Bereits seit sieben Jahren ist SIEdie quirlige Ostberlinerin mit der unverwechselbaren Stimme und der typischen, schelmischen  Mimik – zur Weihnachtszeit mit verschiedenen Top-Musikern mit IHREM Wintermärchen (Dauer rund 90 Minuten) unterwegs. Am liebsten in HAMBURG, denn dann kann sie, wie sie sagt, die Weihnachtstage mit lieben Freunden verbringen.

Die Liste ihrer TV- und Theaterrollen sowie der Auszeichnungen (u.a. Bundesverdienstkreuz, Grimme-Preis und 2019 den Ordre des Arts et des Lettres im Offiziersrang) ist endlos und man sollte sie möglichst oft live erleben. Die inzwischen 71-Jährige, die am 19. Januar Geburtstag feiert, füllt selbst den Großen Saal der Elbphilharmonie (ca. 2.000 Sitzplätze) gleich mehrere Tage ab 20.12. hintereinander mit 2-3 Vorstellungen pro Tag – das nennt man Kondition und Spielfreude.

Mal mit Stargeiger Daniel Hope (so auch 2026 wieder), dieses Mal mit dem Harfenisten Xavier de Maistre, Asya Fateyeva am Saxophon, der Sopranistin Yeonjoo Jang und natürlich dem Belgrade Chamber Orchestera .

Die Thalbach-Besson-Dynastie

Jedes Weihnachtslied wird in Verbindung mit ihrem Textbeitrag zum Erlebnis ohne abgedroschen zu wirken. Bis heute versucht sie sich zu Weihnachten selbst verzaubern zu lassen, am liebsten mit der „Weihnachtsgeschichte“ von Charles Dickens. Sie lebt abwechselnd in ihrer bodenständigen Theater-WG in Berlin-Charlottenburg und bei ihrem Mann, Uwe Hamacher (seit 2002 ein Paar, verheiratet seit 2020) auf dem Land im Brandenburgischen bei Fehrbellin. Sie nennt Berlin ihren Arbeitsplatz, das Landleben sei für die Entspannung, das Abgleiten ins Nichts. Keines von beiden möchte sie missen.

Noch bis Mai diesen Jahres stand sie in der Komödie am Kurfürstendamm als Hercule Poirot beim „Mord im Orientexpress“ auf der Bühne – zusammen mit Tochter Anna und Enkelin Nellie. Und dann sind da noch die Dreharbeiten zu weiteren „Miss Merkel“-Krimis nach den Romanen von David Safier; nicht zu vergessen ihre einstige Rolle als „Hauptmann von Köpenick“. Das Energiebündel ist auch eine erfolgreiche Theaterregisseurin, die 2022 u.a. „Aida“ an der Dresdner Semperoper inszenierte.

Fragt man sie nach ihrer dunklen markanten Stimme, so käme diese nicht vom Rauchen. Angeblich sagte ihre Sprecherzieherin ihr schon in Jugendjahren voraus, daß ihre Stimme im Alter sicherlich in die Tiefe gehen würde.

Über ihren Werdegang sagt sie selbst: Was soll man anderes werden als Schauspielerin, wenn schon die Eltern Benno Besson und Sabine Thalbach, ja schon Generationen zuvor, alle Schauspieler waren und sich nach dem frühen Tod der Mutter zeitweise sogar Helene Weigel, die Witwe von Berthold Brecht um die kleine Kathi gekümmerte. Mit fünf stand K. Thalbach das erste Mal auf der Bühne; wie ihre Halbbrüder Philippe und Pierre Besson ist sie eine Vollblutschauspielerin. Was wäre uns entgangen, wenn sie keine Schauspielerin geworden wäre. Tochter Anna und Enkelin Nelli sind ihr wie aus dem Gesicht geschnitten, mit ihren Kindern und der Enkelin zusammen zu ziehen, käme ihr jedoch nicht in den Sinn; da hätte jeder seinen eigenen Rhythmus.

Im Dezember 1976 siedelte Thalbach zusammen mit ihrem Partner, dem Schriftsteller Thomas Brasch, aus Protest in Folge der Ausbürgerung von Wolf Biermann von Ost- nach West-Berlin um. Als „Feinde der DDR“ ließ man sie ziehen. Danach hat sie u.a.lange in Paris gelebt und trifft ihre in Frankreich lebende Verwandtschaft bis heute regelmäßig. Sie liebt gutes Essen, hält sich von Alkohol der Gesundheit zu liebe aber fern.

