Was wäre gewesen, wenn Schneewittchen den (vergifteten) Apfel nicht gegessen oder ihn Sternthaler geschenkt hätte? Und was hat das mit dem Modelabel „Wonnevolll“ zu tun, das sich mit „3L“ schreibt?

Wenn Märchenträume Realität werden, dann stammen sie aus der kreativen Feder von Eva Hett.Jedes Tuch der Kapselkollektion FAIRY TELLS erzählt seine eigene Geschichte. Von der stillen Hoffnung der Sternthaler über das Erwachen von Dornröschen bis hin zur Erlösung von Schneewittchen – meine Designs verbinden grafische Eleganz mit organisch fließender Anmut„.

Seidenkultur für jede Gelegenheit

In der Tat haben die drei zuvor genannten Märchen die renommierte Designerin Eva Hett zu ihrer neuen Tuchkollektion mit wunderschönen Motiven und Texten inspiriert. Launchparty bzw. Vernissage war Mitte Januar in Hamburg im eleganten Blue Room hoch über der Elbe. Beim Tragen der herrlich griffigen und doch anschmiegsamen Seidentücher und Unisex-Krawatten, die es in verschiedenen Maßen und Formen wie dem „Bowie“ (ein weiches Band einheitlicher Breite) und die „Neckie“-Krawatte (klassische Schlipsform, härter im Griff) gibt, beginnen Ideen und Träume zu fliegen.

Ich liebe die Kombinationsmöglichkeiten von Tuch und (Wende)Krawatte, um sie nicht nur als Hals- oder Schultertuch, sondern gleichzeitig als Haarschleife, Armband, Einstecktuch oder Taschenschmuck zu verwenden. Natürlich sind die Tücher und Krawatten auch als Partnerlook ein Hingucker. Vieles kann, nichts muß und ist einzig die Entscheidung der Trägerin. Geht es nach der Designerin, wurden sie nicht als Herrenkrawatten, sondern bewusst als Damenkrawatten konzipiert. Sie trägt damit dem aktuellen Modetrend mit androgynen Anzügen, lässig weiten Hosen, Sakkos und hochgeschlossenen Blusen Rechnung.

Bei der Auswahl tendiere ich einen Moment lang zu „Model Schneewittchen“, das im Märchen und Design mit den Worten: Weiß wie Schnee (Haut), Rot wie Blut (Lippen) und Schwarz wie Ebenholz (Haar) beschrieben wird. Spontan entscheide ich mich dann jedoch für die teintschmeichelnden, eleganten Roséorange- und Gelbgrüntöne von „Dornröschen“. Neben Vögelchen und einem Igel setzt ein zentrales Kußmotiv a la Klimt ein klares Statement für die Liebe; zudem ist es eine Hommage an einen meiner Lieblingsmaler. Fast immer bestimmt eher die Farbgebung über eine Kaufentscheidung, hier war es  vorwiegend das Design.

Intuitive Identifikation mit dem Motiv?

Genauso ist es. Mit einem Augenzwinkern Jahrhunderte alte Märchenbotschaften ins Hier und Jetzt zu tranportieren, das wünschen sich die Macher des Wonnevolll-Labels, Eva Hett (im Bild links) und Hedda Slagman. Denn ein modernes Schneewittchen würde eher lachen und sagen: „Nein, den Apfel von einem Fremden esse ich sicher nicht“, d.h. moderne Frauen tappen nicht in das Netz von Neid, Naivität und Missgunst. Die Designerin plant neben einer sukzessiven Kollektionserweiterung zudem im Wochentakt Positiv-Videos zu posten und damit eine kleine rundum Wohlfühl-Plattform zu schaffen. Allein schon das Eingangsszenario auf der Website ist zauberhaft.

Von der Muse geküßt

„In der Auswahl dieser ersten drei Märchen liegt unser dringender Wunsch nach schönen Zeiten, Licht, Sonne, Fröhlichkeit, klaren Werten, positiven Visionen und befreienden Farben zugrunde. Die Märchen, die für uns die größten Liebesbotschaften in sich trugen waren eben Dornröschen, Schneewittchen und Sterntaler. In Zeiten die von Krieg und Machtbesessenheit die Gedankenwelt verdunkeln, indem Insolvenzen die Straßen pflastern, da braucht es Mutige die die Fahnen hochhalten, die gründen und die voran gehen. Unsere Grundhaltung ist da also durchaus auch ein gesellschaftsrelevantes Statement, weit entfernt von profanem Modequatsch“. Eva Hett wäre nicht Modedesignerin, wäre sie nicht darauf gedrillt Ästhetik zu kreieren. Sie lacht: „…ansonsten wäre ich Kabarettistin geworden“.

