Wie heißt es in der Operette „Eine Nacht in Vendig“ so schön …. „Komm‘ in die Gondel mein Liebchen und steige nur ein ….“
Warum also nicht dem hiesigen kalten Wetter entfliehen und sich zum Karneval in Venedig aufmachen und eintauchen in die Welt der Farben und opulenten Roben aus einer anderen Zeit. Eine ganze Stadt zelebriert hier am kommenden Wochenende bzw. bis zum 17.02. das Original des Jahrhunderte alten Maskenzaubers. Das diesjährige Motto lautet: „Olympus, die Ursprünge des Spiels” und ist eine Hommage an den olympischen Geist der gerade in Italien stattfindenden Olymischen Winterspiele in Mailand-Cortina.
Der Begriff „Karneval“ setzt sich übrigens aus „carne vale“ zusammen und bedeutet den Abschied vom Fleisch, also bis zum Ende der Fastenzeit.
Auf nach Venedig
Nach einer durchtanzten Nacht auf dem Wiener Opernball, komme ich mir fast wie ein Schausteller vor, der mit einem Koffer voller Kostüme in Richtung Süden fährt. Denn will man der speziellen Atmosphäre und 800-jährigen Geschichte der Gewänder und Masken nachspüren, wäre der Besuch der Lagunenstadt ohne entsprechende Verkleidung nur halb so aufregend.
Während der Nachtzug so dahin rattert, überdenke ich noch einmal meine bzw. unsere Kreationen, die eher praktisch denn glamourös ausfallen. Bei aller Romantik ist ein klassisch-gerüschter Reifrock nämlich ganz schön sperrig und je nach Wetterlage im Zweifelsfall mehr ein feuchter Bodenfeger, als ein Hingucker.

Neben den klassischen Masken aus Venedig, also den Masken der Commedia dell’arte (der Dichter Goldoni läßt grüßen) und historischen Kostümen finden sich auch dort immer mehr Fantasiemasken. Und schließlich hat eine Halbmaske den Vorteil, daß man auch essen und trinken kann ohne sie abzunehmen bzw. die Identität preiszugeben. Ursprünglich diente der lange Schnabel der Pestmaske übrigens dazu, Kampfer getränkte Tücher darin zu verstecken, um den Virus beim Atmen möglichst fern zu halten.
Auf das gute Wetter in „La Serenissima“ ist mal wieder Verlaß und es verspricht ein angenehm warmer Samstag zu werden. Zwar ist Sonntag der Haupttag der Festivität, dann jedoch ist Venedig so voll, daß man kaum mehr treten kann. Zu Casanovas Zeiten dauerte der Karneval übrigens mehrere Wochen und nicht nur einige Tage. Er beginnt stets damit, daß eine weiße Taube aus Pappmaché an einem Seil vom Kampanile zum Dogenpalast gezogen wird und es über dem Markusplatz Konfetti regnet.


Was zeichnet den Carnevale di Venezia aus?
Gegen 11.00 Uhr starten wir als Colombine und Edelmann zunächst in Richtung Cannaregio-Viertel mit seinen pittoresken authentischen Handwerksbetrieben. U.a. befindet sich hier mit Bevilacqua auch eine der letzten Brokatwebereien. Das Weben auf den historischen Webstühlen ist so anspruchsvoll, daß am Tag meist nur 2-4 Zentimeter zu schaffen sind.
Der Karneval in Venedig spielt sich auf allen öffentlichen Plätzen und weitgehend kostenfrei ab, d.h. in den Höfen der Palazzi, in den Gassen und auf den Kanälen, wo verkleidete Menschen tagsüber und auch nachts feiern, singen, tanzen und sich vergnügen – ein Festival der Sinne.
Die Masken und Kostüme erfüllen heute mehr den Zweck sich zu zeigen, als sich zu verstecken. Sehen und gesehen werden! Augenpaare treffen sich hinter den Masken und zu unserer Überraschung dauert es nicht lange, da werden die Fotoapparate auch auf uns gerichtet. Ganz automatisch schlüpft man so in seine Rolle, wird zum Teil der Szenerie und schreitet fortan würdiger voran und grüßt auch mal posierend in die Menge.


In Richtung San Marco vor der Kulisse der großen Palazzi und entlang des Canalgrande ist die Promenade der glamourösen Kostüme am beeindruckendsten. Darunter verbergen sich häufig Einheimische, die das Flair lieben und sich stilecht zu präsentieren wissen.
Die Zeit vergeht wie im Flug und wir genießen jeden Moment. Traditionell werden zu Karneval „Fritelle“ (frittierte Teigtaschen) gegessen. Wir aber entscheiden uns zur Mittagszeit doch für ein Tintenfisch-Risotto mit einem spritzigen Friulano; später nehmen wir auf der Piazza San Marco im legendären Cafe Florian noch einen Bicerin (geschichtet Schokolade, Kaffee, Milchschaum) bevor wir eine festliche Abendveranstaltung besuchen.
„Möcht‘ ich zum Augenblicke sagen, verweile doch Du bist so schön“ …. aber ein Bild sagt mehr als 1000 Worte, darum sollte man sich dieses Schauspiel einfach nicht entgehen lassen.