Ein Sofa im „Großen Wohnzimmer der Elbphilharmonie“

Die Mischung aus weihnachtlichen Geschichten, renommierten Solisten und Orchesterklängen bietet einen wahrlich festlichen Rahmen und man vergißt schnell den großen Saal. Die Atmosphäre ist gemütlich, ja fast schon intim (insbesondere in den vorderen Reihen nahe am Geschehen) und die Protagonisten wissen geschickt im Rund zu agieren.

Wenn Thalbach nicht mit Inbrunst – mal bissig, mal schmunzelnd – rezitiert, sitzt sie auf dem (neu bezogenen) Sofa, auf dem einst der ebenso legendäre Vico von Bülow, alias Loriot saß. Da darf auch Loriots bissiges Adventsgedicht von der mörderischen Förstersgattin nicht fehlen. Unnachahmlich dargeboten; Loriot hätte vor Freude in die Hände geklatscht. Begeistert und hingebungsvoll lauscht sie ihren Musikerkollegen. Ihre Augen glänzen geradezu, wenn de Maistre in die Saiten greift. Ein andermal lauscht sie mit geschlossen Augen genüsslich beliebten Orchestermelodien wie „Sleighride“ und „Maria durch ein Dornbusch ging“. Für Konzept und Arrangement zeichnete auch dieses Mal Christoph Israel.

Inzwischen hat sie gar ihre Schuhe ausgezogen und lehnt gemütlich auf dem Sofa; wippt hin und wieder mit den Füßen zur Musik und reckt ihren Hals in Richtung Musiker. In einem Interview sagte sie dazu einmal. „Wenn ich das höre, rieche ich schon den Gänsebraten“. Und spätestens bei dem Lied „Heute Kinder wird’s was geben“ hüpft sie auch mal zum Rhythmus auf dem Sofa herum. Zu anrührend und authentisch, um kitschig zu sein. Schon als Kind liebte sie Märchen und blättert bis heute noch manchmal in ihren alten Büchern. Als sie burschikos das Krippenspiel der sozial etwas schrägen Familie Herdmann szenisch interpretiert, die von Hirten, einer Krippe und einem vom Himmel kommenden Engel noch nie etwas gehört hat, fällt als Erklärung der Begriff „der ist so eine Art Badman“. Ein Kind auf den Zuschauerrängen jauchzt spontan „ja Badman“. Thalbach muß wie das Auditorium auch ad hoc so lachen, daß sie die Textzeile verliert und sich erst wieder sammeln muß – wie sympathisch. Geradezu verzückt läßt sie kurz darauf de Maistre neben sich Platz nehmen, schmiegt sich bei Walzerklängen von Tschaikowskis Nußk(n)acker an seine Schulter – schade, daß die beiden nicht auch ein Tänzchen gewagt haben.

Die Zeit vergeht wie im Flug und zum Finale stimmt das ganze Haus in „O Du Fröhliche“ ein. Während die anderen Künstler gekonnt und charmant performen, scheint sie – bequem und schlicht in Schwarz mit Schleifchen wie ein Schulmädchen gekleidet – jeden Satz, ja jede Sekunde zu genießen. Am Ende Standing Ovations!

Was mag 2026 bringen?

Fragt man die „eigentlich-schon-Renterin“ was sie Weihnachten 2026 vorhat, verdreht sie nur ihre großen runden blauen Augen und sagt ganz Berlinerisch: na, wat denn – Hamburg natürlich. Am besten sich rechtzeitig Karten besorgen; diese gibt es auf allen bekannten (Vorverkaufs-)Portalen wie z.B. ProArte. Der Vorverkauf dafür läuft ab 29.12.2025. Am 04. Juni startet in der Komödie am Kurfürstendamm übrigens erneut ihre „Miss-Merkel Krimigroteske „Mord in der Uckermark“.

Zufällig traf ich sie 40 Minuten vor der Aufführung, als sie gerade aus dem Aufzug des „Westin“ kam. Die graue Wollmütze tief ins Gesicht gedrückt, der Gang leicht gebeugt. Niemand erkennt sie. Sie hat es eilig in die Garderobe zu kommen, aber natürlich bleibt Zeit für ein Foto und ein paar Worte zur Thalbach-Dynastie. „Ah, Sie gehen gleich in die Vorstellung …, na dann … ich muß denn mal“.

Die nur 1,55 Meter kleine Kathi ist und bleibt eine ganz Große ohne Starallüren. Immer anders, und doch immer Katharina Thalbach. BRAVO ! Wie sagte meine Sitznachbarin gleich zu Beginn so schön: „Es gibt Schauspieler*innen mit denen man quasi aufgewachsen und älter geworden ist. Die muß man einfach mal live sehen„.

Den 19. Januar wird sie wahrscheinlich wieder in ihrer Bühnen-Heimat, dem Berliner Ensemble feiern : HAPPY BIRTHDAY & alles Gute!

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