Material und Inspirationskette

Für das Dornröschen-Design wählte sie bewußt sog. warme befreiende Farben, also Rot-, Gelb- und Orangetöne. Nach ihrem eigenen Bekunden war Dornröschen das erste Motiv, das es umzusetzen galt. Und so wurde gleich das erste Tuch ein viel ausdiskutiertes Motiv, was immer wieder verworfen wurde, so Hett im Gespräch. Es gab insgesamt zwei komplett unterschiedliche Gestaltungsansätze. Ziel war es letztlich, daß sich jeder in den Motiven repräsentiert fühlt.  So wurde zum Beispiel wiederholt die Frage diskutiert, wie gegenständlich darf oder soll ein Märchen dargestellt werden. Aus modedesignerischer Sicht war es ein schwerer Prozess, wobei auch eine gewisse verkaufbare Ästhetik zu berücksichtigen galt. Das Thema Klimt bzw. „Der Kuss“ als zentrales Motiv kam da wie gerufen. So war der Bogen zur Kunst schnell gespannt, denn wo passt es besser als im Dornröschentuch.

Ein Schuß Romantik und Augenzwinkermomente sind für Eva Hett schon immer ein wichtiger Bestandteil im Leben gewesen, daher findet man auf dem Tuch einen kleinen Igel, ein Perlen pickendes Rotkehlchen und ein Vogelnest mit einem Diamanten als Kukuksei, der als Symbol für die ausgeladene 13. Fee aus dem Märchen steht; die anderen 12 Feendiamanten sind im Haar des Klimtmotivs enthalten.

Das Material ist ein hochwertiger, schwerer Seidentwill mit festem Grip. Das Seidengewebe hat mit 18 m/m (steht abgekürzt für die Stoffmaßeinheit „Mom-eé) ein relativ hohes Gewicht bzw. ist überdurchschnittlich dicht gewebt. Es gilt daher als relativ strapazierfähiger und luxuriöser Stoff. Man kann alle Teile ohne Probleme mit der Hand und mildem Shampoo oder im Feinwaschgang bei max. 30 Grad in der Maschine waschen. Sie halten sogar ein Bad im gechlorten Pool aus und verlieren unter direkter Sonneneinstrahlung/ UV-Licht nicht an Leuchtkraft. Zum Trocknen am besten flach auslegen und ggf. mit kleinen Nadeln an den Ecken zum Aufspannen etwas fixieren; alternativ auf niedrigster Temperatur bügeln.

Viele weitere Infos zu verschiedenen Themen und dem Shop findet man übrigens auf den Webseiten des Labels.

Nach meiner Auffassung wurde weder bei der Materialauswahl, noch der Verarbeitung irgendein Detail dem Zufall überlassen, was auch das gehobene  Preissegment erklärt. Diese Tücher sind einschließlich der eleganten Verpackung das Ergebnis absoluter Hingabe, bis hin zur kleinen rosa Charityschleife. Wenn da der Postmann klingelt, steigt die Vorfreude.

Innerhalb von nur vier Wochen schafften es die auffallenden Kreationen schon auf die Modeseiten von Magazinen und Zeitschriften. Und braucht man eines der guten Stücke gerade mal nicht, kann man es ja als Kunstwerk im Rahmen an die Wand hängen.

Wonnevolll mit 3L

Ach ja, weil es ohne Frage eine Wonne ist, sein Märchentuch zu tragen und Liebe, Leichtigkeit und Leidenschaft zu spüren und zu leben. Nur wer (diese) Emotionen in sich trägt, kann sie auch anderen weitergeben. „Das Märchen ist in Dir“. Wie sich „mein Märchen“ nach mehrfachem Tragen in den verschiedensten Kombinationen anfühlt und bewährt hat  …. dazu bei nächster Gelegenheit mehr.     

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