brille, nimmt sie hin und wieder ab; nur der Hut bleibt, wo er ist.
Das erwartet die Besucher im UDOVERSUM
Also rein in die farbenfrohe „Erlebniszentrale„. Die temporäre Pilgerstädte für alle Udo Fans oder solche die es werden wollen, lädt noch bis 31.10.26 dazu ein, die Welt von Lindenberg neu zu entdecken. Ein Schwerpunkt liegt auf Lindenbergs bildender Kunst: So geben zum Beispiel seine berühmten, tatsächlich mit Likör gemalten „Likörelle“ sowie Skizzenbücher und weitere Werke aus dem Atelier spannende Einblicke in sein kreatives Schaffen. Eine neu produzierte Hörführung begleitet durch die Ausstellung und verbindet Musik, Malerei und Show. Eintritt ab 14.- Euro.
Das offizielle Begleitbuch zur Ausstellung im Hamburger Stilwerk (inkl. Diskografie) ist der Katalog „UDOVERSUM. Die große Udo Lindenberg Ausstellung“, herausgegeben von Frank Bartsch. Es illustriert wahren Zeitgeist und verdeutlicht auf 240 informativen Text- und Bildseiten „wie Udo so tickt“. Es ist für 39,95 Euro zu haben und ist bei der Verlagsbuchhandlung Lempertz Edition erschienen.
„Ich habe die Ausstellung selbst noch gar nicht in Ruhe betrachten können“, so Lindenberg. Kuratoren und Veranstalter haben hier tolle Arbeit geleistet. „Ich bin von Beruf Udo Lindenberg, meinen Job gibt es nur einmal auf der Welt“. Besser kann man es nicht formulieren. Alles Gute und weiter so, denn: Hinterm Horizont geht’s weiter …
