In großen Lettern geschrieben fiel mir dieser Spruch kürzlich von der Fassade einer Tanzschule quasi vor die Füße. Da ertappte ich mich doch sofort mit den Gedanken bei meinen Tanzschritten, den ordentlich einstudierten Folgen, dem Schrittmuster nach Lehrplan. Doch weit gefehlt, das alleine reicht dem Tanztrainer ja nicht, der will heben und senken, der will einen Schwung im Lauf übers Parkett, ja mehr noch: Körperneigung, -Haltung, -Spannung, den Kopf im Nacken, Drehungen und jede Menge mehr. Also quasi doch ein ganz klein bisschen über das hinausgehend, was man sich im Allgemeinen unter ‚laufen-können‘ vorstellt, dachte ich so bei mir.

Ganz banal betrachtet ist Laufen aber der Ausgangspunkt dafür, seinen Körper zu Musik in Bewegung zu setzen, wobei ‚setzen‘ für alle Tanzmuffel das bevorzugte Stichwort ist. Man könnte sich auf die Füße treten, sich auf dem Parkett blamieren und wer weiß, am Ende eine peinliche Gestalt abgeben. Die Tanzpartnerin könnte zudem in Bezug auf die geübten Schritte überlegen sein, ihr Ding alleine abtanzen oder gar die Führung übernehmen. Also bloß das alles nicht! Bei den sonst so mutigen Männern kann man in solchen Momenten große Zurückhaltung beobachten. Mann nestelt an der Getränkekarte herum, muss mal „austreten“ und ist so dramatisch beschäftigt, dass einem der Wunsch zum Tanz quasi davonläuft.  Huschen möglicherweise auffordernde Augenpaare an einem vorbei, hilft weggucken. Juhuu, sie hat mich nicht gesehen.

Dabei ist es eigentlich jammerschade, dass uns Hemmungen & Co. eins ums andere Mal das Tanzbein stellen, denn ich erlebe tanzen als eine der wenigen Sportarten, bei denen man gar nicht merkt, dass man Sport treibt. Im Gegenteil, die Bewegung zur Musik lässt die Seele in Wohlgefühl schwingen und den Kopf den Alltagsstress vergessen. Schließlich braucht es im Oberstübchen Platz für Arm- und Beinkontrolle. Wer’s mal ausprobiert hat weiß, wovon ich rede.

Wer laufen kann, der kann auch tanzen
TANZEN ist das pure Vergnügen!

Tradition muss kein schlechtes Omen sein

Meine Eltern lernten sich beim Tanz in den Mai kennen und in ihrer Jugend waren Tanzveranstaltungen Kontaktbörse Nr. 1. War es doch die einzig gesellschaftlich völlig legitimierte Gelegenheit, mehr oder weniger eng umschlungen einem anderen Menschen im Arm zu liegen. Öffentliches Knutschen war schließlich undenkbar. Herausgeputzt tanzte man also bis in die Morgenstunden und jede/r freute sich auf den ersten Tanzkurs. Startschuss für Lust und Vergnügung. Schon zu meiner Zeit war die Beliebtheit deutlich abgeebbt. Eher ungefragt war ein Tanzkurs Bestandteil des Gesamtkonzepts „Ausbildung“ und die Freude der Teilnehmer nicht immer riesig. Vor allem die Jungs mogelten sich gerne raus aus der Packung, was für die Tanzschulen mehr und mehr zur Herausforderung wurde – Männer waren und sind Mangelware.

Das Disco-Fieber war ausgebrochen und der traditionelle Paartanz bekam ein altmodisch-grau-verstaubtes Image. Angesagt waren jetzt moderne Moves zu poppigen oder rockigen ohrenbetäubenden Tönen. Stockdunkel waren die Locations und da ließ es sich in den Ecken ungeniert knutschen (quatschen war ja auch nicht möglich). Ab und zu drangen ein paar Lichtblitze von der Tanzfläche durch, die dir einen Blick auf dein Glas oder die Tasche erlaubten – immerhin. Beim Verlassen der Zappelbuden brummte mir regelmäßig der Schädel und das mindestens, bis ich wieder zu Hause war. Ja, so war das halt.

Und plötzlich überrascht dich der Klassiker

Zu manchen Anlässen ist es doch nach wie vor schwierig, um ein Tänzchen herumzukommen. Immerhin ist es beispielsweise bei Abi- oder Uni-Bällen und auch auf Hochzeiten eine beliebte Tradition, das Tanzbein noch ganz klassisch zu schwingen. Insbesondere bei Hochzeiten zählt der Eröffnungstanz des Brautpaares zu den romantischsten Momenten überhaupt, auf den eigentlich kein Paar verzichten will. Also bloß nicht aufs Kleid der Liebsten trampeln, wenn alle gucken. Klar, dass da auf die Schnelle ein Intensivkurs hermuss, damit am Tag aller Tage bloß nichts schiefgeht. Hier können Männer also richtig punkten und wie Phönix aus der Asche mit einem Tanz zum Helden aufsteigen. Wer die Damen galant zu einem soliden Tänzchen bitten kann, der wird für immer und ewig einen dicken Stein im Brett haben. Ich finde, man muss es probiert haben. Und wenn einmal alle Scheu überwunden ist, kann man auf dem Parkett richtig Spaß haben und seine Liebe dafür entdecken. An dem Zauber von dem was Eltern oder Großeltern erzählen, ist doch möglicherweise etwas dran.

Ergo: Auch die Sänger haben zuerst das Sprechen gelernt 😊…

PS: Wer im Rhein-Main-Gebiet wohnt und gerne tanzen möchte, kann sich an den DJK Balu-Weiss Bieber e.V. wenden.

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1 Comment

  1. Petra

    Was für ein schöner und ermutigender Titelsatz des Tanzlehrers. Mein Inlineskate-Trainer, ein smarter Franzose, pflegte eher zu sagen „zwei Vüüs, ein Problemm“. …….LG, Petra

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