Hamburg für Insider – die beste Hamburg Werbung ist wahrscheinlich eine Liebeserklärung an die Stadt aus der Ferne.
Ursprünglich waren die Versender einer Flaschenpost in höchster Not, weil sie Schiffbruch erlitten hatten oder aus sonstigen Gründen in der Diaspora gestrandet waren. Für Dorit Ehlers ist das Projekt Schiffssehnsucht jedoch eine Herzensangelegenheit, die sie mit vielen anderen Menschen teilen möchte. Nach dem Anbringen des großen gelben Briefkastens anläßlich des Hamburger Hafengeburtstages 2026 auf dem Lieger im Museumshafen Oevelgönne gleich neben einer kultigen Fischbude, war am 12.06. um Punkt 12.00 Uhr die erste Leerung.
Wie alles begann?
In einem Projektraum in Salzburg baute die aus Hamburg stammende Dorit Ehlers 2018 einen Koffer auf, legte eine Flasche hinein und warf mittels eines Projektors Wellen auf die Installation. Dann fragte sie Bewohner und Besucher ihrer Wahlheimat: „Stell dir vor, du stehst an der Reling. Du siehst aufs Meer, hörst das Meer, riechst das Meer. Was kommt dir in den Sinn?“ usw. Die Antworten kritzelten die Salzburger auf Kärtchen, die gemeinsam mit Ehlers nach Hamburg reisten.
So bekamen die Salzburger im Gegenzug nach einiger Zeit „Flaschenpost“ aus der Hafenstadt; darunter Erinnerungen und amüsante Inspirationen: „Wie komme ich mit dem Schiff von Salzburg nach Hamburg?“, fragte ein Salzburger. „Augen schließen, Wellengeräusche machen, in den Schaukelstuhl setzen, nach 12 Stunden ein Bild von Hamburg ansehen“, kritzelte prompt ein Hamburger auf das Antwortkärtchen. Oder „Wie viele Wellen bis zum nächsten Atemzug?“


Da beschloß Ehlers das „Projekt Flaschenpost“ – ohne Flasche und über Land verschickt – weiter zu führen. „Die Fragen werden zum Teil so liebevoll beantwortet“, sagt sie. Es sollen möglichst noch mehr Städte miteinander kommunizieren und der Gedanke eines „Flaschenpostamtes“ war geboren. Was daraus wurde, kann man in Hamburg inzwischen im Museumshafen Oevelgönne bestaunen. Da hängt seit gut vier Wochen – umgeben von jeder Menge Schiff – besagter gelber Briefkasten, in den man Kärtchen mit seinen Gedanken, Anliegen, lustigen Fragen und dergleichen einwerfen kann – mit der Hoffnung auf Antwort. Da man nie weiß, wann geleert wird, trägt sich so nicht nur eine Art Schiffssehnsucht von Stadt zu Stadt weiter, auch der klassische Flaschenpostcharakter bleibt gewahrt und mitunter fungieren die handgeschriebenen Nachrichten auch als spezielle „Kontaktbörse“.
Die Künstlerin, Schauspielerin und Sprecherin Ehlers lebt seit langem in Salzburg und nimmt mit ihrem Alter Ego „Miss A. Ship“ so Botschaften von Fremden an Fremde auf und mit zu ihren Auftritten. Dort können Besucher sie lesen und – wenn sie Lust haben – beantworten, ggf. auch anonym. Die Art der Antwort kann man je nach Gusto wählen: nette Worte, Fragen, Zeichnungen, alles kann man auf den flaschenförmigen Zetteln notiert werden. Ihr Flaschenpostamt hat nun also zwei ständige Filialen: eine Öffentliche in Hamburg und die Projekt-Dependance in Salzburg.


Was wurde daraus, wie geht es weiter?
Mit Spannung wurde daher am 12. Juni die erste Leerung erwartet. Viele Freunde, Passanten und eine Vertreterin des Museumshafens waren gekommen, um gespannt mitzuerleben, wenn sich Ehlers‘ Schatzkästlein öffnet. Sie alle wurden nicht enttäuscht: exakt 100 Flaschenpostzettel wurden in den letzten vier Wochen seit Eröffnung geschrieben und eingeworfen. Ein toller Erfolg. Spontan wurden einige davon verlesen; mal wieder waren wahre Poeten und Philosophen am Werk. Hier die wichtigsten Momente in Bild und Ton:






Nein, unliebsamer „Beifang“ war keiner dabei; man bringt dem Projekt offensichtlich Respekt entgegen. Alle 100 Exemplare werden nun gesichtet und einige Absender dürfen sich wohl schon bald über eine Antwort freuen. Denn die zugestellte Post wird regelmäßig öffentlich sichtbar gemacht: Insta-Post-Cruise ist immer für Neugierige, Langzeitmitreisende und Tagesgäste unterwegs.
Vielleicht kann eine kleine Flaschenpost ja viel bewirken. VORSCHLAG: Bisher hat Hamburg keine Partnerstadt in Österreich, warum sollten die beiden – Hamburg und Salzburg – nicht demnächst Partnerstädte werden. Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an.
Dorit Ehlers steht für Frauenpower pur: Mal gibt die „Sehnsuchtskapitänin“ Lesungen, spielt am Theater, gibt Kulturtipps oder befeuert ihren Erlebnispodcast und den MissAship-Blog mit neuesten Schiffsmeldungen … also Vorsicht: ein genaueres Stöbern auf ihrer Website kann zur mitreißenden Welle werden, sprichwörtlich (sehn-)süchtig machen. Man darf also gespannt sein, wie es weiter geht. In diesem Sinne Flaschenpost ahoi!!!

A-P-R-O-P-O-S: Da gibt es mit gleichem Namen natürlich noch den coolen, zuverlässigen „Lieferservice Flaschenpost„, der im Grunde eine ähnliche Intension hat: Er versorgt bzw. bringt Menschen zusammen und schippert über Land. „Flaschenpost ahoi!!!“
