Ein Diplomat vertritt die politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Interessen seines Heimatlandes im Ausland. Sie unterstützen ihre Staatsbürger in Notfällen, führen Verhandlungen zur Beilegung von Konflikten und pflegen internationale Beziehungen. Dabei unterscheidet man die Arbeit bzw. Aufgabe und Funktion von Botschaften,  Konsulaten und Honorar-Konsulaten. Während die Mitarbeiter*innen an Botschaften (fast alle in der Bundeshauptstadt Berlin ansässig) und Konsulaten in der Regel alle 4-6 Jahre in ein anderes Land rotieren, sind viele  Honorarkonsulen und -konsulinnen meist länger an einem Ort wohnhaft und hauptberuflich anderweitig tätig. Gerade letztere Gruppe unterstützt als „Teilzeitdiplomat“ meist wirtschaftliche Interessen und verfügt über gute Netzwerke zwischen Gast- und Heimatland. Ob und in welcher Form eine finanzielle Vergütung dafür erfolgt, bleibt im Gegensatz zu den regulären Botschaften und Konsulaten eine individuelle Vertragssache.

Laut Auswärtigem Amt (Stand 03/26) gibt es in Deutschland gegenwärtig rund 330 Honorarkonsulate, davon allein 70 in Hamburg. Insgesamt befinden sich in Hamburg – inklusive der Generalkonsulate – etwa 100 konsularische Vertretungen. Damit ist Hamburg (etwa gleichrangig mit Frankfurt) der größte Konsularstandort in Deutschland und angeblich nach New York und Hongkong der Drittgrößte weltweit.

Was alle Diplomaten eint

Sie haben Diplomatenstatus, genießen also Reisefreiheit ohne Gepäck-/ Grenzkontrollen und sie besitzen aufgrund ihres Diplomatenpasses diverse Privilegien und auch weitgehende Immunität vor Strafverfolgung etc. Meist wehen vor den stattlichen Gebäuden die Landesfahnen und hinein kommt man nur nach Voranmeldung und mit einem konkreten berechtigten Anliegen.

Ein deutscher Diplomatenpass ist übrigens nicht weinrot, sondern dunkelblau und trägt den Aufdruck „Diplomatenpass“. Ansonsten sieht er dem regulären Reisepass sehr ähnlich.

Um das Amt eines Diplomaten kann man sich nicht per Ausschreibung bewerben, man wird in der Regel berufen und durchläuft zuvor ein längeres akademisches Auswahlverfahren, an dem ich gemeinsam mit meinem Mann 1987 auch einmal teilgenommen habe. Letztlich aber kam ich erst viel später durch meinen beruflichen Aufenthalt in Mexiko mit diplomatischen Kreisen in Kontakt und habe seitdem immer noch Freunde in diesem doch relativ geschlossenen Kreis. Wie und was da im Einzelnen alles so im mittleren, höheren und gehobenen Dienst abläuft und wie es sich lebt, würde ein ganzes Buch mit lustigen, absurden und formellen Anekdoten füllen; aber Diskretion ist alles. Nur so viel sei an dieser Stelle gesagt: Ja, einige dieser Spezies mögen alle Klischees zur Aussage „Wo wir sind, ist oben“ verkörpern, die meisten sind privat jedoch sympathisch und bodenständig – eben auch nur Menschen, wenngleich in Nadelstreifen.

Die „Lange Nacht der Konsulate“

Und doch, es gibt einen Tag im Jahr, an dem man sprichwörtlich bei der Welt zu Gast sein kann – die Lange Nacht der Konsulate am 30.04. zum Auftakt der Europawochen. In Hamburg findet sie dieses Jahr bereits zum 13. Mal statt. Viele konsularische Vertretungen und Kulturinstitute öffnen dabei zwischen 16.00 und 23.00 Uhr ihre Türen und bieten den Besucherinnen und Besuchern ein buntes Programm mit Vorträgen, kulturellen Darbietungen und Informationen über die Arbeit in ihren Vertretungen. Eine Anmeldung ist i.d.R. nicht erforderlich und die Teilnahme ist kostenlos.

22 Institutionen sind mit von der Partie und jede ist auf ihre Art einen Besuch wert. Mein Tipp: sich auf alle Fälle vorab einen Plan machen wohin man gehen möchte, denn die Zeit rennt. Die Auftaktveranstaltung findet an diesem Tag um 16.00 Uhr im MARKK Museum Am Rothenbaum statt. Veranstalter sind die Staatskanzlei der Freien und Hansestadt Hamburg und das Goethe-Institut. Bei dieser Gelegenheit kann man auch die Ausstellungen im MARKK kostenlos entdecken und einem musikalischen Begleitprogramm lauschen.

Ganz oben auf meinem Programm stehen dieses Jahr die Vertretungen von Tadschikistan, Kirgistan, Kasachstan, Indonesien und wenn ich es noch schaffe, die EU-LAC-Stiftung (Region Lateinamerika und Karibik). Leider hat Äthiopien seine Teilnahme inzwischen zurückgezogen. Bei passender Gelegenheit gibt es sicher einiges darüber zu berichten.

Einmal mehr ist Hamburg also das Tor zur Welt. Auf jeden Fall ist dieser Abend mal eine andere Art Tanz in den Mai!

Ein interessantes Programm bieten übrigens auch die folgenden Europawochen:

 

 

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