… lebt sich’s völlig ungeniert?
Ohne Skrupel Völkerrecht verletzen und in die Autonomie fremder Staaten eingreifen oder einfach ungeliebte Widersacher loszuwerden, scheint zur gängen Praxis zu werden. Die Rede ist hier mal nicht von Putin, sondern von Weltenbefreier und selbsternannten Friedensnobelpreisträger Trump (mal wieder mit Netanjahu im Schlepptau). Ach ja, die sind die Guten, die dürfen das? Die anderen sollen froh sein, daß jemand für sie „die Kartoffeln aus dem Feuer holt“ und besser brav zustimmen?
Ich kann den Unmut und die Verwunderung von US-Freestylers Hunter Hess gut verstehen, den Trump während der Olympischen Spiele in Milano-Cortina als „Loser“ bezeichnete. Nicht, weil er keine Medaille gewann, sondern weil er sich kritisch über die Politk und das Verhalten seines Präsidenten äußerte. Einfach nur, weil man eine Staatsbürgerschaft besitzt, ist man nicht verpflichtet alles gut zu heißen, was eine Regierung tut, oder? Frei nach dem Motto: Wer nicht (bedingungslos) für uns ist, ist gegen uns?
Das geht uns in Sachen Politik doch allen ebenso und eine Staatsbürgerschaft läßt sich nunmal nicht so schnell wechseln etc.
Die lange Welle hinter dem Kiel
Wie auch immer, die Liste der „Staatschefbeseitigungen“ durch die USA ist lang, nicht erst seit Khamenei und Maduro. Mal wurde es geleugnet, mal der Mantel des Schweigens darüber gedeckt oder neuerdings mit Stolz gefeiert.
Die CIA versuchte in den 50er/ 60er-Jahren mehrfach Fidel Castro zu ermorden; mal mit vergifteten Zigarren, mal mit präparierten Taucheranzügen. Alles scheiterte, und schließlich gab Präsident Ford 1976 die besagte Excecutive Order #11905: kein politisches Attentat mehr. Was wurde daraus?
1989 ließ G.H.W. Bush Manuel Noriega in Panama festnehmen, wofür er allerdings eine Invasion mit tausenden Soldaten anzetteln mußte. Als sein Sohn 2003 Saddam Hussein stürzte, waren inzwischen acht Jahre ins Land gegangen und fast eine Viertelmillion Mann im Einsatz. Barack Obama ließ 2011 Osama bin Laden von Navy Seals erschießen. Okay, bin Laden war ein Terroristenführer und kein Staatsoberhaupt. Macht es das besser? Als Trump in seiner ersten Amtszeit 2020 den iranischen General Qasem Soleimani per Drohne töten ließ, war auch das „nur“ ein Militärkommandeur, kein Staatschef.
Was nun 2026 geschah, dürfte andere Dimensionen haben. Maduro war ein amtierender, anerkannter Präsident; Khamenei das geistliche und politische Oberhaupt einer Regionalmacht mit fast 90 Millionen Einwohnern (sein Sohn wurde erst kürzlich als potentieller Nachfolger positioniert). Wie soll das weitergehen? Und wer wird jetzt nicht alles – als Gutmensch – zum Trittbrettfahrer dieser „neuen Politik“ werden? China wartet ja nur darauf, endlich Taiwan „heimzuholen“ usw.
Ein Weltenbrand im Sinne eines 3. Weltkrieges war noch nie so nah. Mal wieder scheint das Gegenteil von gut, gut gemeint. Wir Europärer samt EU sind nur noch Randfguren im strategischen Tauziehen zwischen den Großmächten USA, Rußland und China. Wissen wir es noch nicht oder wollen wir es einfach nicht wahrhaben? Der alte Werteglanz Europas ist ab, die Diplomatie der Worte kaum mehr gefragt.
Wie sagte kürzlich ein Freund von mir: Sei froh, daß Du nicht mehr in der Nähe von Ramstein wohnst. Ich warte nur darauf, daß es am Ende heißen wird: Trump ist ja eigentlich an „Ugly German“. Wie wahr, denn sein Großvater Friedrich Trump war 1869 noch in Kallstadt in der Pfalz geboren, nur ca. 60 Kilometer von der Mega-Militäry-Airbase Ramstein.
