Ich weiß nicht, wie es den Männern geht, den allermeisten Frauen wird „König“ Karl fehlen.

Adieu Karl Lagerfeld

Karl Lagerfeld schlug die Brücke zwischen „High“-und-„Low“-Fashion

Für mich hat er die Modeszenerie wie kein Zweiter beeinflusst und über die Haute-Couture hinaus auch die „Frau auf der Straße“ mit seinen Ideen erreicht und inspiriert; Trends gesetzt und zwar bis zuletzt.

Adieu Karl Lagerfeld
Karl Lagerfeld hat die Brücke zwischen „High“-und-„Low“-Fashion geschlagen.

 

Nun mag ihn – der keinen Schlafanzug besaß, sondern seine 7stündige Nachtruhe in weißen, langen Nachthemden verbrachte – mancher für exzentrisch oder ein bisschen schräg gehalten haben. Aber jeder ist wie er ist und sollte nach seinem Schaffen beurteilt werden. Karl Lagerfeld war eben wie er war: Mozartzopf, Sonnenbrille, hochstehender Kentkragen, abgeschnittene Lederhandschuhe und eine Diät-Cola in Reichweite. Seine Auftritte immer perfekt. Vom weiß gepuderten Haaransatz bis zur Schuhsohle war sicher nichts dem Zufall überlassen. Der Mann, der meistens Dior Anzüge trug, hat keinen Makel zugelassen, jedenfalls in der Öffentlichkeit. Der Anspruch an Perfektion und Ästhetik bestimmte auch sein berufliches Schaffen, das an Kreativität, Einsatzfreude und Vielseitigkeit seines gleichen sucht.

Mode war neben dem Fotografieren, Zeichnen, Designen und Lesen sicher seine größte Passion. Und was er gemacht hat, hat er mit jeder Pore gelebt und geliebt – daran lassen die Ergebnisse keinen Zweifel. Man denke nur an seine Couture Shows. Es waren kunstvoll-feinfühlig-provokante Mode-Inszenierungen, wo Mode und Models sicher ein Teil des Gesamt-Spektakels – aber auch die Bühnenschau und die Kulisse mit immer neuen Themen für die Zuschauer und sicher auch die Designerkollegen an Imposanz kaum zu übertreffen waren. Karl Lagerfeld traute sich was, brachte seine Visionen – kompromisslos wie seine Sprache – auf den Catwalk. Er hat mit seiner Genialität Maßstäbe gesetzt und immer wieder neu fasziniert. Ich finde: Menschen, die in der Lage sind, auf diese Weise „groß“ zu denken verdienen allerhöchsten Respekt – es gibt nicht viele davon.

Viele seiner Sprüche sind legendär

Wie er menschlich war, kann ich nicht beurteilen. Er gehört aber auf jeden Fall zu den Menschen, die ich liebend gerne einmal getroffen hätte. Vis-à-vis diese perfekte Hülle sehen, vielleicht einen Blick hinter die Sonnenbrille erhaschen und sein schnelles, pointiertes Reden hören. Diese unglaubliche Spontanität in der Umsetzung von Gedanken in Worte.  Eine besondere Note war oft in seinen Betrachtungen, wobei er sich dabei selbst nie besonders wichtig genommen hat, vermutlich auch nicht zu ernst – höchst ehrlich war er dabei allemal. Diese Attitüde hat mich immer fasziniert und einige seiner Sprüche haben sich bei mir eingeprägt.
Wann immer mir nämlich jemand in Jogginghose begegnet, schießt mir sofort sein Satz in den Kopf: „Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren.“ Das wird bleiben.

Adieu Karl Lagerfeld

Bleiben wird er für viele auf seine Weise und es passt zu ihm, dass er seinen Weggang akribisch vorbereitet hat. Einer der ist wie er, plant wie die Dinge laufen sollen: für alle die bleiben zum Besten.

Es wird nicht einfach, in seine Fußstapfen zu treten

Auch Chanel wird am 5. März 2019 die letzte Kollektion zeigen, die noch aus seiner Feder stammt und alles wird ablaufen, wie er es sich gewünscht hat. Einem Menschen, der 36 Jahre Chef-Designer dieses ruhmvollen Hauses war, ist das von Herzen zu gönnen. Ich kenne keinen außer ihm, der einen Vertrag auf Lebenszeit hatte und es sind große Schuhe, in die seine Nachfolgerin, Virginie Viard, nun schlüpfen muss.

Wünschen wir ihr, dass Sie seinen Geist in der Mode weiterleben lässt und Frauen aller Couleur auch in Zukunft so besonders anzieht wie er. Zumindest daran können sich doch auch die Männer erfreuen.

Fotos – mit großem Dank an: Beatrix von Winterfeldt-Heuser

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